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	<title>Schönschrift &#187; Sex</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Shame &#124; Wie der nächste Schuss</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 08:02:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den ersten zehn Minuten des Films ist Brandons Penis häufiger im Bild als sein Gesicht. So lernen wir die Hauptfigur in Steve McQueens &#8222;Shame&#8220; kennen. Brandon läuft nackt in kühlem Licht vom Schlafzimmer ins Bad, wobei er eine Namenlose &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/shame-film-kritik/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Shame+%7C+Wie+der+n%C3%A4chste+Schuss+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2446" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2446" title="Shame" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/shame-film.jpg" alt="Michael Fassbender von hinten" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Prokino GmbH (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>In den ersten zehn Minuten des Films ist Brandons Penis häufiger im Bild als sein Gesicht. So lernen wir die Hauptfigur in Steve McQueens &#8222;Shame&#8220; kennen. Brandon läuft nackt in kühlem Licht vom Schlafzimmer ins Bad, wobei er eine Namenlose zurücklässt. Zu dieser Choreographie fleht die Stimme seiner Schwester vom Anrufbeantworter darum zurückgerufen zu werden. Diese Szene wiederholt sich mehrmals, bevor wir es ausführlicher mit Brandons Antlitz zu tun bekommen. Mit seinem Raubtierblick schaut er im Hausflur und in der U-Bahn Frauen hinterher, verführt in Bars und Clubs gewandter als sein ständig quasselnder Kollege. Mit seinen Augen jagt er, was sein Körper braucht &#8211; Sexpartner in großer Zahl.<span id="more-2394"></span></p>
<p>Wenn Brandon (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Fassbender">Michael Fassbender</a>) keinen Sex hat, dann arbeitet er. Aber auch sein Arbeitsplatz spannt sich im Film zwischen dem Schreibtisch, von dem gerade der mit Pornos verseuchte Computer entfernt wurde, und den Toiletten auf, wo Brandon masturbiert. Wieder zu Hause empfängt er in seiner kargen Wohnung Prostituierte oder trifft sich mit ihnen im Online-Chat. Ohne viele Worte erzählt &#8222;Shame&#8220; von einem Mann, der Sex braucht. Mehr Sex als man vielleicht für normal hält? An Orten, die man vielleicht nicht adäquat findet? Definitiv aber ohne die romantischen Geschichten, in die er normalerweise im Film eingebettet wird.</p>
<p>Als Brandon dann doch so eine romantische Geschichte ausprobiert und sich mit seiner Arbeitskollegin Marianne verabredet, scheitert er ausgerechnet im Bett. Sex, Sympathie und so etwas wie Romantik scheinen bei ihm nicht zusammen zu gehen. Ähnlich ist es bei seiner jüngeren Schwester Sissy (Carey Mulligan), die nach zahllosen unbeantworteten Anrufen plötzlich bei ihm auftaucht. Sie wünscht sich im Gegensatz zu Brandon Liebe und Zuneigung, aber auch bei ihr reicht es nur für Bettgeschichten. Wo sie Halt in der geschwisterlichen Nähe sucht, droht für ihn die emotionale Bindung der beiden seinen wohl geordneten Alltag durcheinander zu bringen.</p>
<p>&#8222;Shame&#8220; erzählt eine merkwürdige Leidensgeschichte. Die Bilder und Episoden aus Brandons ausschweifendem Sex-Leben scheinen vertraut. New York lieferte die Kulisse für so viele urbane Mythen von freien und einsamen geschlechtlichen Wesen, dass man annehmen könnte &#8222;Shame&#8220; sei nur ein weiterer auf der Liste. Dass für Brandon der nächste Orgasmus so etwas wie der nächste Schuss eines Junkies ist &#8211; so zwingend wie unbefriedigend &#8211; erzählt der Film erst eilig im letzten Drittel. Welchen Teil in ihm das Auftauchen seiner Schwester anrührt, bleibt der Spekulation der Zuschauerin überlassen.</p>
<p>Das Leiden der Geschwister ist in der ersten Hälfte von &#8222;Shame&#8220; diffus &#8211; und wirkt in der zweiten, wenn sie außer Rand und Band geraten, hölzern. Brandons Absturz wird anhand eines nächtlichen Besuchs auf der Toilette eines Schwulenclubs erzählt (gar nicht queer!). Sissy schlitzt sich &#8211; ganz das Paradebild von der weiblichen Autoaggression &#8211; im Badezimmer die Pulsadern auf. Und warum? Weil unter dem postmodernen Bild entfesselter Sexualität etwas Unaussprechliches schlummert? Weil es ein schmaler Grad ist, zwischen der Abhängigkeit von Nähe, die den Menschen ausmacht, und einer Sucht nach körperlichen Kicks, die dem Individuum gefährlich wird? &#8222;Shame&#8220; ist schön gefilmt, aber so spärlich erzählt, dass am Ende die Anzahl der Lücken, die man selbst spekulativ füllen muss, Unzufriedenheit auslöst. Ob er provozieren wird, bleibt abzuwarten.</p>
<p><em>&#8222;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shame_(Film)">Shame</a>&#8220; läuft seit dem 1. März in den deutschen Kinos.</em></p>
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		<title>Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen &#124; reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 14:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm reSource for transmedial culture sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2249" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.flickr.com/photos/transmediale/6627909947/in/set-72157628698408863"><img class="size-full wp-image-2249" title="Grass mud horse" src="/wp-content/uploads/2012/02/grasmudhorse.jpg" alt="" width="720" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Niedlich und subversiv: Das Grass Mud Horse (Titelfoto &quot;People&#39;s Pornography&quot;, alle Rechte vorbehalten, Martin Lui)</p></div>
<p>Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-transmedial-culture-0">reSource for transmedial culture</a> sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu Ende ging, Impulse gegeben werden. Die Kategorie <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-sex">reSource sex</a> (daneben gibt es markets, networks, activism und methods) verhandelte während des Festivals bereits einen Bereich, der viel Inkompatibles in sich birgt. Wie passt es zum Beispiel zusammen, dass Sex und Nacktheit überall sind und es trotzdem so schwierig ist, reflektierte Standpunkte zu Themen wie Sex-Arbeit, Pornografie oder Pädophilie zu finden? Die US-amerikanische Filmwissenschaftlerin Linda Williams nennt dieses Phänomen ganz transmediale-kompatibel On/scenity. <span id="more-2199"></span></p>
<p>Sie schreibt in ihrem 2004 publizierten Reader <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">Porn Studies</a>:</p>
<blockquote><p>On/scenity marks both the controversy and scandal of the increasingly public representations of diverse forms of sexuality <em>and</em> the fact that they have become increasing available to the public at large. [&#8230;] If <em>obscenity</em> is the term given to those sexualy explicit acts that once seemed unspeakable, and were thus permanently kept off-scene, <em>on/scenity </em>is the more conflicted term with which we can mark the tension between the speakable and the unspeakable which animates so many of our contemporary discourses of sexuality.</p></blockquote>
<p>Williams&#8216; Modell bietet einen theoretischen Rahmen für die Spannung zwischen der Allgegenwart von Bildern, die früher obszön genannt wurden, und der Unerhörtheit, die als moralistisches Erbe immer noch mit ihnen verbunden ist.</p>
<p>Diese Unerhörtheit ist dabei zum Teil wörtlich zu nehmen, wie die Podiumsdiskussion &#8222;Commercialising Eros&#8220; zum Thema Sex-Arbeit zeigte. <a href="http://www.transmediale.de/content/aliya-rakhmetova">Aliya Rakhmetova</a> vom globalen Sex-Arbeiter Netzwerk <a href="http://www.nswp.org/">NSWP</a> sprach unter anderem über die Schwierigkeit politische Rechte für eine Gruppe von Menschen einzufordern, deren primäres Ziel es ist, anonym zu bleiben. Zu den Sex-Arbeiterinnen gehören von der Prostituierten, über den Telefonsex-Agenten bis zur Anbieterin erotischer Massagen alle möglichen Berufsgruppen. Sie sind in vielen Teilen der Welt schon alleine deshalb darauf angewiesen, zu verheimlichen was sie tun, um sich vor körperlicher Gewalt zu schützen. Gleiches gilt auch für die Kunden, die die sexuellen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Gerade wegen der Stigmatisierung und der teils lebensbedrohlichen Risiken der Arbeit ist es wichtig, juristische Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber wie führt man eine Demonstration durch, mit Menschen, die nicht erkannt werden dürfen?</p>
