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	<title>Schönschrift &#187; Pornografie</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Intimität – echt inszeniert &#124; „Häppchenweise“ von Maike Brochhaus</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:01:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Jenz und Till habe sich zusammen auf’s Sofa gekauert. Er trägt nur Boxershorts, die seinen steifen Penis eher schlecht als recht bedecken. Jenz’ knallbunte Unterwäsche wird die nächsten Szenen nicht überstehen. Wenn die beiden sich bald stöhnend auf dem Flokati &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/haeppchenweise-film-maike-brochhaus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Intimit%C3%A4t+%E2%80%93+echt+inszeniert+%7C+%E2%80%9EH%C3%A4ppchenweise%E2%80%9C+von+Maike+Brochhaus+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2644" class="wp-caption alignnone"><img class="size-large wp-image-2644" alt=" © Julian Röder" src="/wp-content/uploads/2013/04/häppchenweise_schönschrift-720x306.jpg" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Julian Röder, alle Rechte vorbehalten</p></div>
<p>Jenz und Till habe sich zusammen auf’s Sofa gekauert. Er trägt nur Boxershorts, die seinen steifen Penis eher schlecht als recht bedecken. Jenz’ knallbunte Unterwäsche wird die nächsten Szenen nicht überstehen. Wenn die beiden sich bald stöhnend auf dem Flokati wälzen, wird nur das großflächige Tattoo auf der rechten Flanke von ihrer Nacktheit ablenken. Sie wird seinen Penis in den Mund nehmen und rhythmisch den Kopf auf und ab bewegen. Er wird ihre Brüste, ihren Po kneten, schließlich ihre Schamlippen lecken und mit dem Finger in ihre Vagina eindringen.</p>
<p>Es ist die zentrale Szene in Maike Brochhaus Debütfilm <a href="http://www.haeppchenweise.net/">„Häppchenweise“</a>, der jetzt in Köln Premiere feierte. Als „postpornografisches Experiment“ bezeichnet sie, was sie da mit sechs Darstellern und einer kleinen technischen Crew in einem besetzten Haus in Köln Kalk verwirklicht hat. <span id="more-2638"></span>Brochhaus hat Kunst auf Lehramt studiert und promoviert nun zu den Grenzen zwischen Kunst und Pornografie. Der queere Filmemacher <a href="http://berlinergazette.de/tabu-fetisch-bruce-la-bruce/">Bruce LaBruce</a> ist ihr Forschungsgegenstand. „Häppchenweise“ hat nicht viel mit den morbiden Metaphern in LaBruces expliziten Filmen gemeinsam, die auf den großen Filmfestivals gezeigt werden. Es ist ein zärtlicher Film, der Sexualität auf der Leinwand jenseits der Klischees von YouPorn oder Hollywood zeigt.</p>
<p>Um ihn zu verwirklichen, hatte Brochhaus Unterstützung aus dem Internet eingeworben. Via Crowdfunding waren über 10.000 Euro zusammen gekommen, der Mindestbetrag, um das Filmprojekt anzuschieben. Die Postproduktion konnte damit nicht abgedeckt werden, auch keine Honorare für die Darsteller. Das ist bei kleinen Filmprojekten keine Seltenheit. Dass schon vor der Premiere zahlreiche Internetuser den <a href="http://haeppchenweise.net/shop/shop.php">Download des Films</a> vorbestellten und die Tilgung der Kosten in greifbare Nähe rückt, ist dagegen bemerkenswert.</p>
<p>Die Versuchsanordnung, die die Unterstützer neugierig gemacht haben dürfte, sieht so aus: Sechs Personen lernen einander kennen. Sie essen zusammen, trinken Cocktails, reden über Sex und spielen Flaschendrehen. Auf wen die Flasche zeigt, der oder die zieht eine Karte von einem von drei Stapeln. Die Aufgaben und Fragen reichen von harmlos bis scharf: „Wie kann dich jemand beim ersten Treffen überraschen?“„Erzähle, wie du es dir selber machst.“ „Küsse jemanden aus der Runde so, dass er oder sie nicht mehr aufhören will.“ Die Dinge nehmen ihren Lauf, während hinter den Kulissenwänden die Tonbänder mitlaufen und eine Kameracrew durch einseitig verspiegelte Scheiben jede Bewegung filmt. Brochhaus zeigt: Für die Generation YouPorn ist Big Brother eine mediale Kindheitserinnerung, die man für die eigenen Zwecke nach Belieben gebrauchen und dekonstruieren kann.</p>
<p>Ob es das Spiel war, das Jenz und Till eng umschlungen auf dem Teppich hat landen lassen, der Alkohol oder eine authentische Anziehung zwischen den beiden, das erfährt der Zuschauer nicht. Es ist auch egal, denn die Szene ist heiß. Selbst hartgesottene Porno-Routiniers kann sie nicht kalt lassen und das hat etwas mit dem medialen Setting zu tun. Hier versuchen sich weder zwei sogenannte Amateure an einer professionellen Pornoästhetik, noch werden heimlich zwei Unschuldige beim Liebesspiel beobachtet. Darsteller und Zuschauer begegnen sich auf einer Ebene jenseits von Voyeurismus und Exhibitionismus. Sie sind Akteure, die wissen, was sie tun und sich mit Freuden von der Hitze des Augenblicks mitreißen lassen.</p>
<p>Auch wenn Jenz und Till das Zentrum der Szene sind, rührt doch die Spannung, die sie so besonders macht, nicht unwesentlich vom Verhalten der anderen Darsteller her. Nach und nach verlassen sie den Raum und weichen auf die Terrasse aus. Die Absicht, die beiden auf dem Sofa „alleine zu lassen“ wirkt vor dem filmeigenen Setting absurd – aber ehrlich. Die Gruppe überlässt das Paar den Kameraleuten und letztlich den Blicken der Zuschauer, die gerade deshalb einen spannenden Moment von echter, inszenierter Intimität erleben – das ist hier kein Widerspruch.</p>
<p>Das zeigt sich spätestens als der Moment vorbei ist, schneller als man denkt. Jenz hockt auf Tills Schoß, sie zieht seinen Kopf zu sich und raunt, dass sie jetzt viel zu nervös sei. Die zwei tauschen noch ein paar Küsse, ziehen sich dann wieder an und gesellen sich zu den anderen. „Und hattet ihr Sex?“ Die Antwort ist unentschlossen: „Ja, nein, also&#8230; wer weiß das schon?“ Ja, denn es war heißt und innig und erregend und schön. Da würde das geneigte Publikum sofort zustimmen. Nein, denn es kam nicht zum klassischen, heterosexuellen Geschlechtsakt wie er im (Bio-)Buche steht: zur Penetration. So tief sitzen sie, die Muster, wie wir über Sex denken und sprechen. Und sie werden lange nicht nur von der allseits proklamierten Pornofizierung der Gesellschaft geprägt.</p>
<p>Gegen solche Konventionen führt Maike Brochhaus ihren Film ins Feld. Der lebt von den ehrlichen Gesprächen über Sexualität, die die sechs Akteure führen, mindestens ebenso wie von den intimen Szenen. Es geht darin um sadomasochistische Blinddates, um Liebesbeziehungen zu mehr als einer Person gleichzeitig und zu unterschiedlichen Geschlechtern, um schwulen Sex. Und das alles findet in einem Umfeld statt, das einem von der letzten WG-Party bekannt vorkommt – aber eben nur ein wenig. Denn Brochhaus’ Film ist trotz des Experiments, das ihm zugrunde liegt, ein sorgfältig editiertes Werk geworden, das den Namen verdient.</p>
<p>Aus vielen Stunden Material, aufgenommen von neun Kameras während des elfstündigen Drehs, hat die Regisseurin heraus geschält, was sie zeigen wollte. Eine 70-minütige Komposition zum Thema Sexualität, die Intellekt und Instinkt gleichzeitig anspricht und die Trennung zwischen beiden irgendwie absurd erscheinen lässt. Der Film gelingt ohne große tabubrecherische Geste als das, was Till sich in der Eröffnungssequenz von ihm erhofft: „Ein antibürgerliches Statement.“</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien ebenfalls in der <a href="http://berlinergazette.de/brochhaus-post-porno/">Berliner Gazette</a>.</em></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Intimit%C3%A4t+%E2%80%93+echt+inszeniert+%7C+%E2%80%9EH%C3%A4ppchenweise%E2%80%9C+von+Maike+Brochhaus+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Porno, Playboy und Pompeji &#124; Beatriz Preciado verknüpft Architektur, Sexualität und Medien</title>
