Wer anderen eine Grube gräbt, ist selbst ein HaseAndcompany&Co. schlagen Kapital aus Marx und May (Archivkritik)

Bühnenfoto von West in peace

Foto und Bildrechte: Gregor Knueppel / HAU

Im Wilden Westen haben die Totengräber die Hosen an. Kapitalismusflüchtlinge haben hinter‘m AKW nichts verloren, außer es handelt sich um deutsche Dauer-Camper im Goldrausch. Wer anderen einen Pfeil durch’s Herz jagt, muss die Konsequenzen tragen und schon sehr bald selbst dran glauben. Indianer kennt kein‘ Schmerz. Karl M. - Karl May - Karl Marx…

Wer behauptet, man könne in Zeiten der Krise, sein kapitalismuskritisches Zelt im Vorgarten des Off-Theaters aufschlagen und von dort aus um jeden Zweifel erhabene Performance-Kunst Richtung Sonnenuntergang reiten lassen, der macht sich lächerlich. Die Performer von Andcompany&Co. behaupten das nicht, campen im HAU und machen sich stattdessen lustig. Weiterlesen

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Eindeutig latentBiomediale DNA-Profile (transmediale.11)

Paul Venouses DNA-Fingerabdruck zeigt ein "©"

Was haben eine analoge Fotografie, ein Fingerabdruck und ein DNA-Profil, der sogenannte genetische Fingerabdruck, gemeinsam? Erstaunlich viel, wird man feststellen. Zum Beispiel können alle drei zu erkennungsdienstlichen Zwecken verwendet werden oder als Beweis in einem Gerichtsverfahren. Damit gehören sie aus semiotischer – also zeichentheoretischer – Sicht zur Kategorie des Index (lateinisch: Zeigefinger). Indizes sind nach Charles Sanders Peirce Zeichen, die im Sinne einer Spur in physischer Verbindung zu dem stehen, worauf sie verweisen. Wenn der Fotograf auf den Auslöser drückt, schreibt sich sein Motiv in das fotosensible Material ein. Der beispielsweise bei der Polizei zu Identifizierende drückt selbst – nämlich seinen Finger, zuerst in die Tinte, dann auf Papier, wobei die Linien seiner Haut schwarz auf weiß zurück bleiben. Und der genetische Fingerabdruck? Nun, die begriffliche Nähe täuscht ein wenig über das höchst komplexe Verfahren hinweg, mit dem die Wissenschaft molekulares Material zur Visualisierung bringt. Doch vielleicht ist es grade diese Komplexität, die uns glauben lässt, die DNA sei das zuverlässigste Mittel zur eindeutigen Identifikation der Person, deren physisches Material vorliegt.

Paul Venouse stellt bei der transmediale.11 seine Installation „Latent Figure Protocol“ aus. Weiterlesen

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„The Daily“ für alleNur ein bisschen exklusiv für’s iPad

Rupert Murdochs neuestes Projekt kommt mit großen Worten daher: „It’s not just an app—it’s a new voice. The Daily is offered exclusively in Apple’s iPad App Store“. Die erste Zeitung, die nur für Apples iPad produziert wird, verkauft durch den komfortablen, aber streng reglementierten AppStore.

Auf den irgendwie reizenden Social Network-Pöbel will man aber auch nicht verzichten, lässt sich doch ohne Likes, Retweets und großen Wirbel doch heute keine Relevanz mehr beweisen. Und so haben die Schöpfer des Daily die Inhalte nur fast iPad-exklusiv gemacht: Es gibt zwar kein Nachrichtenportal zum Einstieg, wer aber den genauen Link zu einem Artikel kennt, kann diesen auch mit seinem normalen Browser aufrufen. So kann das geneigte iPad-Publikum auch Noch-Nicht-Besitzern des Apple-Tablets einen Artikel empfehlen.

Natürlich gibt es sofort nach Markteinführung von The Daily eine Seite, die das öffentliche Inhaltsverzeichnis ersetzt und alle Artikellinks zusammenträgt: The Daily: Indexed. Ist ja auch nicht schwer. Der Wunsch, sowohl den kopiergeschützten Vertriebsweg zu nutzen, als auch die Offenheit des Netzes zu suchen – nur was eine URL hat, existiert – scheint naiv. Vielleicht ist es auch ein genialer Schachzug.

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