<p>Die Künstlerin, Aktivistin und Sex-Arbeiterin <a href="http://www.transmediale.de/content/liad-hussein-kantorowicz">Liad Hussein Kantorowicz</a> überschreitet die Schwelle der Sichtbarkeit ihrer selbst und ihrer Arbeit auf mehreren Ebenen. In ihrer Performance <a href="http://www.transmediale.de/content/watch-me-work-1">&#8222;Watch me Work&#8220;</a>, die parallel zur Podiumsdiskussion stattfand, ließ sie das Publikum an ihrem Arbeitsalltag als Stripperin in einem Videochat teilnehmen. Sie war live auf der Bühne zu sehen, chattete währenddessen per Video und Tastatur mit ihren Kunden und wurde dabei noch zusätzlich für die Dokumentation gefilmt. In der Performance dekonstruierte sie einerseits das Spektakuläre und Anrüchige an ihrem Job. Das Publikum konnte sehen, wie sie außerhalb des für die Webcam sichtbaren Bereichs aß, trank oder SMS schrieb. Andererseits zeigte sich, wie prekär die Arbeitsverhältnisse auch in diesem Bereich sein können. Am Ende der Performance, als sie nach etwa einer Stunde wieder auf&#8217;s Panel kam, hatte sie nur einige wenige Kunden in den bezahlten Bereich des Chats locken können und nicht mehr als ca. 16 Euro verdient.</p>
<p>Wie kann Sex, wörtlich genommen, eine Ressource sein, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient, wenn das gesamte Arbeitsfeld der Sex-Arbeit als nicht existent deklariert wird? In China beispielsweise wird die Parole verbreitet, Internet-Pornografie &#8211; &#8222;the cyber yellow danger&#8220; &#8211; sei von der Zensur komplett ausgerottet worden. Wie sich dennoch auf verschiedenen Wegen die unerhörten Bilder ihren Weg von den Machern durch die vernetzte Welt hin zu den Usern bahnen, das recherchierte die Wissenschaftlerin <a href="http://www.transmediale.de/content/katrien-jacobs">Katrien Jacobs</a> für ihr Buch <a href="http://www.amazon.com/Peoples-Pornography-Surveillance-Chinese-Internet/dp/1841504939">&#8222;People&#8217;s Pornography. Sex and Surveillance on the Chinese Internet&#8220;</a>, das sie auf der Transmediale vorstellte. In ihrer Präsentation stellte sie die maßgebliche Inkompatibilität heraus, die den chinesischen Umgang mit Internetpornografie kennzeichnet: Die hyperkapitalistische Gesellschaft, die auch vor dem menschlichen Körper als Ressource nicht Halt macht, steht dem kommunistischen System gegenüber, in dem der Zugang zu Inhalten, die über das Internet kursieren, eingeschränkt wird.</p>
<p>Der Transmediale tat es gut, sich dem Thema Porngorafie, Sex-Arbeit und Bio-Technologie zu öffnen. Die Macher hatten sicher absehen können, das es den Rahmen des Festivals sprengen würde. Daher bleibt mit Spannung abzuwarten, welche Veranstaltungen das reSource Sex-Programm in den kommenden Wochen und Monaten anbieten wird.</p>
<h3>Literatur zum Thema Sex-Arbeit:</h3>
<ul>
<li>NSWP:<em> <em>Reserach for Sex Work 12: <a href="http://www.nswp.org/resource/research-sex-work-12-sex-work-and-violence"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">Sex Work and Violence (p</em></em>df</a>)</em></em></li>
<li>Susanne Koppe: „Sexarbeit zwischen patriarchaler Ausbeutung und emanzipatorischer Subversion“<em> (</em>in:<em> <em><a href="http://www.amazon.de/Gender-Queer-Studies-Einführung-Uni-Taschenbücher/dp/3825229866">Gender / Queer Studies. Eine Einführung</a> </em>von Nina Degele</em>)</li>
<li>Audacia Ray: „Sex On The Open Market: Sex Workers Harness The Power Of The Internet“ (in:<em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"> <a href="http://www.networkcultures.org/_uploads/24.pdf"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">C’lick Me. A Netporn Studies Reader (p</em>df)</a> von </em><em>Katrien Jacobs, Marije Janssen, Matteo Pasquinelli</em>)</li>
</ul>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>In guten Händen &#124; Es vögeln nur die Enten</title>
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		<pubDate>Sat, 31 Dec 2011 08:16:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Die Symptome sind vielfältig: Lebenshunger, Lust, Überforderung, Traurigkeit, Mordgelüste. Die Ursachen sind es nicht minder: Haushalt, Kinder, Eheleben, das nordeuropäische Klima oder politische Unzufriedenheit. Die populäre Diagnose für Frauen, die in den 1880er Jahren solche Leiden plagten, lautete immer gleich: &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/in-guten-haenden-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=In+guten+H%C3%A4nden+%7C+Es+v%C3%B6geln+nur+die+Enten+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1973" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1973" title="In guten Händen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/12/in-guten-haenden.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Senator (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Die Symptome sind vielfältig: Lebenshunger, Lust, Überforderung, Traurigkeit, Mordgelüste. Die Ursachen sind es nicht minder: Haushalt, Kinder, Eheleben, das nordeuropäische Klima oder politische Unzufriedenheit. Die populäre Diagnose für Frauen, die in den 1880er Jahren solche Leiden plagten, lautete immer gleich: Hysterie. &#8222;Hysteria&#8220; heißt Tanya Wexlers Komödie zum Thema schlicht im englischen Original. Die deutsche Version ist mit &#8222;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/In_guten_Händen">In guten Händen</a>&#8220; betitelt und legt den Fokus stärker auf die Behandlungsmethoden. Als Film über die Erfindung des Vibrators sollte er keine Probleme haben, Publikum in die Kinos zu locken. <span id="more-1946"></span></p>
<p>Leichten und mittelschweren Fällen von weiblicher Hysterie sollte mit einer Vaginalmassage geholfen werden. Der Protagonist des Films, der junge Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy), lernt die Methode in der gediegenen Praxis seines Mentors Dr. Dalrymple (Jonathan Pryce), in der gelangweilte Hausfrauen und unzufriedene Witwen ein und aus gehen. Dalrymple verhilft ihnen mit wissenschaftlichem Ernst zum Orgasmus. Oh pardon, zu &#8222;hysterischen Krampfanfällen&#8220;. Wir befinden uns schließlich in einer Zeit, in der die weibliche Lust wissenschaftlich wie gesellschaftlich strikt geleugnet wird.</p>
<p>Die Pointe des Films ist schnell erzählt. Mortimer ist zwar begabt, erliegt aber aufrgund des nicht abreißenden Stroms neuer Patientinnen, die von seinen Fähigkeiten begeistert sind, einer Sehnenscheidenentzündung. Um den lukrativen Job und die Verlobung mit Dalrymples Tochter Emilie (Felicity Jones) nicht auf&#8217;s Spiel zu setzen, erfindet er gemeinsam mit seinem technik-vernarrten Freund Edmund (Rupert Everett) den elektrischen Vibrator, der die Behandlung der Hysterikerinnen von der Fingerfähigkeit der Mediziner unabhängig macht.</p>
<p>So weit, so leichtfüßig. Wenn da nicht die schweren Fälle von Hysterie wären, die der Film am Beispiel von Dalrymples zweiter Tochter Charlotte (Maggy Gyllenhaal) erzählt. Die Pechmarie verkörpert alles, was eine romantische Komödie braucht, um weiblichen Wiedersinn zu  repräsentieren. Sie ist laut, ein bisschen schmutzig, schlecht frisiert und trotzdem wunderschön, hat ein großes Herz und viel Humor. Kein Wunder, dass Mortimer für sie seinen heiligen Ernst, den Job und die Verlobung aufgibt. Als Charlotte wegen ihres politischen und sozialen Engagements vor Gericht steht, rettet Mortimer sie vor der Diagnose Hysterie, denn diese hätte ihr nicht etwa zu ein paar lustvollen Stunden in seiner Praxis verholfen. Als unheilbare Hysterikerin wäre sie in eine geschlossene Anstalt eingewiesen worden, nachdem man ihr operativ den Uterus, das angebliche Zentrum der Krankheit, entfernt hätte.</p>
<p><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hysterie">Hysterie</a>, so lehrt der Abspann des Films, ist erst 1952 aus der <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/ICD-10">Liste der Krankheiten</a> gestrichen bzw. ersetzt worden. Bis dahin galt sie als psychische Störung aufgrund einer Erkrankung der Gebärmutter. Sie konnte damit logischerweise nur Frauen befallen und lieferte also eine medizinische Erklärung für weibliches &#8222;Fehlverhalten&#8220; in einer Zeit und Gesellschaft, in der die Rolle der Frau wenig Spielraum für Abweichungen bereithielt. &#8222;In guten Händen&#8220; erzählt von einem Moment in der Geschichte der Medizin, in dem die Keim-Theorie noch als neumodischer Firlefanz verpönt war und die frühe Pharma-Industrie bereits einen wichtigen Einfluss auf Behandlungsmethoden und Mediziner-Karrieren hatte. Von diesem Moment trennen uns knapp 150 Jahre, in denen <a href="http://www.zeit.de/zeit-wissen/2005/05/Orgasmus.xml">die weibliche Sexualität von den Bühnen der Medizin und Pharmazie keinesfalls verschwunden ist</a>.</p>