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		<pubDate>Wed, 23 May 2012 07:10:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Was hat die verschwundene Stadt Pompeji mit Pornografie zu tun? Und wie hängt der Playboy mit der US-amerikanischen Vorstadt im Kalten Krieg zusammen? Die spanische Philosophin und Queer-Theoretikerin Beatriz Preciado stellt in ihren architekturhistorischen Analysen Bezüge her, die sie für &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/porno-playboy-pompeji-beatriz-preciado-architektur-sexualitaet-medien/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Porno%2C+Playboy+und+Pompeji+%7C+Beatriz+Preciado+verkn%C3%BCpft+Architektur%2C+Sexualit%C3%A4t+und+Medien+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2570" class="wp-caption alignnone"><a href="https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Pompeii-wall_painting.jpg&amp;filetimestamp=20100301140727"><img class="size-full wp-image-2570" title="Porn in Pompeji" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/05/pornpeji.jpg" alt="Porn in Pompeji" width="720" height="306" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Okc / Wikimedia Commons, CC-BY-SA</p></div>
<p>Was hat die verschwundene Stadt Pompeji mit Pornografie zu tun? Und wie hängt der <em>Playboy</em> mit der US-amerikanischen Vorstadt im Kalten Krieg zusammen? Die spanische Philosophin und Queer-Theoretikerin Beatriz Preciado stellt in ihren architekturhistorischen Analysen Bezüge her, die sie für essenziell erklärt. Von prämodernen Fresken über ein geheimes Museum in Neapel lässt sich mit Preciado eine Geschichte der Pornografie bis zur Erfolgsgeschichte des <em>Playboy</em> ziehen. Sie beschreibt ein Geflecht aus Medialität, moderner Urbanität und Pornografie. Aber eins nach dem anderen und zurück zu Pompeji.<span id="more-2562"></span></p>
<p>Im Jahr 79 n. Chr. war die antike Stadt bei einem Ausbruch des Vesuv verschüttet worden. Im 18. Jahrhundert kamen bei Ausgrabungen Fundstücke zum Vorschein, auf die die bürgerliche Gesellschaft nicht vorbereitet war. Mosaike, Fresken, Skulpturen und sogar Haushaltsgegenstände zeigten offen Geschlechtsorgane und sexuelle Akte. Man verwendete dafür den Begriff Pornografie – vom griechischen pórne „Hure“ bzw. pórnos „Hurer“ und gráphein „schreiben“, „zeichnen“, also Darstellungen von Prostituierten. Dabei handelte es sich bei weitem nicht nur um Fundstücke aus Bordellen.</p>
<p>Es folgte eine Debatte darüber, ob man die Fundstücke öffentlich ausstellen dürfe oder nicht. Die Obrigkeit reagierte mit rigiden Zensurmaßnahmen und verbannte die expliziten Stücke in einen geheimen Bereich eines Museums in Neapel. Nur Männer der Oberschicht durften sie sehen. Frauen, Kindern und Menschen der unteren Schichten war der Zutritt verboten. Der Literaturwissenschaftler Walter Kendrick schreibt die Geschichte dieses geheimen Museums in seinem 1987 erschienen Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/B001Q20IPI/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=httpberlinerd-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=B001Q20IPI">„The Secret Museum. Pornography in Modern Culture“</a>.</p>
<p>Beatriz Preciado nimmt Kendricks Analysen zum Ausgangpunkt für eine Definition von Pornografie, die über einen Bildtyp hinaus geht. Für sie steht Pornografie für eine spezifische Beziehung zwischen Blick und Raum. Pornografie bilde ein Spannungsmoment zwischen Lust und Überwachung, schreibt sie in <a href="http://www.b-books.de/verlag/ppp/index.html">„The Architecture of Porn“</a> (2009). Wie beim geheimen Museum teilt Pornografie die Menschen und ihre potentiell erregbaren Körper in Gruppen ein: Diejenigen, die sie sehen dürfen und erregt werden sollen, stehen denjenigen gegenüber, deren Erregung überwacht und deren Blick „geschützt“ – im Klartext: abgeschirmt – werden muss.</p>
<p>Alter, Geschlecht, Ethnie und die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe – das sind die Markierungen, an denen die pornografische Grenze verläuft. Identitäten und Körper werden aufgrund ihres Zugangs zu sexuell explizitem Material definiert. Mit der Erfindung der Pornografie in der Moderne wird der weiße Mann der Oberschicht laut Preciado zum hegemonischen Subjekt. Das entscheidende Kriterium dafür ist der Blick. Von den Frauen, denen dieser Blick verwehrt wurde, wird bis heute behauptet, sie haben weniger Interesse an Pornografie. Gleichzeitig – und begünstigt durch die Tabuisierung von Homosexualität (noch ein Unterschied zu prämodernen Gesellschaften!) – werden Frauen die prädestinierten Objekte pornografischer Darstellungen für den männlichen Zuschauer. Das spiegelt sich in den sogenannten Stag Rooms des beginnenden 20. Jahrhunderts wieder, in denen für ein ausschließlich männliches Publikum frühe pornografische Filme gezeigt wurden, die den nackten weiblichen Körper erkunden.</p>
<p>Die feministischen Auseinandersetzungen mit Pornografie – egal, ob sie zensurkritisch sind oder aus dem PorNo!-Lager stammen – haben sich jahrzehntelang (und nicht zu Unrecht) mit der fetischisierten Position der Frau beschäftigt. Preciado öffnet nun den Blick dafür, dass die männliche Position im Zusammenhang mit Pornografie ebenso historisch gewachsen ist wie die weibliche. Sie sagte kürzlich in einem <a href="http://www.spiegel.de/spiegel/kulturspiegel/d-83722982.html">Interview</a> mit dem KulturSPIEGEL: „Die letzen 40 Jahre waren wir damit beschäftigt, Weiblichkeit und Homosexualität zu untersuchen. Jetzt ist es an der Zeit, Männlichkeit und Heterosexualität in Frage zu stellen.“</p>
<p>In ihrem Buch <a href="http://www.amazon.de/gp/product/3803151821/ref=as_li_ss_tl?ie=UTF8&amp;tag=httpberlinerd-21&amp;linkCode=as2&amp;camp=1638&amp;creative=19454&amp;creativeASIN=3803151821">„Pornotopia. Architektur, Sexualität und Multimedia im ‚Playboy’“ </a>(2012) unternimmt sie genau das. Sie zeichnet nach, wie Hugh Heffner mit seinem 1953 erstmals veröffentlichten Magazin ein neues Männerbild kreiert: den verspielten, urbanen Playboy, der gerne in seinen vier Wänden ist, wo er sich mit schönen Dingen umgibt. Der Plaboy Heffner’scher Prägung ist alleinstehend oder geschieden, arbeitet nachts und feiert am Tag, wenn möglich im selben Raum. Der Hase symbolisiert diesen neuen Mann. Ja, richtig gelesen. Das Emblem war ursprünglich nicht die Verkörperung der berühmten Busenschönheiten, für die der <em>Playboy</em> berühmt ist. In einem ersten Entwurf von Arv Miller aus dem Jahr 1953 trägt der <a href="http://theselvedgeyard.wordpress.com/2009/07/14/iconic-branding-of-a-bunny-kind-playboy/">Bunny</a> Morgenmantel und Pantoffeln, raucht eine Zigarette und trinkt Coganc. Er ist das mondäne Gegenbild zum Soldaten und Nachkriegsehemann der US-amerikanischen Vororte – das Symbol einer Revolution.</p>
