Oh solitude…„How to become a superhero of isolation“ im Mica Moca

Goldene Revolver baumeln von der Decke und später wird einem klar, dass man von Anfang an wusste, dass noch eine/r daran lutschen würde. Eine Schwingtür schwingt. Die Performer tragen Pailletten. Es gibt Aperol Spritz und alle warten darauf, dass etwas passiert. Das ist der schönste Moment der performativen Installation „How to become a superhero of isolation“, die am Freitag im Mica Moca zu sehen war. Präsentiert von Superheroine of Vision und Nolundi Tschundi. Man steht so da und weiß nicht recht, was einen erwartet. Foyer? Ausstellung? Theater? Einen Vorhang gibt es jedenfalls keinen. Statt dessen mischt sich das „Bühnen“-Personal immer wieder unter die Leute. Manche/r trägt einen Ping-Pong-Ball im Mund. Weiterlesen

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Kühlen, Verbergen, FächernSpanienbilder

Ein Fächer im Dunkeln.

Foto: Sebastian Dorn (CC-By-Sa)

Er fächelt Frischluft, bringt die nötige Abkühlung im klebrigen spanischen August. Kleine Bewegungen, rechts-links, links-rechts mit klapperndem Streichen in der Luft. Gefaltet oder genäht, mit Stäben oder Federn, verziert oder verworren – alles um das zu unterstreichen, was luftig umschmeichelt werden will. Fächer sind Blickfang und Versteck in einem und trotz ihrer vielfachen Einsetzbarkeit in großen Teilen Europas unüblich geworden. Als Nordeuropäer assoziiert man sie mit exzentrischen Regisseuren und stolpert darüber, wenn besprühte Plastikexemplare auf Barcelonas Prachtmeile, den Ramblas, zum Verkauf ausgebreitet werden. Aber bei genauem Hinsehen lässt sich anhand des Fächers viel über Spanien und die Bilder, die wir davon haben, erzählen.

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Entstellung bis zur KenntlichkeitJulian Rosefeldt in der Berliner Galerie Arndt

Bild: Galerie Arndt (Ausschnitt aus "Making of The Ship of Fools"; alle Rechte vorbehalten)

Ein weiter Horizont, durchzogen von ein paar grauen, jedoch von der Abendsonne sanft angestrahlten Wolken über der schaumigen Brandung eines Steinstrandes… Und fast manövriert es die Gedanken zu den Malereien der Romantik von Caspar David Friedrich, wenn Julian Rosefeldt den einsamen Reiter in Rückansicht auf seinem weißen Schimmel in die Ferne des Ozeans blicken lässt. Derselbe, in einen langen Ledermantel gehüllte und mit einem Cowboyhut ausgestattete Protagonist taucht in einem anderen Werk wieder auf. Dieses Mal ohne Pferd, aber bewaffnet mit einer Flinte, blickt er von einem üppig bewachsenen Bergpfad auf die Brandung weit unter ihm. Die Szenerie erinnert an den Schauplatz eines Filmes und tatsächlich handelt es sich bei den Arbeiten der Serie American Night (2009) um eine nachgestellte Motivik, die sich der Bildsprache eines Westernfilms bedient. Wie in vielen Arbeiten Rosefeldts wird auch hier bewusst nicht auf eine gewisse Priese an Kitsch verzichtet. Weiterlesen

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