<p>Der Orgasmus der Frau ist Pointengeber Nummer 1 in diesem Film, der ein populäres Problem mit der Pornografie teilt: Wie macht man ihn filmisch sichtbar &#8211; und das auch noch für Zuschauer ab zwölf Jahren? Die Antwort ist eine filmische und gynäkologische Blackbox, in die Nacktheit und Berührungen verbannt werden. Den Höhepunkt der Frau repräsentiert die Opernarie, die sie als Zeichen trällert und die affektive Komponente des Zuschauens soll wohl dadurch stimuliert werden, dass bei jeder Mahlzeit dieses Films Fisch serviert wird? Es ist erstaunlich, wie ein Film, der ganz auf Lust und Erregung gründet, so wenig über Sex erzählen kann. Die einzigen, die hier vögeln, sind die Enten. Und ausgerechnet Mortimer, der bei ihrem Anblick errötet, sollen wir abnehmen, dass er ganz ohne Übung in der Lage ist, Frauen reihenweise zu höchster Lust zu verhelfen?</p>
<p>Diese ausdrückliche Prüderie &#8211; und man möchte sagen Weltfremdheit &#8211; ist wohl beabsichtigt. Sie wird &#8222;In guten Händen&#8220; zu einem Kassenschlager machen, der kichernde Scharen mit scheinbarer Anrüchigkeit in die Kinos lockt, ohne ihnen dann aber zu viel zuzumuten. Zu viel wovon? Von der alltäglichen, schönen, schrecklichen und höchst komplizierten Pointe namens Sex. Dieser Pointe hat es noch nie geschadet, wenn herzhaft über sie gelacht wurde. Sie aber tot zu schweigen und selbst im visuellsten aller Medien, dem Film, unsichtbar zu machen, nimmt ihr nicht nur den Humor, sondern auch ihre ganze emanzipatorische Kraft.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/12/notizen-in-guten-haenden.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1978" title="Notizen In guten Händen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/12/notizen-in-guten-haenden-thumb.jpg" alt="" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/12/notizen-in-guten-haenden.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=In+guten+H%C3%A4nden+%7C+Es+v%C3%B6geln+nur+die+Enten+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>&#8222;Post Porn Poetry&#8220; im Maxim-Gorki-Theater &#124; Collage statt Konfrontation</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 09:24:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Maxim-Gorki-Theater traut sich was. Wo auf den meisten vergleichbaren Bühnen noch die Postdramatik abgehandelt wird, steht hier seit Juni 2011 &#8222;Postpornografie&#8220; auf dem Programm. Im Studio des Berliner Traditionshauses zeigt das Künstlerkollektiv ZENTRALE &#8220;Post Porn Poetry&#8220;, die Diplominszenierung der Regisseurin Agnes &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/post-porn-poetry-maxim-gorki-theater-berlin/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=%26%238222%3BPost+Porn+Poetry%26%238220%3B+im+Maxim-Gorki-Theater+%7C+Collage+statt+Konfrontation+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1563" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1563" title="PPP008" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/PPP008.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Bettina Stöß (alle Rechte vobehalten)</p></div>
<p>Das Maxim-Gorki-Theater traut sich was. Wo auf den meisten vergleichbaren Bühnen noch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postdramatisches_Theater">Postdramatik</a> abgehandelt wird, steht hier seit Juni 2011 &#8222;Postpornografie&#8220; auf dem Programm. Im Studio des Berliner Traditionshauses zeigt das Künstlerkollektiv <a href="http://zentrale.cc/">ZENTRALE</a> &#8220;Post Porn Poetry&#8220;, die Diplominszenierung der Regisseurin Agnes Hansch. Wer allerdings nackte Leiber erwartet, die ja im Theater eigentlich keine Seltenheit mehr sind, der wartet vergebens. Hardcore-Sex, Prostitution, Sadomaso &#8211; das alles gibt es &#8222;nur&#8220; verbal. Aber schließlich ist Porno ja nicht zuletzt ein literarisches Genre. Das kann man in Zeiten von YouPorn natürlich schon mal vergessen. Umso überraschender, dass &#8222;Post Porn Poetry&#8220; auf filmisches Material ganz verzichtet.<span id="more-1562"></span></p>
<p>Stattdessen fackeln hier <a title="„Dieser verrückte bunte Vogel“ | Ivana Sajević im Gespräch über Gaddafi als „King of the Kings“ (Freischwimmer 2011)" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/interview-lovefuckers-king-of-the-kings-gaddafi/">Ivana Sajević</a> und Hanna Binder in pinken Röckchen und fleischfarbenen Leggings eine Show &#8222;voller Höhepunkte&#8220; ab, mit Zitaten von jetzt und früher, aus Literatur, Musik und Philosophie. Vom &#8222;House of the rising sun&#8220; als Ideengeber für Kollektiv-Sex-Fantasien, über Pedro Almodovars fiktive Dirty-Doll <a href="http://www.amazon.de/Patty-Diphusa-Wilde-Geschichten-Almodóvar/dp/342661507X">Patty Diphusa</a>, bis hin zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kugelmenschen">Platons Kugelmenschen</a>, die erst Sex brauchen, seit die Götter sie von ihrer besseren Hälfte getrennt haben. In der ZENTRALE wurden die kulturgeschichtlichen Hausaufgaben gemacht! Verwunderlich nur, dass Tim Stüttgens Veröffentlichung <a href="http://www.b-books.de/verlag/ppp/index.html">&#8222;Post Porn Politics&#8220;</a> zum gleichnamigen Symposium, das 2006 in Berlin stattfand und an das der Titel des Abends so nah angelehnt ist, keine Erwähnung findet. Der Theoretiker und Performer fragt darin unter anderem:</p>
<blockquote><p>Why watch porn? Why not? Or why not look for &#8222;other&#8220; porn? Why not produce post-porn? How do we theorize sex performance? &#8230;</p></blockquote>
<p>Die Postpornografie-Szene, zu der Stüttgen gehört, ist eine Mischung aus akademischer Beschäftigung mit Pornografie, Performancekunst und radikalem politischen Aufbegehren gegen sexualisierte Formen der Macht. Einerseits bejaht sie die Lust am Pornografischen, andererseits versteht sie sich aber in vielerlei Hinsicht als Alternative zum Porno-Mainstream. Mit queeren Mitteln werden hier Darstellungen erzeugt, die den Handlungsspielraum derjenigen erweitern sollen, die normalerweise sowohl im Mainstream-Porno, als auch in einer auf Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit basierenden Gesellschaft am Rande stehen: Homo-, Trans*- und Intersexuelle oder auch einfach nur Personen, die nicht auf ein Männer- oder Frauenklischee festgelegt werden wollen, dem sie nicht entsprechen.</p>
<p>Zu namhaften Performer_innen der Postporn-Szene, die auch im etablierten Kunstbetrieb ihre Erfolge verbuchen können, gehören neben <a href="http://anniesprinkle.org/">Annie M. Sprinkle</a> (eine ehemalige Pornodarstellerin mit Doktortitel) oder <a href="http://www.dellagracevolcano.com/index.html">Del la Grace Volcano</a> auch der Filmemacher <a href="http://www.brucelabruce.com/">Bruce la Bruce</a> und Tim Stüttgen selbst als Berliner Vertreter. Ihr radikales Erbe anzutreten, das hat sich ZENTRALE nicht vorgenommen. Auch nicht in ihre ästhetsischen Fußstapfen zu treten. Und das war eine gute Entscheidung, die der Qualität des Abends keinen Abbruch tut.</p>
<p>&#8222;Post Porn Poetry&#8220; interessiert sich für die Kommerzialisierung der Sexualität in so handfesten Ausprägungen wie der Sex-Arbeit, zu der Prostitution und Pornografie gehören. Im Mittelpunkt des Abends steht, dass Sex längst zur Währung geworden ist oder doch zumindest seinen Preis hat. Kapitalismus, Marktwirtschaft, Selbstmanagement, alles schlau gewählte Themen, an denen sich die Postpornografie-Debatte mit einem Theater überlappt, das sich gern als kritisch-links verkauft.</p>
<p>Damit findet ZENTRALE ihren Weg in einen Betrieb, der der Pornografie im kulturellen Spektrum diametral entgegen steht. Auf der Bühne Sperma, Schwanz und Fotze zu sagen, das ist nicht das provokante dieses Abends, der manchmal aufpassen muss, in seiner Collagenhaftigkeit nicht ins Beliebige abzurutschen. Es ist die süße Subversion, mit der &#8222;Post Porn Poetry&#8220; das Publikum für ein gesellschaftspolitisches, akademisches und künstlerisches Thema interessiert, ohne dass es sich auch nur ein bisschen unwohl fühlen muss oder aus seiner Theatergemütlichkeit herausgerissen wird. Die nächsten Projekte der ZENTRALE lassen Spannendes erwarten!</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/10/notizen-post-porn-poetry.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1730" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/notizen-post-porn-poetry-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/10/notizen-post-porn-poetry.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=%26%238222%3BPost+Porn+Poetry%26%238220%3B+im+Maxim-Gorki-Theater+%7C+Collage+statt+Konfrontation+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Den Diskurs öffnen &#124; Clarissa Smith im Gespräch über Pornresearch.org</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 08:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Produktion]]></category>