<p>Im Gegensatz zu anderen Männermagazinen der Mitte des 20. Jahrhunderts interessiert sich der Playboy nicht für die Wildnis und die große weite Welt. Regelmäßig werden Entwürfe für Junggesellen-Appartements abgedruckt und ganze Möbelstücke und Raumkonstruktionen neu erfunden. Da wäre zum Beispiel das mit High-Tech ausgerüstete, rotierende Bett, von dem Mann alle seine Geschäfte tätigen kann. Oder auch die &#8222;küchenlosen Küche&#8220;, die den Playboy auf Knopfdruck ernährt , sich aber dezent verdecken lässt. Preciado beschreibt, wie in dieser Umgebung der Mann, der historisch mit dem öffentlichen Raum verbunden war, zum &#8222;Mann des Innenraums&#8220; wird.</p>
<p>Das geschieht in der Zeit, in der die Frauenbewegung einen Platz für die Frau im Bereich des Öffentlichen einfordert und das Private immer mehr zum politischen Faktor wird. Aber der <em>Playboy</em>-Junggeselle ist kein Hausmann, den man parallel zur Hausfrau und Mutter entwerfen könnte. Er bricht vielmehr mit dem gesamten familiären Kosmos, dem Vorort als Refugium der weißen Mittelschicht und dem spießigen amerikanischen Traum. Stattdessen beschäftigt er sich in seiner Stadtwohnung mit Design-Objekten und mixt Cocktails. Ist der Playboy schwul? – Um Gottes Willen! Er ist zwar kein Vater und Ehemann, wird aber als unbedingt heterosexuell konstruiert. Hier kommt das Häschen wieder ins Spiel. Das andere Bunny nämlich: das Pin-Up Mädchen zum Auseinanderfalten. Sie steht, so Preciado, neben all den anderen &#8222;schönen Dingen&#8220;, die der Playboy präsentiert, für die &#8222;gesunde Heterosexualität&#8220; des neuen Mannes und ist damit doch noch ein Zugeständnis an den Common Sense der Zeit.</p>
<p>Seit der Erfindung des Internets müssen öffentliche und private Räume, Körper und Technik, Blick und Bild neu verhandelt werden. Pornografie ist dabei immer noch ein Kristallisationspunkt, an dem sich die Gemüter erhitzen. Es ist viel Hysterie und wenig Distanz im Spiel, wenn über Cyber-Pornografie und Zugangsbeschränkungen diskutiert wird. Preciados Analysen können helfen, diese Debatten als Teil einer historischen Entwicklung zu betrachten. Denn wenn die Diskurse um Pornografie und Internet eins brauchen, dann sind es fundierte wissenschaftliche Standpunkte.</p>
<p><em>Dieser Text erschien bereits in der <a href="http://berlinergazette.de/andere-geschichte-der-pornografie/">Berliner Gazette</a>.</em></p>
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		<title>Shame &#124; Wie der nächste Schuss</title>
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		<pubDate>Fri, 23 Mar 2012 08:02:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[In den ersten zehn Minuten des Films ist Brandons Penis häufiger im Bild als sein Gesicht. So lernen wir die Hauptfigur in Steve McQueens &#8222;Shame&#8220; kennen. Brandon läuft nackt in kühlem Licht vom Schlafzimmer ins Bad, wobei er eine Namenlose &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/shame-film-kritik/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Shame+%7C+Wie+der+n%C3%A4chste+Schuss+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2446" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2446" title="Shame" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/03/shame-film.jpg" alt="Michael Fassbender von hinten" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Prokino GmbH (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>In den ersten zehn Minuten des Films ist Brandons Penis häufiger im Bild als sein Gesicht. So lernen wir die Hauptfigur in Steve McQueens &#8222;Shame&#8220; kennen. Brandon läuft nackt in kühlem Licht vom Schlafzimmer ins Bad, wobei er eine Namenlose zurücklässt. Zu dieser Choreographie fleht die Stimme seiner Schwester vom Anrufbeantworter darum zurückgerufen zu werden. Diese Szene wiederholt sich mehrmals, bevor wir es ausführlicher mit Brandons Antlitz zu tun bekommen. Mit seinem Raubtierblick schaut er im Hausflur und in der U-Bahn Frauen hinterher, verführt in Bars und Clubs gewandter als sein ständig quasselnder Kollege. Mit seinen Augen jagt er, was sein Körper braucht &#8211; Sexpartner in großer Zahl.<span id="more-2394"></span></p>
<p>Wenn Brandon (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Fassbender">Michael Fassbender</a>) keinen Sex hat, dann arbeitet er. Aber auch sein Arbeitsplatz spannt sich im Film zwischen dem Schreibtisch, von dem gerade der mit Pornos verseuchte Computer entfernt wurde, und den Toiletten auf, wo Brandon masturbiert. Wieder zu Hause empfängt er in seiner kargen Wohnung Prostituierte oder trifft sich mit ihnen im Online-Chat. Ohne viele Worte erzählt &#8222;Shame&#8220; von einem Mann, der Sex braucht. Mehr Sex als man vielleicht für normal hält? An Orten, die man vielleicht nicht adäquat findet? Definitiv aber ohne die romantischen Geschichten, in die er normalerweise im Film eingebettet wird.</p>
<p>Als Brandon dann doch so eine romantische Geschichte ausprobiert und sich mit seiner Arbeitskollegin Marianne verabredet, scheitert er ausgerechnet im Bett. Sex, Sympathie und so etwas wie Romantik scheinen bei ihm nicht zusammen zu gehen. Ähnlich ist es bei seiner jüngeren Schwester Sissy (Carey Mulligan), die nach zahllosen unbeantworteten Anrufen plötzlich bei ihm auftaucht. Sie wünscht sich im Gegensatz zu Brandon Liebe und Zuneigung, aber auch bei ihr reicht es nur für Bettgeschichten. Wo sie Halt in der geschwisterlichen Nähe sucht, droht für ihn die emotionale Bindung der beiden seinen wohl geordneten Alltag durcheinander zu bringen.</p>
<p>&#8222;Shame&#8220; erzählt eine merkwürdige Leidensgeschichte. Die Bilder und Episoden aus Brandons ausschweifendem Sex-Leben scheinen vertraut. New York lieferte die Kulisse für so viele urbane Mythen von freien und einsamen geschlechtlichen Wesen, dass man annehmen könnte &#8222;Shame&#8220; sei nur ein weiterer auf der Liste. Dass für Brandon der nächste Orgasmus so etwas wie der nächste Schuss eines Junkies ist &#8211; so zwingend wie unbefriedigend &#8211; erzählt der Film erst eilig im letzten Drittel. Welchen Teil in ihm das Auftauchen seiner Schwester anrührt, bleibt der Spekulation der Zuschauerin überlassen.</p>
<p>Das Leiden der Geschwister ist in der ersten Hälfte von &#8222;Shame&#8220; diffus &#8211; und wirkt in der zweiten, wenn sie außer Rand und Band geraten, hölzern. Brandons Absturz wird anhand eines nächtlichen Besuchs auf der Toilette eines Schwulenclubs erzählt (gar nicht queer!). Sissy schlitzt sich &#8211; ganz das Paradebild von der weiblichen Autoaggression &#8211; im Badezimmer die Pulsadern auf. Und warum? Weil unter dem postmodernen Bild entfesselter Sexualität etwas Unaussprechliches schlummert? Weil es ein schmaler Grad ist, zwischen der Abhängigkeit von Nähe, die den Menschen ausmacht, und einer Sucht nach körperlichen Kicks, die dem Individuum gefährlich wird? &#8222;Shame&#8220; ist schön gefilmt, aber so spärlich erzählt, dass am Ende die Anzahl der Lücken, die man selbst spekulativ füllen muss, Unzufriedenheit auslöst. Ob er provozieren wird, bleibt abzuwarten.</p>
