Forderung nach Förderung

Foto: c4r1n3b (CC-by-nd)

Für das Berliner Kunstzentrum Tacheles geht es mal wieder um die Existenz. Am Montag wurde ein fester Termin für die Zwangsversteigerung des begehrten Grundstücks bekanntgegeben. Das kollektiv verwaltete Zentrum ist nicht umsonst ein symbolträchtiger Streitpunkt im Berliner Kulturbetrieb, wurde das Gebäude doch vor über 100 Jahren als Einkaufstempel errichtet und befindet sich momentan ausgerechnet im Besitz der skandalerschütterten HSH-Nordbank.

Zufällig, aber nicht ohne Zusammenhang veröffentlichten Berliner Kunst- und Kulturschaffende gestern einen Offenen Brief, der sich an den regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit wendet. Sie kritisieren darin das Projekt „Leistungsschau junger Kunst aus Berlin“, mit dem Wowereit „die Debatte um eine ständige Berliner Kunsthalle beleben“ will. Die Unterzeichner stören sich zunächst an den Begrifflichkeiten der Ausschreibung: „Mit dem Wort „Leistungsschau“ wird die neoliberale Rhetorik von Effizienz und Leistungsfähigkeit auch auf die Kunst angewendet und suggeriert eine Objektivier- und Messbarkeit der Qualität künstlerischer Produktion.“

Dass der Ausschreibung zudem finanzielle und kuratorische Intransparenz vorgeworfen wird, ist bei öffentlichen Projekten Usus und nicht weiter spannend. Viel interessanter ist die Grundsatzfrage zur Finanzierung der Berliner Kultur, die der Text stellt. Weiterlesen

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„Handeln! Handeln! Handeln!“Perücken-Politik auf Berliner Bühnen

Andcompany& Co. (Quelle und Bildrechte: HAU/Doro Tuch)

Es ist natürlich Zufall, wenn man in einer Woche in zwei Theatervorstellungen sitzt und in beiden fällt auf der Bühne einer Schauspielerin die voluminös gepuderte Perücke vom Kopf. Auf den ersten Blick verbindet die beiden Abende nicht viel. Im Maxim Gorki Theater gibt es „Der Geizige“ nach Molière, neu getextet vom Dadaisten unter den Antikapitalisten, PeterLicht. Den Komödien-Klassiker im neuen Gewand. „Wir befinden uns am Anfang des dritten Jahrtausends.“ – Und alle so: Hä? Im Hebbel am Ufer laden die Post-Anarchisten von Andcompany&Co. in den deutschen Tempel des Ruhms, wo sie hinter zwei Vorhängen Goethe mit Goebbels, Baader mit Bleibtreu und Jux mit Dollerei verquirlen. Es funktioniert: „Pandämonium Germanicum: Lenz im Loop“.

Beiden Abenden fehlt es weder an Wort- noch Bildgewalt und trotzdem bleibt jeweils der Perückenmoment hängen. Ein kurzes Aufmerken und die Frage: Absicht oder Fauxpas? Und weil man weiß, dass im Theater nur wenig dem Zufall überlassen wird, kommt man zu dem Schluss, dass weder Hilke Altefrohne im „Geizigen“ noch Alexander Karschnia von Lenz&Co. die Haarpracht aus Versehen abhanden gekommen ist. Weiterlesen

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Schwarz ist das neue Schwarz

Brigitte-Cover von 1954 (Quelle und Bildrechte: Gruner+Jahr)

Die Brigitte hat Minderheiten für sich entdeckt. Zugegeben nicht erst gestern, sondern schon vor einem Jahr: Frauen, die keine Models sind, dürfen seitdem nicht nur für die Brigitte-Fotografen posieren, sie dürfen sogar auf’s Titelblatt. Die Initiative „ohne Models“ feiert in der Januar-Ausgabe 2011 Jubiläum. Ein Jahr ohne Models, weil „Frauen, die mitten im Leben stehen, genau die Richtigen sind, um Mode- und Beauty-Trends zu zeigen“ (die Redaktion). Soweit so gut.

Auf dem ausklappbaren Doppel-Cover sind sie alle noch einmal zu sehen. Die Brigitte-Frauen von 2010, die Architektinnen, Ballett-Tänzerinnen, die EDV-Technikerinnen und Lehrerinnen. Bis auf diejenigen, die grade in Los Angeles und Miami oder mit ihrer Band auf Tour sind, haben’s alle geschafft. Ein bisschen Schwund ist immer, wenn man „mitten aus dem Leben“ kommt, mit „Familie, Privatleben, Job“… Ganz normale Frauen eben. Und zum großen Jubiläum setzt Brigitte sogar noch einen drauf: Die Frauen, die keine Models sind und trotzdem die neue Kollektion für 2011 zeigen dürfen, sind Migrantinnen – zwei sogar mit dunkler Hautfarbe, eine über 60! So. Erstmal sacken lassen. Weiterlesen

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