		<category><![CDATA[Clarissa Smith]]></category>
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		<category><![CDATA[IX. MAGIS International Spring School]]></category>
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		<category><![CDATA[Porn Studies]]></category>
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		<description><![CDATA[An English version of this text is available. Die britischen WissenschaftlerInnen Clarissa Smith, Feona Attwood und Martin Barker haben vor kurzem ein umfassendes Befragungsprojekt gestartet, eine Studie über die Nutzung von Pornografie: pornresearch.org. Was ihr Projekt von anderen Studien zum diesem &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/clarissa-smith-interview-pornresearch-org-porn-studies/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Den+Diskurs+%C3%B6ffnen+%7C+Clarissa+Smith+im+Gespr%C3%A4ch+%C3%BCber+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_989" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-989" title="Clarissa Smith" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/Foto_Clarissa-Smith.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Lisa Andergassen</p></div>
<p>An <a href="/artikel/a-slippery-slope-interview-clarissa-smith-pornresearch-org-porn-studies/">English version of this text</a> is available.</p>
<p><em>Die britischen WissenschaftlerInnen Clarissa Smith, Feona Attwood und Martin Barker haben vor kurzem ein umfassendes Befragungsprojekt gestartet, eine Studie über die Nutzung von Pornografie: <a href="http://pornresearch.org/">pornresearch.org</a>. Was ihr Projekt von anderen Studien zum diesem Thema unterscheidet, ist die Betonung der Beziehung zwischen der Pornografie und ihren Zuschauern. Damit hat die Studie eine völlig andere Richtung als andere, die sich für gewöhnlich mit den oft beklagten potentiellen Gefahren beschäftigen. Smith und Attwood waren gerade zu Gast bei der <a title="Film und Archiv | IX. MAGIS International Spring School" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/film-und-archiv-ix-magis-international-spring-school/"> IX. MAGIS Spring School</a> in Gorizia, Italien, wo sie </em><em>eine Sektion des <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">Porn Studies</a>-Seminars koordinierten. Wir haben Clarissa Smith interviewed. Es wurde viel gekichert&#8230;</em></p>
<p><strong>Schönschrift: Auf eurer Webseite bin ich über den Begriff „public knowledge”, also öffentliches Wissen, gestolpert. Es gibt viele Leute, die sagen, „Es gibt so viel Porno überall, wir können das langsam nicht mehr ertragen” und dann kommt ihr daher und argumentiert, dass wir mehr öffentliches Wissen darüber brauchen. Kannst du das etwas genauer erklären?</strong></p>
<p>Smith: Die Sache ist, dass sehr viele Annahmen über Pornos existieren. Warum Leute sich das angucken, warum sie es lesen. Es geht nämlich dabei nicht nur ums Gucken, sondern auch ums Lesen. Es bedeutet vieles. Allein der Ausdruck „Gebrauch von Pornografie“ lässt zum Beispiel eine bestimmte Beziehung vermuten, die Leute zur Pornografie haben. Ich bin nicht sicher, ob wir überhaupt wissen, was Leute mit Pornografie machen.<span id="more-974"></span></p>
<p>Man denkt, dass es dabei ausschließlich um Masturbation geht. Aber schon nach der vorläufigen Auswertung der Studie, die wir bis jetzt gemacht haben, ist deutlich geworden, dass es um sehr viel mehr geht. Manchmal geht es eher darum, eine Diskussion über Sexualität mit anderen Leuten zu führen, um das Gefühl, das man zu einer Gruppe gehört, die an sexuellen Aspekten interessiert ist.</p>
<p>Wir wissen nicht, was wir am Ende finden werden, aber ich denke, es ist viel komplizierter als zu behaupten, dass sich Menschen diesen Kram angucken, um angetörnt zu werden und das war&#8217;s dann. Man geht im Allgemeinen davon aus, dass Leute, die zur Pornografie kommen, nach mehr und mehr explizitem Material suchen. Weißt du, man beginnt mit ein bisschen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie#Softpornos.2C_Erotikfilme_und_Sexfilme">Softcore</a>, dann geht man über zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie#Hardcore-_bzw._Porno">Hardcore</a> und dann zu brutalen Vergewaltigungsfantasien und dann will man vielleicht rausgehen und das nachspielen. Damit beschäftigt sich öffentliches Wissen die ganze Zeit, mit diesem Wandeln auf dem dünnen Eis. Ich denke, es gibt einige Verzerrungen darüber, was Leute, mit denen ich gesprochen habe, wirklich fühlen. Es geht eigentlich viel mehr darum herauszufinden, was man mag und was nicht. Und unterwegs stellt man fest „Na ja, das hier mag ich nicht. Damit will ich mich nicht weiter beschäftigen. Aber das hier gefällt mir“. Eigentlich wie jede andere Art von kultureller Aktivität. Man lernt die generischen Konventionen, die Codes und dann kommt man zu dem Schluss: „Das hier mag ich aus den und den Gründen“. Man hat etwas dazu zu sagen. Und dann kennt man sich langsam besser aus und ist vielleicht mehr interessiert an einem bestimmten Aspekt und das ist dann nicht mehr das Gleiche wie das vorher genannte Wandeln auf dünnem Eis. Es gibt mehr über Pornografie zu sagen als einfach nur, dass es innerhalb der Gesellschaft eine Tendenz zu  expliziterem Material gibt und dass es immer leichter verfügbar ist.</p>
<p><strong>Wie wurde euer Projekt bis jetzt angenommen?</strong></p>
<p>Als ich es zu Anfang auf Facebook gestellt habe, hatten wir 200 Antworten in 24 Stunden und ca. 50 Leute, die sich bereit erklärt haben, an weiteren Fragen teilzunehmen. Und das war ganz schön abgefahren, ich hatte erwartet, dass vielleicht ein Prozent der Leute mehr Fragen beantworten würde.</p>
<p><strong>Habt ihr euer <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E-rF8GIPb4c">Promotion Video</a> auch auf andere Videoportale wie YouPorn oder XTube gestellt oder ist es nur auf YouTube zu sehen?</strong></p>
<p>Es ist nur auf YouTube. Wir haben Probleme mit diesen Tube Sites, weil sie denken, dass es sich dabei um Werbung handelt und das wollen sie nicht. Deswegen muss ich sie anschreiben und sie fragen, ob sie es auf die Seite stellen können. Wir hatten auch schon Beschwerden über die Studie von Gruppen, die gegen Pornografie sind. Die vermuten, dass wir von der Pornoindustrie bezahlt werden, um Marktforschung für sie zu betreiben. Naja, und das machen wir nicht im Entferntesten. Wir sind daran interessiert, herauszufinden, warum Leute Pornos mögen. Das ist nicht das Gleiche wie Marktforschung für Pornoproduzenten zu betreiben. Da gibt es definitiv ein Problem und ich will nicht noch mehr Aufmerksamkeit diesbezüglich auf uns ziehen, denn irgendwann möchte ich ein anderes Projekt machen, das sich damit beschäftigt, warum Leute Pornografie <em>nicht</em> mögen. Und wenn es online viel Gerede gibt, dass wir von den Pornomachern bezahlt werden, wird es schwierig.</p>
<p>Aber so wird die ganze Sache gedacht. Man ist entweder entschieden dafür oder entschieden dagegen. Aber eigentlich sind es ganz verschiedene Fragen, mit denen wir uns beschäftigen. Diese beiden Optionen halte ich nicht für die eigentlich interessanten. Uns interessiert, was Leute in ihrem täglichen Leben an Pornografie finden und wie dies wiederum verbunden ist mit ihrem Sinn für Sexualität, sexuelle Politiken etc. Die Leute, die im Augenblick an dem Thema interessiert sind, mögen Pornografie. Es müssten andere Fragen gestellt werden für Leute, die Pornografie ablehnen, und man müsste fragen, wie sie die Verbindung zwischen Pornografie und Alltag einschätzen.</p>
<p><strong>Seid ihr auch an der Produktionsseite von Pornos interessiert? Habt ihr Kontakt zu Produzenten oder SchauspielerInnen?</strong></p>