<p><em>&#8222;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shame_(Film)">Shame</a>&#8220; läuft seit dem 1. März in den deutschen Kinos.</em></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Shame+%7C+Wie+der+n%C3%A4chste+Schuss+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Cherry &#124; Porno, Film und Festivals (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cherry-62-berlinale-fucking-different-xxx-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2345" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2345" title="Cherry" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/cherry-film-berlinale.jpg" alt="Cherry und Rosenkavalier" width="720" height="322" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rumpus Films (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von ihr macht. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit türmt sie nach San Francisco, um endlich ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie knüpft Kontakte zur Porno-Szene und verdient fortan ihre Brötchen als &#8222;Cherry&#8220; in pornografischen Filmen für eine Internetplattform. Und da hört das Hollywood-Dasein auf. Allen kulturellen Codes entsprechend müsste die schöne Blonde nun mindestens mit Koks vollgepumpt, verprügelt und vergewaltigt werden, bis sie begreift, in welchen Moloch sie geraten ist und sich eines Besseren besinnt. Der lupenreine Retter würde vor den Toren der pornografischen Alptraumfabrik bereits auf sie warten  &#8211; aber das passiert nicht.</p>
<p>Und genau das können einige Kritikerinnen dem Film <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126575">&#8222;Cherry&#8220;</a> von Stephen Elliott, der bei der 62. Berlinale Weltpremiere feierte, nicht verzeihen. <span id="more-2312"></span>Es ist fast rührend, wie die wenigen vorhandenen Kritiken zum Film nach dem Bösen suchen, das der Film scheinbar &#8222;offensichtlich&#8220; ausspart. So <a href="http://blogs.indiewire.com/theplaylist/berlinale-2012-review-however-hard-it-tries-cherry-fails-to-convince-us-that-a-career-in-porn-is-the-best-idea-ever">schreibt Jessica Kiang auf The Playlist</a>:</p>
<blockquote><p>In presenting the porn industry, without shading, as a refuge from addiction and exploitation and a career choice with great opportunities for upward mobility, at some point the film leaves the realm of believable narrative and enters that of propaganda (pornaganda?)</p></blockquote>
<p>In der Tat, die dunkle Seite der Pornoindustrie ist in &#8222;Cherry&#8220; keine interne Angelegenheit. Sie besteht vielmehr im Verhältnis zwischen der Welt der moralisch Überlegenen zum kulturellen Nichtort der Pornografie und allen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass sogar Angelinas alkoholsüchtige Mutter und der koksende Boyfriend (Nr. 2) sich über sie und ihren Job erheben, zeigt die Distanz, die zwischen Sex-Arbeit und dem gesellschaftlich Anerkannten liegt. Stephen Elliott und seine Co-Autorin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lorelei_Lee_(pornographic_actress)">Lorelei Lee</a> wissen, wovon sie sprechen, beide sind oder waren selbst als Sex-Arbeiter tätig. Sie erzählen von der Porno-Industrie nicht als ausbeuterischem Moloch, sondern als routiniertem Business, in dem Frauen längst nicht nur vor der Kamera und schon gar nicht nur als hilflose Opfer agieren.</p>
<p>Auf einem anderen großen Berliner Festival, der <a href="http://schönschrift.org/tags/transmediale/">Transmediale</a>, sprach erst kürzlich der Netzaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Appelbaum">Jacob Appelbaum</a> im Rahmen des <a href="http://schönschrift.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">reSource: sex-Programms</a> über seine Arbeit bei der Pornoproduktionsfirma kink.com. (Deren Hauptsitz in San Francisco dient übrigens als Kulisse in &#8222;Cherry&#8220;.) Appelbaum sprach von ziemlich normalen, keineswegs schmuddeligen Arbeitsverhältnissen. Normal allerdings auch im Sinne eines kapitalistischen finanziellen Drucks. Derselbe lastet auf Angelina in &#8222;Cherry&#8220;. Sie braucht Geld und trifft eine Wahl. Dass der Film diese Wahl (und jeden einzelnen damit verbundenen Schritt) beschreibt, ist sein großer Verdienst. Dass Kritikerinnen ihm genau das vorwerfen, zeigt auch ihre eigene Engstirnigkeit. Es zeigt sich aber in erster Linie die unumstößliche Grenze, die das Normale von der Pornografie trennt und auf der unsere (Hollywood-sozialisierte) Kultur basiert.</p>
<p>Auf der Ebene der Bilder überwindet &#8222;Cherry&#8220; diese Grenze selbst nicht. Die  skandalisierten Pornobilder bleiben klar aussortiert, sie werden im Film nicht gezeigt, die Hardcore-Drehs bleiben schön angedeutet. Die Kino-Zuschauer bleiben mit dem, was sie sehen dürfen, deutlich von dem fiktiven Porno-Publikum unterschieden, dem die fiktiven expliziten Aufnahmen vorbehalten sind. Das ist dem Filmmarkt geschuldet, der eine der prominentesten Bühnen für die Trennung zwischen Kunst und Porno ist. Tatsächlich pornografische Bilder hätten es auf die (eigentlich ja als mutig geltende) Berlinale wohl eher nicht geschafft.</p>
<p>Solche Bilder waren während der Berlinale-Woche statt dessen anderswo zu sehen. Parallel zu den Filmfestspielen zeigte das Kino Moviemento, in dem jährlich das <a href="http://schönschrift.org/tags/pornfilmfestival/">Berliner Pornfilmfestival</a> stattfindet, den Film &#8222;Fucking Different XXX&#8220;. Die Vorläufer der Queer-Crossover-Reihe &#8222;Fucking Different New York&#8220; und &#8222;Fucking Different São Paulo&#8220; waren noch im Berlinale Programm gelaufen &#8211; die enthielten aber auch keine explizite Pornografie, auf die sich die XXX-Version nun eingelassen hat. Vielleicht liegt es aber auch nicht an den Bildern allein, sondern an der allgemeinen Einfallslosigkeit des Kompilationsfilms. Die Idee schwule Regisseure lesbische Szenen inszenieren zu lassen (und umgekehrt) mag ihre identitätspolitische Schlagkraft verloren haben, das strenge Konzept wirkt nur mehr schematisch. Da können auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Verow">Todd Verow</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_LaBruce">Bruce LaBruce</a> mit den bei weitem interessantesten Beiträgen nicht mehr viel reißen.</p>
<p>Im Berliner Festivalfrühjahr hat die Beschäftigung mit Sexualität und ihrer Medialisierung ihren Platz gefunden. Die kulturkonstituierende Unterscheidung zwischen Pornografie und hehrer Kunst ist damit noch nicht überwunden. Die Auseinandersetzung könnte differenzierter sein, auch mutiger, aber im besten Fall ist das ja erst der Anfang. Der Anfang der Revision einer Trennung zwischen Hollywoodheiligen und Huren, zwischen guten Bildern für den roten Teppich und schmutzigem Hinterzimmer-Kino. Den Forderungen der Sex-Arbeiter-Vereinigungen (z.B. <a title="Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen | reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)" href="/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">NSWP</a>) käme so ein Aufbruch jedenfalls entgegen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2347" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-fucking-different-xxx-thumb1.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen &#124; reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 14:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Liad Hussein Kantorowicz]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm reSource for transmedial culture sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2249" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.flickr.com/photos/transmediale/6627909947/in/set-72157628698408863"><img class="size-full wp-image-2249" title="Grass mud horse" src="/wp-content/uploads/2012/02/grasmudhorse.jpg" alt="" width="720" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Niedlich und subversiv: Das Grass Mud Horse (Titelfoto &quot;People&#39;s Pornography&quot;, alle Rechte vorbehalten, Martin Lui)</p></div>
<p>Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-transmedial-culture-0">reSource for transmedial culture</a> sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu Ende ging, Impulse gegeben werden. Die Kategorie <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-sex">reSource sex</a> (daneben gibt es markets, networks, activism und methods) verhandelte während des Festivals bereits einen Bereich, der viel Inkompatibles in sich birgt. Wie passt es zum Beispiel zusammen, dass Sex und Nacktheit überall sind und es trotzdem so schwierig ist, reflektierte Standpunkte zu Themen wie Sex-Arbeit, Pornografie oder Pädophilie zu finden? Die US-amerikanische Filmwissenschaftlerin Linda Williams nennt dieses Phänomen ganz transmediale-kompatibel On/scenity. <span id="more-2199"></span></p>
<p>Sie schreibt in ihrem 2004 publizierten Reader <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">Porn Studies</a>:</p>
<blockquote><p>On/scenity marks both the controversy and scandal of the increasingly public representations of diverse forms of sexuality <em>and</em> the fact that they have become increasing available to the public at large. [&#8230;] If <em>obscenity</em> is the term given to those sexualy explicit acts that once seemed unspeakable, and were thus permanently kept off-scene, <em>on/scenity </em>is the more conflicted term with which we can mark the tension between the speakable and the unspeakable which animates so many of our contemporary discourses of sexuality.</p></blockquote>
<p>Williams&#8216; Modell bietet einen theoretischen Rahmen für die Spannung zwischen der Allgegenwart von Bildern, die früher obszön genannt wurden, und der Unerhörtheit, die als moralistisches Erbe immer noch mit ihnen verbunden ist.</p>
<p>Diese Unerhörtheit ist dabei zum Teil wörtlich zu nehmen, wie die Podiumsdiskussion &#8222;Commercialising Eros&#8220; zum Thema Sex-Arbeit zeigte. <a href="http://www.transmediale.de/content/aliya-rakhmetova">Aliya Rakhmetova</a> vom globalen Sex-Arbeiter Netzwerk <a href="http://www.nswp.org/">NSWP</a> sprach unter anderem über die Schwierigkeit politische Rechte für eine Gruppe von Menschen einzufordern, deren primäres Ziel es ist, anonym zu bleiben. Zu den Sex-Arbeiterinnen gehören von der Prostituierten, über den Telefonsex-Agenten bis zur Anbieterin erotischer Massagen alle möglichen Berufsgruppen. Sie sind in vielen Teilen der Welt schon alleine deshalb darauf angewiesen, zu verheimlichen was sie tun, um sich vor körperlicher Gewalt zu schützen. Gleiches gilt auch für die Kunden, die die sexuellen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Gerade wegen der Stigmatisierung und der teils lebensbedrohlichen Risiken der Arbeit ist es wichtig, juristische Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber wie führt man eine Demonstration durch, mit Menschen, die nicht erkannt werden dürfen?</p>
<p>Die Künstlerin, Aktivistin und Sex-Arbeiterin <a href="http://www.transmediale.de/content/liad-hussein-kantorowicz">Liad Hussein Kantorowicz</a> überschreitet die Schwelle der Sichtbarkeit ihrer selbst und ihrer Arbeit auf mehreren Ebenen. In ihrer Performance <a href="http://www.transmediale.de/content/watch-me-work-1">&#8222;Watch me Work&#8220;</a>, die parallel zur Podiumsdiskussion stattfand, ließ sie das Publikum an ihrem Arbeitsalltag als Stripperin in einem Videochat teilnehmen. Sie war live auf der Bühne zu sehen, chattete währenddessen per Video und Tastatur mit ihren Kunden und wurde dabei noch zusätzlich für die Dokumentation gefilmt. In der Performance dekonstruierte sie einerseits das Spektakuläre und Anrüchige an ihrem Job. Das Publikum konnte sehen, wie sie außerhalb des für die Webcam sichtbaren Bereichs aß, trank oder SMS schrieb. Andererseits zeigte sich, wie prekär die Arbeitsverhältnisse auch in diesem Bereich sein können. Am Ende der Performance, als sie nach etwa einer Stunde wieder auf&#8217;s Panel kam, hatte sie nur einige wenige Kunden in den bezahlten Bereich des Chats locken können und nicht mehr als ca. 16 Euro verdient.</p>
<p>Wie kann Sex, wörtlich genommen, eine Ressource sein, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient, wenn das gesamte Arbeitsfeld der Sex-Arbeit als nicht existent deklariert wird? In China beispielsweise wird die Parole verbreitet, Internet-Pornografie &#8211; &#8222;the cyber yellow danger&#8220; &#8211; sei von der Zensur komplett ausgerottet worden. Wie sich dennoch auf verschiedenen Wegen die unerhörten Bilder ihren Weg von den Machern durch die vernetzte Welt hin zu den Usern bahnen, das recherchierte die Wissenschaftlerin <a href="http://www.transmediale.de/content/katrien-jacobs">Katrien Jacobs</a> für ihr Buch <a href="http://www.amazon.com/Peoples-Pornography-Surveillance-Chinese-Internet/dp/1841504939">&#8222;People&#8217;s Pornography. Sex and Surveillance on the Chinese Internet&#8220;</a>, das sie auf der Transmediale vorstellte. In ihrer Präsentation stellte sie die maßgebliche Inkompatibilität heraus, die den chinesischen Umgang mit Internetpornografie kennzeichnet: Die hyperkapitalistische Gesellschaft, die auch vor dem menschlichen Körper als Ressource nicht Halt macht, steht dem kommunistischen System gegenüber, in dem der Zugang zu Inhalten, die über das Internet kursieren, eingeschränkt wird.</p>
<p>Der Transmediale tat es gut, sich dem Thema Porngorafie, Sex-Arbeit und Bio-Technologie zu öffnen. Die Macher hatten sicher absehen können, das es den Rahmen des Festivals sprengen würde. Daher bleibt mit Spannung abzuwarten, welche Veranstaltungen das reSource Sex-Programm in den kommenden Wochen und Monaten anbieten wird.</p>
<h3>Literatur zum Thema Sex-Arbeit:</h3>
<ul>
<li>NSWP:<em> <em>Reserach for Sex Work 12: <a href="http://www.nswp.org/resource/research-sex-work-12-sex-work-and-violence"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">Sex Work and Violence (p</em></em>df</a>)</em></em></li>
<li>Susanne Koppe: „Sexarbeit zwischen patriarchaler Ausbeutung und emanzipatorischer Subversion“<em> (</em>in:<em> <em><a href="http://www.amazon.de/Gender-Queer-Studies-Einführung-Uni-Taschenbücher/dp/3825229866">Gender / Queer Studies. Eine Einführung</a> </em>von Nina Degele</em>)</li>
<li>Audacia Ray: „Sex On The Open Market: Sex Workers Harness The Power Of The Internet“ (in:<em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"> <a href="http://www.networkcultures.org/_uploads/24.pdf"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">C’lick Me. A Netporn Studies Reader (p</em>df)</a> von </em><em>Katrien Jacobs, Marije Janssen, Matteo Pasquinelli</em>)</li>