<p>Ja, es gibt ein anderes Projekt, mit dem ich mich gerade beschäftige, das mit Leuten zu tun hat, die in der Pornoszene arbeiten. Was ich daran spannend finde, ist die Medienindustrie. Wenn man zum Beispiel in die Bibliothek geht und sich Bücher zur Medienindustrie besorgt, schau mal ins Inhaltsverzeichnis: Pornografie existiert praktisch nicht. Niemand spricht darüber als ein Zweig von kreativer Praxis oder als eine Form von Medien. Ich finde es sehr spannend, dass Pornografie eine Schwesterproduktion des Kinos ist. Es benutzt dasselbe Medium, es benutzt dasselbe &#8211; na ja, nicht dasselbe Vertriebssystem, denn offensichtlich bleibt es in vielen Punkten wegen der rechtlichen Bestimmungen getrennt – aber es ist nicht komplett einzigartig. Es wird nicht besprochen als ein Bestandteil der Produktion. Und wenn doch mal jemand darüber spricht, dann  normalerweise über die Stars, die Leute, die in den Filmen spielen oder die Leute, die damit Geld machen, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hugh_Hefner">Hugh Hefner</a>. Das sind die einzigen. Aber neben diesen Leuten gibt es Make-Up Artists, Kameraleute, Tonleute, Drehbuchschreiber. All die Dinge, die es auch im Theater oder Kino oder Fernsehen gibt. Und mich interessiert, wie diese Leute Fragen der Kreativität einschätzen und wie sie das als Beruf sehen. Viele Leute, die als Selbstständige arbeiten oder im Mainstream-Film, würden auch für Pornos arbeiten. Für Webdesigner z.B. denke ich, ist das keine schlechte Sache, schon mal in der Pornoindustrie gearbeitet zu haben, weil Pornografie sehr entscheidend für das Wachstum des Internets war. Ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, die jetzt sehr respektable Jobs haben, und die früher in Pornoproduktionen involviert waren. Es ist also dementsprechend nicht komplett getrennt voneinander, obwohl dieser Eindruck besteht und es nur sehr wenig Literatur darüber gibt.</p>
<p><strong>Habt ihr den Eindruck, dass die Leute, die eure Fragen beantworten, überhaupt fähig sind, darüber zu sprechen, was ihr fragt, wenn man davon ausgeht, dass es relativ ungewöhnlich ist, über Sexualität und Pornografie zu sprechen?</strong></p>
<p>Wir suchen nicht nach Leuten, die uns irgendwie intellektualisierte Antworten geben. Es wäre naiv zu glauben, dass man das finden kann. Wonach wir suchen sind Muster und wie darüber gesprochen wird. Was heißt das z.B., wenn Leute sagen, „Das ist ein realistisches Setting“ oder „Das könnte mir passieren“ oder „Ich stelle mir vor, in der gleichen Situation zu sein“. Wie das korreliert mit ihrer Vorstellung über sich selbst. Was wir hier machen, befindet sich in der weiten Tradition der Publikumsstudien. Zum Beispiel, wenn man das Publikum eines speziellen Clint Eastwood-Westerns untersucht. Weißt du, Leute mögen den Begriff „Identifikation“ nutzen, aber was meinen sie damit eigentlich?</p>
<p>Wir suchen nach Mustern und Arten über diese Dinge zu sprechen. Und eine der Sachen, die wir  herausgefunden haben, ist der Fakt, dass der öffentliche Diskurs über Pornografie sich bereits im Sprechen darüber befindet. Wie Leute zum Beispiel versuchen damit umzugehen, vielleicht um eine Nische zu finden, in die sie passen. Es gibt verschiedene Ideologien, die von Leuten angewandt werden, wenn sie darüber sprechen, warum sie etwas mögen. Und ich bin nicht davon überzeugt, dass Akademiker  tatsächlich ausdrücken können, was sie aus Pornografie machen. Wir können diese Dinge  in einem Seminarraum besprechen, aber wir sind nicht anders als alle anderen.</p>
<p>Im Augenblick befinden wir uns auf sehr schwammigem Gebiet und wir suchen nach einer Art Kombination zwischen den Dingen, die die Leute in den Pornos sehen wollen und Dingen, die sie nicht sehen wollen und was diese Momente ausmacht, warum man sich Pornos anschaut. Und dann sind da die Fragen, die sich darum drehen, was guten Sex ausmacht. Wir suchen also nach den Verbindungen, die sich an diesem Punkt befinden, weil wir hoffen, dass diese Fragen für uns etwas öffnen werden. Wir freuen uns darauf, überrascht zu werden.</p>
<p>Ich bin ganz aus dem Häuschen über das Projekt. Es hat sich jetzt ca. 10 Jahre in Entwicklung befunden, das Ganze überhaupt zu machen und wir haben verzweifelt versucht, Fördermittel aufzutreiben. Am Ende haben wir es dann selbst finanziert, wir bekamen keine Gelder dafür. Das kann natürlich auch daran gelegen haben, dass ich einen schlechten Förderantrag geschrieben habe, aber eigentlich denke ich, dass die Leute einfach davon abgeschreckt sind, weil wir nicht über die Effekte reden. Stattdessen sprechen wir über andere Beziehungsgeflechte, ich glaube, das  macht Förderern Angst.</p>
<p><strong>Wie siehst du deine Rolle als Wissenschafterin auf diesem Gebiet?</strong></p>
<p>Ich würde den Titel Pro-Porno vehement ablehnen. Ich würde mich selbst nicht als Pro-Porno bezeichnen, ich sehe mich als Porno-interessiert. Ich glaube, das Ganze hat eine endlose Faszination auf mich. Es gibt einfach so viele verschiedene Typen von Pornos, es gibt so viele Gründe, warum Leute zur Pornografie kommen und ich fühle mich politisch sehr motiviert, ein bisschen mehr zu sagen als „Dieses Zeug verdirbt uns“ oder „Das ist schlecht für die Gesellschaft“. Ich glaube, das ist die falsche Frage, die immer wieder gestellt wird. Und es geht auch nicht nur um sexuelle Befreiung, denn obwohl Pornografie getrennt wird in Bezug auf „Hier sollte eine Zensur stattfinden“, scheint es so zu sein, dass was auch immer innerhalb der Pornografie passiert, auch irgendwann in anderen Medienformen passiert. Vom Porno zum Kino und Fernsehen, was auch das Argument im Prozess der „Pornofikation“ von Kultur u.ä. ist.</p>
<p>Als sie zum Beispiel kürzlich die <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/ICANN-gibt-gruenes-Licht-fuer-Rotlicht-Adresszone-im-Netz-1211025.html">.xxx-Domain</a> gestartet haben, haben sie herausgefunden, dass das dazu führt, dass dann auch andere Sektionen im Internet geschlossen werden können. Und dann beginnen sie, das für andere Dinge zu nutzen. Daran glaube ich wirklich. Und die ganzen Strategien, die genutzt werden, um ganze Diskussionen zu schließen. Sie sehen das als „Da geht etwas Korruptes vor sich“ in Bezug auf Sexualität. Zum Beispiel die Art und Weise, wie es uns unmöglich erscheint, über Kinder und Sexualität zu sprechen. Das ist ein Diskurs, der alle möglichen Gebiete schließt, die eigentlich geöffnet werden sollten, um sie zu untersuchen. Das heißt nicht, dass alles frei sein sollte oder alles liberal betrachtet werden muss. Es ist viel mehr als das. Ich denke, da geht es um die Möglichkeit einer echten Debatte darüber, wie wir zum Beispiel sexuelle Erziehung unterrichten sollten. Dinge, die sich im Bereich der nicht-normativen Sexualität befinden. Im Moment kommt es mir so vor, als würden wir uns selbst als immer liberaler werdend einschätzen, aber in Wirklichkeit hat unsere Toleranz Grenzen. Und die müssen nicht mal besonders weit gedehnt werden, bevor man diesen Punkt erreicht. Rund um Pornografie im Besonderen gibt es viele Gesetze in Europa und auch woanders, die unglaublich homophob sind. Auch wenn sie objektiv und recht offen erscheinen,  sind sie eigentlich unglaublich restriktiv und normativ in ihren Ansätzen.</p>
<p><strong>Ich habe noch eine weitere Frage zu diesen Restriktionen, über die du bereits gesprochen hast. Wir hatten vorhin eine Diskussion über Horrorfilme und haben gedacht, dass es da eine Art Verbindung gibt zwischen diesen beiden Faszinationen. Sexualität und Pornografie sind Dinge, die uns im Innersten unseres Selbst treffen und sie sagen etwas über uns als Menschen aus. Und dann in einem Raum voller Menschen zu sitzen und Pornos zu gucken kann sich merkwürdig anfühlen. Wie gehst du damit um? </strong></p>
<p>Ja, es ist schon komisch, in einem Seminarraum zu sitzen und zusammen Material anzuschauen, das man normalerweise als etwas sehr Privates betrachten würde, wenn man das zum Beispiel vergleicht mit Lesungen in der Literaturwissenschaft. Lesen kann eine sehr einsame Aktivität sein, aber man wirft dann ein paar signifikante Zitate an die Tafel und alle lesen sie. Na ja, ich kichere viel, ich komme mir schon manchmal etwas albern vor, manchmal bin ich auch peinlich berührt. Ich bin mir außerdem sehr darüber bewusst, wie die Leute mich beurteilen werden anhand dessen, was ich vorführe. So wie „Oh, das sagt etwas über sie aus“. Ich bin mir bewusst, dass es da zahlreiche Reaktionen gibt. Ich kann nicht davon ausgehen, dass alle total einverstanden sind, mit dem was sie zu sehen bekommen. Auf der anderen Seite denke ich, dass es in einem Porn Studies-Seminar unmöglich ist, diese Sachen nicht zu sehen. Man muss wissen, worüber man spricht. Kein Mainstream-Film wird in einem Filmseminar besprochen, ohne wenigstens ein paar Ausschnitte daraus zu sehen. Und das Ganze hat natürlich einen Grund, so dass jeder weiß, worum es geht. Ja, aber das kann schon alles sehr komisch sein. Ich bin mir dessen sehr bewusst, schließlich bin ich nicht immun gegen diese Filme. Manchmal bin ich über meine eigene Reaktion überrascht. Manchmal will ich überhaupt nichts machen, von dem was mir normal erscheint. Es kommt darauf an, wie sicher sich die Atmosphäre anfühlt. Ich habe all diese Gefühle auch. Und ich muss auch an die Leute im Publikum denken.</p>