</ul>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Kunst, Porno, Artporn? &#124; Konkurrierende Rhetoriken beim 6. Pornfilmfestival Berlin</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Nov 2011 14:31:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<description><![CDATA[&#8222;Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Pornografie?&#8220;, fragen die Macher_innen des 6. Berliner Pornfilmfestivals auf ihrer Homepage. Und die Antwort haben sie auch gleich parat: &#8222;Kunst ist teurer!&#8220; Das mag eine grobe Verallgemeinerung und in einigen Fällen schlicht falsch sein, &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/kunst-porno-artporn-konkurrierende-rhetoriken-beim-6-pornfilmfestival-berlin/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Kunst%2C+Porno%2C+Artporn%3F+%7C+Konkurrierende+Rhetoriken+beim+6.+Pornfilmfestival+Berlin+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1749" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1749" title="AITT03" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/AITT03.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">&quot;Angel in the Toilet&quot; von Koichi Imaizumi (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Was ist der Unterschied zwischen Kunst und Pornografie?&#8220;, fragen die Macher_innen des 6. Berliner Pornfilmfestivals auf ihrer <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/?page_id=356">Homepage</a>. Und die Antwort haben sie auch gleich parat: &#8222;Kunst ist teurer!&#8220; Das mag eine grobe Verallgemeinerung und in einigen Fällen schlicht falsch sein, es führt allerdings direkt zum Kern des Diskurses um Pornografie. Immer geht es dabei um Abgrenzung. Pornografie ist das ewig Andere der Kultur, das Schmuddelige ohne Mehrwert. Oder in einer paranoiden aber höchst aktuellen Ausprägung: das Allgegenwärtige, zu dem jeder (sogar Kinder und Frauen!) ständig Zugang hat und vor dem jeder folglich beschützt werden muss.</p>
<p>Aber es gibt auch eine Gegentendenz, zu der das Berliner Porn Filmfestival, das in diesem Jahr (26.-30.10. 2011) den <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/?p=4515">Rekord von 5.000 Besuchern</a> geknackt hat, seinen Beitrag leistet. <span id="more-1713"></span>Kunst und Pornografie entdecken einander &#8211; wieder, muss man sagen, denn im Goldenen Zeitalter der Pornografie in den 70er Jahren gab es bereits ein hippes, sexuell revolutioniertes und kunstinteressiertes Porno-Publikum, das sich in großen Filmtheatern zu Vorstellungen von <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Deep_Throat_(Film)">&#8222;Deep Throat&#8220;</a>(Gerard Damiano) oder <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Behind_the_Green_Door">&#8222;Behind the Green Door&#8220;</a> (Artie und James Mitchell) traf. Mit VHS, DVD und dem Internet scheint Porno stärker zu einer Angelegenheit für den kleinen Bildschirm geworden zu sein. Gegen diese Tendenz richten sich nun zunehmend Museen, Festivals, Symposien und Konferenzen.</p>
<p>Dass es beim Pornfilmfestival auch eine Kurzfilmreihe unter dem Titel <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/?p=2919">&#8222;Artporn&#8220;</a> gibt, stiftet ein wenig Verwirrung. Werden hier nun dem selbst formulierten Prinzip gemäß die teureren Produktionen gezeigt? Keineswegs. Dass man auch unter dem Vorzeichen der Kunst für das Produktionsbudget in die eigene Tasche greifen muss, zeigen &#8222;Angel in the Toilet&#8220; des japanischen Filmemachers Koichi Imaizumi und &#8222;Greedy Eyes&#8220; von Anton Z. Risan. Aber was macht diese Filme nun zu Art? Und warum braucht es den Zusatz auf einem Festival, das ohnehin den Anspruch vertritt, Kunst und Porno einander näher zu bringen?</p>
<p>Was vielen Filmen gelang, die unter anderen Vorzeichen beim Festival liefen &#8211; zum Beispiel dem des Dokumentarischen, des Experimentellen oder des Feminismus &#8211; ging dem &#8222;Kunstporno&#8220; leider ab. So erweitert die Road-Movie-Doku &#8222;Orchids. My Intersex Adventure&#8220; den cineastischen Horizont für das Spannungsverhältnis von gesellschaftlicher, medizinischer und familiärer Identität der Intersexuellen Filmemacherin. <a title="Was Frauen wollen? | 6. Pornfilmfestival Berlin" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/was-frauen-wollen-6-pornfilmfestival-berlin/">&#8222;Mutantes&#8220;</a> von Virginie Despentes oder <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/?p=756">&#8222;The Advocat for Fagdom&#8220;</a> über Bruce LaBruce arbeiteten die diskursive Verstrickung feministischer und/oder homosexueller Politik mit Pornografie und Punk-Kultur auf. Und &#8222;Nude Study&#8220; erzählt neben mehreren berührenden Lebensgeschichten auch noch in experimentierfreudigen Bildern von der Spannung zwischen bewegten Bildern und nackten Körpern.</p>
<p>Die Messlatte für Kunst-Porno liegt also hoch. Das Artporn-Showreel konnte diese Hürde leider nicht nehmen. Hier herrschten statt ästhetischem Aufruhr und politischem Diskurs eher experimentelle Langeweile (&#8222;Let Me Entertain You&#8220;) und gescheiterte Provokation (&#8222;Filetisierung&#8220;, &#8222;Mother of Pearl&#8220;). Im <a href="http://kunsthallewien.at/downloads/mediazone/Publikationen/Ausstellungskataloge/2009_The_Porn_Identity.pdf">Katalog zu „The Porn Identity“</a>, einer Ausstellung, die 2006 in der Kunsthalle Wien zu sehen war, vertritt Linda Hentschel  „die These, dass Kunst und Pornografie keineswegs feste, sich gegenseitig ausschließende Kategorien, sondern ineinandergreifende Formen der Rhetorik sind&#8220;. Mit dem Artporn-Showreel spielten die Kuratoren diese Formen leider gegeneinander aus. Aber selbst das bleibt inmitten eines künstlerisch so anspruchsvollen Gesamtprogramms verzeihlich.</p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Kunst%2C+Porno%2C+Artporn%3F+%7C+Konkurrierende+Rhetoriken+beim+6.+Pornfilmfestival+Berlin+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Was Frauen wollen? &#124; 6. Pornfilmfestival Berlin</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Oct 2011 17:09:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Wenn es in Deutschland um Pornografie und Frauen geht, dann ist die prominenteste Assoziation wohl Alice Schwarzers PorNo-Kampagne, die in direkter Linie auf US-amerikanische feministische Pornogegnerinnen wie Andrea Dworkin zurückgeht. Der berühmteste Slogan dieser Bewegung war &#8222;Porno ist die Theorie. &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/was-frauen-wollen-6-pornfilmfestival-berlin/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Was+Frauen+wollen%3F+%7C+6.+Pornfilmfestival+Berlin+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1691" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1691" title="CHATROULETTEskaliert" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/CHATROULETTEskaliert.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">&quot;Chatroulette&quot; von Maria Llopis (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Wenn es in Deutschland um Pornografie und Frauen geht, dann ist die prominenteste Assoziation wohl <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Alice_Schwarzer">Alice Schwarzers</a> <em>PorNo</em>-Kampagne, die in direkter Linie auf US-amerikanische feministische Pornogegnerinnen wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andrea_Dworkin">Andrea Dworkin</a> zurückgeht. Der berühmteste Slogan dieser Bewegung war &#8222;Porno ist die Theorie. Vergewaltigung ist die Praxis&#8220; und Zensur, am besten Verbot, schien ihren Vertreterinnen der einzige Weg, Pornografie zu handhaben. Virginie Despentes&#8216; Film <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/?p=1045">&#8222;Mutantes &#8211; Punk, Porn Feminism&#8220;</a>, der jetzt beim <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/">6. Berliner Pornfilmfestival</a> gezeigt wurde, dokumentiert einen anderen Ansatz. Seit den 1960er Jahren verknüpfen Frauen Feminismus, Sexarbeit und Pornografie zu eigenwilligen politischen Bewegungen. Mutationen, aus denen nicht nur die Porn Studies mit ihrer berühmtesten Vertreterin <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Linda_Williams">Linda Williams</a> hervorgegangen sind, sondern auch eine kleine aber ansehnliche Riege weiblicher Pornografinnen. <span id="more-1690"></span></p>