<p><strong>Eine letzte Frage: Welche Auffassung deiner Arbeit nervt dich am meisten? </strong></p>
<p><em>Lacht. </em>Oh, darüber müsste ich nachdenken. Ich weiß, was mich richtig nervt: Wenn du am Ende einer Präsentation denkst, dass du wirklich viele Denkrichtungen aufgezeigt hast und dann meldet sich jemand und fragt „Ja, aber was ist mit den Frauen? Sollten wir uns darum nicht kümmern?“ Und natürlich bin ich nicht dagegen. Ich bin sehr beunruhigt über sexuelle Gewalt gegen Frauen, aber ich denke nicht, dass Pornografie da eine kausale Rolle hat. Und ich denke, dass diese Debatte eine ganze Reihe anderer Dinge verschleiert, die wir untersuchen sollten und die sich darum drehen, warum sexuelle Gewalt passiert. Und das wird nicht geschehen, solange es immer diesen Drang gibt, ein Objekt zu beschuldigen.</p>
<p><strong>Vielen Dank!</strong></p>
<p><em> Das ungeschnittene Interview auf Englisch zum Anhören. Dateiformate: <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.mp3">MP3</a> oder <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.ogg">Ogg Vorbis.</a> </em><em>Übersetzung aus dem Englischen: Anika Meier (<a href="http://whatshesaid.eu/">What she said</a>)</em></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Den+Diskurs+%C3%B6ffnen+%7C+Clarissa+Smith+im+Gespr%C3%A4ch+%C3%BCber+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>A slippery slope &#124; An interview with Clarissa Smith about Pornresearch.org</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 08:17:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Produktion]]></category>
		<category><![CDATA[Clarissa Smith]]></category>
		<category><![CDATA[Feona Attwood]]></category>
		<category><![CDATA[Gorizia]]></category>
		<category><![CDATA[IX. MAGIS International Spring School]]></category>
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		<category><![CDATA[Sex]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt eine deutsche Übersetzung dieses Textes. The British scholars Clarissa Smith, Feona Attwood and Martin Barker have started an intense research project on the use of pornography: pornresearch.org. What distinguishes this research from others engaging in porn is the &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/a-slippery-slope-interview-clarissa-smith-pornresearch-org-porn-studies/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=A+slippery+slope+%7C+An+interview+with+Clarissa+Smith+about+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_951" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-951" title="pornresearch.org" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/pornresearch_bild.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Picture: pornresearch.org; all rights reserved</p></div>
<p>Es gibt eine <a href="/artikel/clarissa-smith-interview-pornresearch-org-porn-studies">deutsche Übersetzung</a> dieses Textes.</p>
<p><em>The British scholars Clarissa Smith, Feona Attwood and Martin Barker have started an intense research project on the use of pornography: <a href="http://pornresearch.org/">pornresearch.org</a>. What distinguishes this research from others engaging in porn is the emphasis on the relationship between porn and its spectators &#8211; not the potential harm that is often lamented about. Smith and Attwood have just chaired a section of the <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">porn studies</a> part belonging to the <a title="Film und Archiv | IX. MAGIS International Spring School" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/film-und-archiv-ix-magis-international-spring-school/">IX. MAGIS Spring School</a> in Gorizia, Italy. We interviewed Clarissa Smith. There was a lot of giggling&#8230;</em></p>
<p><strong>Schönschrift: When I was surfing on your website I came across the expression “public knowledge“ about pornography. There are a lot of people who say “There is so much pornography in our lives, we can&#8217;t take it anymore“ and then you argue that we need more public knowledge about it. Can you explain that a little more?</strong></p>
<p>Smith: The thing is that there are a lot of assumptions about porn. Why people are looking at it, why they are reading it. Because it&#8217;s not just looking, it&#8217;s reading. It&#8217;s all kinds of things. Just that term “use of pornography“ for example, that presupposes a particular kind of relationship that people have with porn. I&#8216;m not sure that we actually know what people do with pornography. <span id="more-949"></span>We suggest that it&#8217;s entirely about masturbation. But just on a very preliminary reading of the stuff that we got back from this research, it&#8217;s quite clear that there is more going on with it. It&#8217;s sometimes more about having a discussion with other people about sexuality, about the feeling that you are part of a group of people, who are interested in sexual issues.</p>
<p>We have no idea about what we are going to find in the end but I think it is much more complicated than just that people look at this stuff to get aroused and that&#8217;s it. And there is this idea that people, who come to pornography, are looking for more and more explicit material. You know you start with a bit of <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Softcore_pornography">softcore</a> and then you go to <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hardcore_pornography">hardcore</a> and then you get into really violent rape phantasies and then you actually want to go out and do that. That&#8217;s what public knowledge talks about all the time, this kind of slippery slope. I think that is such a distortion of what people who I talked to feel, their trajectory in terms of pornography has been. It&#8217;s much more about learning what you like and what you don&#8217;t like. And along the way you say “Well, I don&#8217;t like that sort of stuff, I&#8216;ll never go near that. And this is the thing that I do like.“ Just like any other kind of cultural activity. You learn the generic conventions, you learn codes and you are starting to feel “These are the things that I like because of these reasons“. You&#8216;ve go things to say about it. And you become more knowledgeable and more interested in that particular aspect and that isn&#8217;t the same like this slippery slope. There is more to say about porn than whether or not it is getting more explicit or it&#8217;s more and more available.</p>
<p><strong>How was the response to your research project so far?</strong></p>
<p>When I first posted it on Facebook I had 200 responses in 24 hours and about 50 people said that they wanted to take part in more questions. And it was a bit freaky because I expected that maybe one percent would say that they wanted more questions.</p>
<p><strong>Did you post your <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E-rF8GIPb4c">promotion video</a> on tube sites like YouPorn or XTube or is it just on YouTube?</strong></p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1004" title="Clarissa Smith" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/Portrait-Clarissa-Smith-275x395.jpg" alt="" width="275" height="395" />It&#8217;s just on YouTube. We are having a bit of a problem with these tube sites because they consider it to be advertising and they don&#8217;t want it, so I have to write to them and ask them if they could put it up there. We&#8216;ve also had some complaints about the research from groups, which are against pornography who suggest that actually we were being paid by the pornographers to make market research for them. Well, that&#8217;s not what we&#8216;re doing at all. What we&#8216;re interested in is why people like pornography. That isn&#8217;t the same as market research for pornographers. That&#8217;s a bit of a problem and I don&#8217;t want to draw any more of that kind of suggestions because at some point I&#8216;d like to do an other project about why people don&#8217;t like pornography. And if there is lots of talk online saying these people are in the pay of the pornographers, then it becomes a bit difficult.</p>
<p>But that&#8217;s one of the ways the whole thing is thought about. You are either absolutely for it or you are absolutely against it. But we are actually asking different sets of questions. We are not in that space at all. Those two options are not the ones that I consider to be interesting. We&#8216;re wanting to know what people feel that pornography gives them in their everyday lives and how it is connected to their sense of sexuality, sexual politics etc. And the people who are interested in it at the moment are those who like it. And there would be different questions for people who don&#8217;t like pornography and what they think the connection between pornography and everyday life is.</p>