<p>Acht Beiträge zum Diskurs über <a href="http://www.pornfilmfestivalberlin.de/pffb_2011/de/?p=1240">&#8222;Female Porn&#8220;</a> zeigte das Festival in einer Kurzfilmreihe. Den Anfang machte eine selbstreflexive Doku, entstanden beim Pornfilmfestival vor zwei Jahren. In Katharina Szmidts &#8222;Cum different: Frauen machen&#8217;s anders&#8220; erläutern weibliche Pornografinnen, was den Frauen-Porno vom Mainstream abhebt. Dass er dabei gleich zum &#8222;gehobenen Porno&#8220; erklärt wird und die Macherinnen sich am liebsten gar nicht mehr als Pornografinnen bezeichnen wollen, spiegelt eine moralische Falle wieder, die Linda Williams in ihrem Porn Studies-Klassiker <a href="http://www.amazon.com/Hard-Core-Pleasure-Visible-Expanded/dp/0520219430">Hard Core</a> beschreibt. Diese besteht darin ein Ideal vom weiblichen,</p>
<blockquote><p>scheinbar authentischen, akzeptablen Sex [&#8230;] gegen den unauthentischen und inakzeptablen Sex des ‚Anderen’ (als den pornografischen, gewalttätigen oder obszönen) abzusetzen.</p></blockquote>
<p>Dass allerdings Pornos von und für Frauen genauso heteronormativ und ästhetisch eintönig sein können, wie es dem Mainstream häufig vorgeworfen wird, zeigt Louise Lushs &#8222;The thought of her&#8220;. Hier wird nicht nur ein ideal-typischer Männerkörper beim Wichsen gezeigt, seine Gedanken (die sich &#8211; von der Regisseurin verfasst &#8211; ausschließlich um eine <em>sie</em>, ihren Hintern, ihre Brüste etc. drehen) werden im Voice-Over gleich mit objektifiziert. Aber wer zu diesem Zeitpunkt kopfschüttelnd den Kinosaal verlassen und das Screening als Gesamtheit verpasst hat, dem ist einiges entgangen.</p>
<p>&#8222;Chatroulette&#8220; von Maria Llopis zum Beispiel, die als Vertreterin jüngster spanischer Postpornografie auch in &#8222;Mutantes&#8220; zu Wort kommt. Sie passt weder in die Mainstream-Pornoästhetik noch das Lady-Klischee à la Erika Lust und gerade deshalb bietet ihre Darstellung in &#8222;Chatroulette&#8220; eine echte Alternative &#8211; dokumentarisch, sexy und humorvoll. Llopis hat jahrelange Erfahrung mit ihrem Punk-feministischen DIY-Projekt <a href="http://girlswholikeporno.com/">GirlsWhoLikePorno</a> gesammelt, das in Barcelona zu einer produktiven politischen Bewegung rund um Pornografie und Queerness gehört.</p>
<p>Zum Abschluss der Kurzfilmreihe zeigt &#8222;Kaktus&#8220; (Anna Treimann) wie wirklich kompliziert es ist, sexuelle Lust und Fantasien in Kategorien zu ordnen, sei es männlich/weiblich, normal/anormal, legal/illegal. Wer das feministische Tabu-Thema Vergewaltigung in humorvoll-berührenden 30 Minuten erhellend behandeln kann, dem gebührt Applaus. Ebenso wie den Kuratoren der Reihe, die ihre eigenen Diskurse &#8211; auch die gegenläufigen &#8211; kennen und sie auf der Leinwand plausibel zusammen gebracht haben.</p>
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		<title>&#8222;Post Porn Poetry&#8220; im Maxim-Gorki-Theater &#124; Collage statt Konfrontation</title>
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		<pubDate>Fri, 07 Oct 2011 09:24:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Agnes Hansch]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Maxim Gorki Theater]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Maxim-Gorki-Theater traut sich was. Wo auf den meisten vergleichbaren Bühnen noch die Postdramatik abgehandelt wird, steht hier seit Juni 2011 &#8222;Postpornografie&#8220; auf dem Programm. Im Studio des Berliner Traditionshauses zeigt das Künstlerkollektiv ZENTRALE &#8220;Post Porn Poetry&#8220;, die Diplominszenierung der Regisseurin Agnes &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/post-porn-poetry-maxim-gorki-theater-berlin/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=%26%238222%3BPost+Porn+Poetry%26%238220%3B+im+Maxim-Gorki-Theater+%7C+Collage+statt+Konfrontation+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1563" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-1563" title="PPP008" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/PPP008.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Bettina Stöß (alle Rechte vobehalten)</p></div>
<p>Das Maxim-Gorki-Theater traut sich was. Wo auf den meisten vergleichbaren Bühnen noch die <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Postdramatisches_Theater">Postdramatik</a> abgehandelt wird, steht hier seit Juni 2011 &#8222;Postpornografie&#8220; auf dem Programm. Im Studio des Berliner Traditionshauses zeigt das Künstlerkollektiv <a href="http://zentrale.cc/">ZENTRALE</a> &#8220;Post Porn Poetry&#8220;, die Diplominszenierung der Regisseurin Agnes Hansch. Wer allerdings nackte Leiber erwartet, die ja im Theater eigentlich keine Seltenheit mehr sind, der wartet vergebens. Hardcore-Sex, Prostitution, Sadomaso &#8211; das alles gibt es &#8222;nur&#8220; verbal. Aber schließlich ist Porno ja nicht zuletzt ein literarisches Genre. Das kann man in Zeiten von YouPorn natürlich schon mal vergessen. Umso überraschender, dass &#8222;Post Porn Poetry&#8220; auf filmisches Material ganz verzichtet.<span id="more-1562"></span></p>
<p>Stattdessen fackeln hier <a title="„Dieser verrückte bunte Vogel“ | Ivana Sajević im Gespräch über Gaddafi als „King of the Kings“ (Freischwimmer 2011)" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/interview-lovefuckers-king-of-the-kings-gaddafi/">Ivana Sajević</a> und Hanna Binder in pinken Röckchen und fleischfarbenen Leggings eine Show &#8222;voller Höhepunkte&#8220; ab, mit Zitaten von jetzt und früher, aus Literatur, Musik und Philosophie. Vom &#8222;House of the rising sun&#8220; als Ideengeber für Kollektiv-Sex-Fantasien, über Pedro Almodovars fiktive Dirty-Doll <a href="http://www.amazon.de/Patty-Diphusa-Wilde-Geschichten-Almodóvar/dp/342661507X">Patty Diphusa</a>, bis hin zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Kugelmenschen">Platons Kugelmenschen</a>, die erst Sex brauchen, seit die Götter sie von ihrer besseren Hälfte getrennt haben. In der ZENTRALE wurden die kulturgeschichtlichen Hausaufgaben gemacht! Verwunderlich nur, dass Tim Stüttgens Veröffentlichung <a href="http://www.b-books.de/verlag/ppp/index.html">&#8222;Post Porn Politics&#8220;</a> zum gleichnamigen Symposium, das 2006 in Berlin stattfand und an das der Titel des Abends so nah angelehnt ist, keine Erwähnung findet. Der Theoretiker und Performer fragt darin unter anderem:</p>
<blockquote><p>Why watch porn? Why not? Or why not look for &#8222;other&#8220; porn? Why not produce post-porn? How do we theorize sex performance? &#8230;</p></blockquote>
<p>Die Postpornografie-Szene, zu der Stüttgen gehört, ist eine Mischung aus akademischer Beschäftigung mit Pornografie, Performancekunst und radikalem politischen Aufbegehren gegen sexualisierte Formen der Macht. Einerseits bejaht sie die Lust am Pornografischen, andererseits versteht sie sich aber in vielerlei Hinsicht als Alternative zum Porno-Mainstream. Mit queeren Mitteln werden hier Darstellungen erzeugt, die den Handlungsspielraum derjenigen erweitern sollen, die normalerweise sowohl im Mainstream-Porno, als auch in einer auf Heterosexualität und Zweigeschlechtlichkeit basierenden Gesellschaft am Rande stehen: Homo-, Trans*- und Intersexuelle oder auch einfach nur Personen, die nicht auf ein Männer- oder Frauenklischee festgelegt werden wollen, dem sie nicht entsprechen.</p>