<p><strong>Are you also interested in the production side of things? Are you in touch with producers or actors?</strong></p>
<p>Yes, I&#8216;ve got an other project that I&#8216;m doing, which is interviewing people who work in pornography. What I&#8216;m interested in is that it is a media industry and if you go to the library and get any of the media industry books, just in the index, pornography is absolutely missing. Nobody talks about it as a branch of creative practice or form of media. It really interests me that pornography is a sister production of cinema. It uses the same media, it uses the same &#8211; well, not the same distribution networks because obviously in a lot of ways it is kept separately because of legal restrictions. But it is not something completely unique. There is no talk about it as a means of production. And if anybody is talking about it in terms of productions it&#8217;s usually the stars, the people who act in it or the people who make money, like Hugh Hefner. That would be the only ones. But alongside these people are make-up artists, camera men, sound recorders, script writers. All of the things that you have in theatre or cinema or television. And I&#8216;m interested in how those people see questions of creativity and how they see it as a job. A lot of people who work as freelancers on mainstream films would also work in pornography. Webmasters for example who work for a publishing house, but they have also worked for pornographers. And for web designers I think it&#8217;s not such a bad thing to have worked in pornography because pornography has been really important to the growth of the internet. I&#8216;m sure there are a lot of people, who now seem to be doing very respectable jobs who have been involved in some kind of pornographic productions. So it is not totally separate but it appears to be and there is very little written about that.</p>
<p><strong>Do you have the impression that the people who are answering your questions are able to talk about what you are asking, given the fact that it is so unusual to talk about sexuality and pornography?</strong></p>
<p>We are not looking for people who answer the questions in a way that might be intellectualized. It would be naive to think that you can find that. But what we are looking for are patterns and ways of talking. How do they talk, in terms of realism? What does that mean? For example when people say “This is a realistic setting“ or “This could happen to me“ or “Imagine if I was in that position“. How this fits into their sense of themselves. What we&#8216;re doing is within the wider tradition of audience studies. For example when you are studying the audience of a certain Clint Eastwood Western. You know, people might use terms like “identification” but what do they actually mean by that?</p>
<p>We are looking for patterns and ways of talking about things. And one of the things that we find is that actually the public discourse about pornography is in that talk as well. Like how people try to negotiate with that maybe to find a space, in which they fit in. There are different kinds of ideologies that people might be employing to talk about why they like something. And I&#8216;m not convinced that academics can articulate what it is that they are doing with porn, not really. They can do this stuff in a class room but we are no different from anybody else.</p>
<p>At the moment we got these likert scales and we&#8216;re looking for a kind of combination between things that people want to see in pornography and things they don&#8217;t want to see and what constitutes these moments, why you go to porn. And then we have these questions about what good sex is. So we&#8216;re looking at what are the correlations there because we&#8216;re hoping that those are going to open things up for us. We&#8216;re just looking forward to being surprised. I&#8216;m incredibly excited about this project. It&#8217;s been ten years in the gestation in wanting to do it and trying quite hard to find sources of funding and in the end we just had to fund it ourselves because we can&#8217;t get the money. And that might be because I wrote a terribly rubbish proposal but I actually think that people are just scared, because we&#8216;re not talking about effects. We are instead talking about other kinds of relationships. I think that worries funders.</p>
<p><strong>How do you see your role as researchers in this field?</strong></p>
<p>That&#8217;s interesting. I would really refuse the title of pro-porn. I don&#8217;t see myself as pro-porn, I see myself as being interested in porn. I think it is endlessly fascinating. There are just so many types of porn, there are masses of reasons why people come to pornography and I do feel very much politically motivated to do something other than to simply say “This stuff harms us“ or “This is very bad for society“. I think that is the wrong question to ask anyway. And this isn&#8217;t just about sexual liberation because although pornography is kind of hived off in terms of “That&#8217;s where censorship should happen“. It tends to be the case that whatever happens to porn will then happen in other media forms as well. From porn through to cinema and television which is the argument made in the <a href="http://www.amazon.de/Pornification-Sex-Sexuality-Media-Culture/dp/1845207041">pornification</a> of culture and things like that.</p>
<p>When they started out for example this xxx-domain that was just started they found out that it actually leads to an ability to close down sections of the internet. And then they&#8216;ll start using it on others things. I really do believe that. And the whole way in which you can close down certain kinds of talk. In terms of “There is something corrupt going on“. In terms of sexuality. For example the way, in which we can&#8217;t now talk about children and sexuality. It&#8217;s a discourse that closes down all sorts of areas that really ought to be opened up for investigation. That does not mean everything should just be free or some sort of liberal perspective. It&#8217;s about much more than that. I think it&#8217;s about the possibilities of having a real debate about how we should teach things like sex education. Things around non-normative sexualities. Currently it seems to me that we talk about ourselves as becoming much more liberal but actually there are limits to our tolerance. And they don&#8217;t have to be pushed very far before you reach that point. Around pornography in particular a lot of the laws in Europe and elsewhere are incredibly homophobic. Even as they seem to be objective, they seem to be quite open, they are actually incredibly limiting and normative in their approach.</p>
<p><strong>I have another question about the limitations that you were talking about because we were also talking abut horror films and we were thinking that there is connection between these kinds of fascination. Sexuality and also porn is something that really hits our core and it really talks to us as human beings. And sitting in a room full of people watching porn can really make one feel uneasy. How do you cope with that?</strong></p>
<p>Yes, there is something odd about sitting in a class room together watching material that we think of as quite private consumption. If you think about reading in a literary studies class. Reading can be a very solitary activity but you put up some intense little lines and everybody reads it.</p>
<p>Well, I giggle, I feel silly, embarrassed sometimes. I&#8216;m also very aware of the ways in which people might well be judging me about what I&#8216;m showing. Like “that says something about her“. I&#8216;m aware that there might be a variety of responses. I can&#8217;t assume that everybody is going to be happy about what they are seeing. But also I&#8216;m feeling that in a porn studies class you really can&#8217;t not see this stuff. You have to know what we are talking about. There is no way that any mainstream film was talked about without clips being shown. And there&#8217;s a purpose to that, so that everybody knows what&#8217;s being talked about. But yes, it can be a bit odd. There is an awareness of myself because I&#8216;m not immune to this stuff. There are times that I&#8216;m surprised by my own reaction. There are times I don&#8217;t want to do any of the stuff that I think would be normal, depending on whether the space is safe or not. And I have all those feelings, too. And I have to think about the people in the audience, too.</p>
<p><strong>As a final question: Which question or which notion of your work in porn studies are you most tired of?</strong></p>
<p><em>Laughs. </em>God, I&#8216;d love to give that some thought. I tell you what I really hate is when at the end of a paper when you think that you have laid out a lot of ways of thinking, someone asks “Yeah, but what about women? Shouldn&#8217;t we be caring about that?“ And actually I don&#8217;t disagree. I am very concerned about sexual violence towards women but I don&#8217;t see pornography&#8217;s causal role in that. And I think that this debate disguises a whole range of other ways in which we should be engaging with why sexual violence happens. And we won&#8217;t so long as there is a kind of pull towards blaming an object.</p>
<p><strong>Thank you!</strong></p>
<p><em> The unedited interview is available for download. File formats: <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.mp3">MP3</a> or <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.ogg">Ogg Vorbis.</a></em></p>
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		<title>Zwei sind einer zu wenig? &#124; Heteronormativität und Polyamorie in Tom Tykwers „Drei“</title>
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		<pubDate>Thu, 24 Feb 2011 08:00:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><em> </em></p>
<div id="attachment_378" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-378" title="DREI" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/DREI.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Devid Striesow, Sebastian Schipper und Sophie Rois (Fotos: X-Filme, alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p><em>In der heutigen Gesellschaft genießt die Monogamie als Beziehungsmodell eine wenig hinterfragte Monopolstellung. Doch schon lange hat sich das romantische Ideal „ewiger Liebe“ als unrealistisch erwiesen und ist einer eher ernüchternden Praxis der „seriellen Monogamie“ gewichen. Ohne die Illusion, es könne nur eine einzige wahre Liebe geben, wird der Sinn von „Treue“ aber fragwürdig. Warum muss eine alte Liebe enden, wenn eine neue beginnt?</em></p>
<p>Bei so vielen Gänsefüßchen muss es sich um ein brisantes Thema handeln. Mit den obigen Sätzen bewirbt der Verlag Bertz+Fischer bei Amazon.de Oliver Schotts Buch <a href="http://www.amazon.de/Lob-offenen-Beziehung-Liebe-Vernunft/dp/3865057047/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1298480531&amp;sr=8-1">„Lob der offenen Beziehung. Über Liebe, Sex, Vernunft und Glück“</a> (2010). In der Spalte „Kunden, die dieses Buch gekauft haben, interessierte auch&#8230;“ finden sich unter anderem Dossie Eastons und  Janet W. Hardys „The Ethical Slut. A practical guide to Polyamory, Open Relationships &amp; Other Adventures“ (2009) und „Frühstück zu dritt. Leben und Lieben in Mehrfachbeziehungen“ (2006) von Erhard Söhner und Bärbel Schlender. All diese Handbücher und Ratgeber sind sich darin einig, dass das Modell einer Partnerschaft zu zweit eine einengende Vorgabe aus Gesellschaft und Medien ist und dass dessen Überwindung den Weg zu wahrhaft erfüllenden Liebeserfahrungen weisen kann. Dabei wird vieles in einen Topf geworfen: Liebe, Freundschaft, Familie und Treue, aber auch Eifersucht und Verantwortung, ja sogar Glück.</p>
<p>Mit Tom Tykwers <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Drei_%28Film%29">„Drei“</a> sind nicht-monogame, sogenannte polyamoröse Beziehungen auch im letzten Hort der romantischen Ideale, dem Kino, angekommen. <span id="more-369"></span>Und man fragt sich, ob dieser Film die Debatte um Polyamorie und die Flut der Veröffentlichungen dazu erst ausgelöst hat oder ob er schon ihr Symptom ist.</p>
<p>Hannah und Simon sind ein Berliner Paar Mitte 40. Im 20. Jahr ihrer Beziehung sind beide so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass das gemeinsame Leben nicht mehr als den vertrauten Rahmen ihrer Einzelaktivitäten darstellt. In den entscheidenden Momenten sind sie alleine. Sie (Sophie Rois) in ihrem Job in der Kunstbranche und unter angegrauten Herren im Ethikrat. Er (Sebastian Schipper) am Sterbebett seiner Mutter und bei der eigenen Operation. Diagnose: Hodenkrebs. Jeweils alleine sind sie auch, als sie den umtriebigen Adam (Devid Striesow) kennenlernen. Beide fühlen sich von dem vor Unabhängigkeit und Selbstvertrauen strotzenden Lebemann angezogen, beide landen mit ihm im Bett, verlieben sich in ihn. Das Fremdgehen belebt das schon länger auf Eis gelegte Sexualleben der beiden miteinander und selbst Adam, für den Sex neben Segeln, Schwimmen, Singen nur ein weiteres Hobby war, entwickelt echte Gefühle – für beide.</p>
<p>Vier Fünftel des Films erzählen nicht von den titelgebenden „Drei“, sondern zunächst von Einzelgängern, die sich schließlich in drei personell wechselnden Zweierkonstellationen zusammenfinden. Das Zusammentreffen der Drei wäre katastrophal. Während es bei einer Vernissage noch glimpflich abgewendet werden kann, macht gegen Ende der von Reproduktionsforscher Adam belächelte „biologische Determinismus“ jedes Leugnen zwecklos: Hannah wird schwanger und trifft, als sie Adam davon berichten will, ihren halb nackten Mann in dessen Wohnung. Die Bombe ist geplatzt und alle kehren zu ihrer ursprünglichen Einsamkeit zurück. <em>One ist the loneliest number</em>.</p>
<p>Bis dahin hat Tom Tykwer für das deutsche Kino zusammen gebracht, wofür US-amerikanische TV-Serien seit den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts Narrationen und Bilder suchen. Hannah ist eine unabhängige Karrierefrau, die sich gegen Kinder entschieden hat und es, als sie Adam kennenlernt, mit der Beziehungsmoral nicht all zu ernst nimmt. Trotzdem hadert sie hin und wieder mit der Familienlosigkeit und sagt schließlich „OK“, als Simon ihr einen Heiratsantrag macht. „Sex and the City“ lässt grüßen. An der Aufgabe, Homosexuelle Beziehungen wie die Affäre zwischen Adam und Simon für ein Bildschirmpublikum zu etablieren, arbeiteten sich Serien wie die deutsche Lindenstraße und sogar Vampirjägerin „Buffy“ ab. Als hier eine lesbische Beziehung für einen Aufschrei bei den Primetime-Zuschauern sorgte und sich die Produzenten dennoch damit durchsetzten, war ein Meilenstein für das Thema Homosexualität in populären visuellen Medien gelegt. Explizit schwul-lesbische Serien wie „Queer as Folk“ oder „The L-Word“ zogen – zugegeben, mit mäßigem Erfolg – nach.</p>
<p>Solche Formate rückten lange vor „Drei“ der Heteronormativität in Kino und TV zu Leibe, den immer gleichen Geschichten also über einen Mann und eine Frau, die nicht nur das jeweilige geschlechtsspezifische Rollenbild perfekt erfüllen, sondern auch im romantischen Zusammentreffen und der von Ehrlichkeit und Moral geprägten heterosexuellen Beziehung ihre wahre Bestimmung finden. Um die identitäts- und machtpolitischen Implikationen solcher Geschichten geht es in „Heteronormativität. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualität und Macht“ von Jutta Hartmann und anderen (2007), das neben den Ratgebern zur Polyamorie bei Amazon angepriesen wird.</p>
<p>Hier möchte „Drei“ ansetzen und eine wirklich neue Geschichte von einer Beziehung erzählen, die nicht nur die Normen von Genderrollen und heterosexueller Liebe hinter sich lässt, sondern auch die klassische 1:1-Paarkonstellation. Leider hält sich der Film ein wenig zu lange mit der Dreiecksbeziehung als „Other Adventure“ (Easton/Hardy) auf. Die Entscheidung der drei für eine gemeinsame Beziehung und gemeinsame Verantwortung für Hannahs Zwillinge &#8211; Liebe, Sex, Vernunft und Glück à la Oliver Schott also – lässt sich in den weich gezeichneten, mit Musik durchtränkten Klischeebildern am Ende des Films jedoch leider nur erahnen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/02/notizen-Drei-KG.pdf"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-384" title="Notizen zu &quot;Drei KG&quot;" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/notizen-drei-KG-thumb-275x274.jpg" alt="" width="275" height="274" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/02/notizen-Drei-KG.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Zwei+sind+einer+zu+wenig%3F+%7C+Heteronormativit%C3%A4t+und+Polyamorie+in+Tom+Tykwers+%E2%80%9EDrei%E2%80%9C+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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