<p>Zu namhaften Performer_innen der Postporn-Szene, die auch im etablierten Kunstbetrieb ihre Erfolge verbuchen können, gehören neben <a href="http://anniesprinkle.org/">Annie M. Sprinkle</a> (eine ehemalige Pornodarstellerin mit Doktortitel) oder <a href="http://www.dellagracevolcano.com/index.html">Del la Grace Volcano</a> auch der Filmemacher <a href="http://www.brucelabruce.com/">Bruce la Bruce</a> und Tim Stüttgen selbst als Berliner Vertreter. Ihr radikales Erbe anzutreten, das hat sich ZENTRALE nicht vorgenommen. Auch nicht in ihre ästhetsischen Fußstapfen zu treten. Und das war eine gute Entscheidung, die der Qualität des Abends keinen Abbruch tut.</p>
<p>&#8222;Post Porn Poetry&#8220; interessiert sich für die Kommerzialisierung der Sexualität in so handfesten Ausprägungen wie der Sex-Arbeit, zu der Prostitution und Pornografie gehören. Im Mittelpunkt des Abends steht, dass Sex längst zur Währung geworden ist oder doch zumindest seinen Preis hat. Kapitalismus, Marktwirtschaft, Selbstmanagement, alles schlau gewählte Themen, an denen sich die Postpornografie-Debatte mit einem Theater überlappt, das sich gern als kritisch-links verkauft.</p>
<p>Damit findet ZENTRALE ihren Weg in einen Betrieb, der der Pornografie im kulturellen Spektrum diametral entgegen steht. Auf der Bühne Sperma, Schwanz und Fotze zu sagen, das ist nicht das provokante dieses Abends, der manchmal aufpassen muss, in seiner Collagenhaftigkeit nicht ins Beliebige abzurutschen. Es ist die süße Subversion, mit der &#8222;Post Porn Poetry&#8220; das Publikum für ein gesellschaftspolitisches, akademisches und künstlerisches Thema interessiert, ohne dass es sich auch nur ein bisschen unwohl fühlen muss oder aus seiner Theatergemütlichkeit herausgerissen wird. Die nächsten Projekte der ZENTRALE lassen Spannendes erwarten!</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/10/notizen-post-porn-poetry.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1730" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/10/notizen-post-porn-poetry-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/10/notizen-post-porn-poetry.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=%26%238222%3BPost+Porn+Poetry%26%238220%3B+im+Maxim-Gorki-Theater+%7C+Collage+statt+Konfrontation+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Den Diskurs öffnen &#124; Clarissa Smith im Gespräch über Pornresearch.org</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 08:20:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Produktion]]></category>
		<category><![CDATA[Clarissa Smith]]></category>
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		<description><![CDATA[An English version of this text is available. Die britischen WissenschaftlerInnen Clarissa Smith, Feona Attwood und Martin Barker haben vor kurzem ein umfassendes Befragungsprojekt gestartet, eine Studie über die Nutzung von Pornografie: pornresearch.org. Was ihr Projekt von anderen Studien zum diesem &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/clarissa-smith-interview-pornresearch-org-porn-studies/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Den+Diskurs+%C3%B6ffnen+%7C+Clarissa+Smith+im+Gespr%C3%A4ch+%C3%BCber+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_989" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-989" title="Clarissa Smith" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/Foto_Clarissa-Smith.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Lisa Andergassen</p></div>
<p>An <a href="/artikel/a-slippery-slope-interview-clarissa-smith-pornresearch-org-porn-studies/">English version of this text</a> is available.</p>
<p><em>Die britischen WissenschaftlerInnen Clarissa Smith, Feona Attwood und Martin Barker haben vor kurzem ein umfassendes Befragungsprojekt gestartet, eine Studie über die Nutzung von Pornografie: <a href="http://pornresearch.org/">pornresearch.org</a>. Was ihr Projekt von anderen Studien zum diesem Thema unterscheidet, ist die Betonung der Beziehung zwischen der Pornografie und ihren Zuschauern. Damit hat die Studie eine völlig andere Richtung als andere, die sich für gewöhnlich mit den oft beklagten potentiellen Gefahren beschäftigen. Smith und Attwood waren gerade zu Gast bei der <a title="Film und Archiv | IX. MAGIS International Spring School" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/film-und-archiv-ix-magis-international-spring-school/"> IX. MAGIS Spring School</a> in Gorizia, Italien, wo sie </em><em>eine Sektion des <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">Porn Studies</a>-Seminars koordinierten. Wir haben Clarissa Smith interviewed. Es wurde viel gekichert&#8230;</em></p>
<p><strong>Schönschrift: Auf eurer Webseite bin ich über den Begriff „public knowledge”, also öffentliches Wissen, gestolpert. Es gibt viele Leute, die sagen, „Es gibt so viel Porno überall, wir können das langsam nicht mehr ertragen” und dann kommt ihr daher und argumentiert, dass wir mehr öffentliches Wissen darüber brauchen. Kannst du das etwas genauer erklären?</strong></p>
<p>Smith: Die Sache ist, dass sehr viele Annahmen über Pornos existieren. Warum Leute sich das angucken, warum sie es lesen. Es geht nämlich dabei nicht nur ums Gucken, sondern auch ums Lesen. Es bedeutet vieles. Allein der Ausdruck „Gebrauch von Pornografie“ lässt zum Beispiel eine bestimmte Beziehung vermuten, die Leute zur Pornografie haben. Ich bin nicht sicher, ob wir überhaupt wissen, was Leute mit Pornografie machen.<span id="more-974"></span></p>
<p>Man denkt, dass es dabei ausschließlich um Masturbation geht. Aber schon nach der vorläufigen Auswertung der Studie, die wir bis jetzt gemacht haben, ist deutlich geworden, dass es um sehr viel mehr geht. Manchmal geht es eher darum, eine Diskussion über Sexualität mit anderen Leuten zu führen, um das Gefühl, das man zu einer Gruppe gehört, die an sexuellen Aspekten interessiert ist.</p>
<p>Wir wissen nicht, was wir am Ende finden werden, aber ich denke, es ist viel komplizierter als zu behaupten, dass sich Menschen diesen Kram angucken, um angetörnt zu werden und das war&#8217;s dann. Man geht im Allgemeinen davon aus, dass Leute, die zur Pornografie kommen, nach mehr und mehr explizitem Material suchen. Weißt du, man beginnt mit ein bisschen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie#Softpornos.2C_Erotikfilme_und_Sexfilme">Softcore</a>, dann geht man über zu <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Pornografie#Hardcore-_bzw._Porno">Hardcore</a> und dann zu brutalen Vergewaltigungsfantasien und dann will man vielleicht rausgehen und das nachspielen. Damit beschäftigt sich öffentliches Wissen die ganze Zeit, mit diesem Wandeln auf dem dünnen Eis. Ich denke, es gibt einige Verzerrungen darüber, was Leute, mit denen ich gesprochen habe, wirklich fühlen. Es geht eigentlich viel mehr darum herauszufinden, was man mag und was nicht. Und unterwegs stellt man fest „Na ja, das hier mag ich nicht. Damit will ich mich nicht weiter beschäftigen. Aber das hier gefällt mir“. Eigentlich wie jede andere Art von kultureller Aktivität. Man lernt die generischen Konventionen, die Codes und dann kommt man zu dem Schluss: „Das hier mag ich aus den und den Gründen“. Man hat etwas dazu zu sagen. Und dann kennt man sich langsam besser aus und ist vielleicht mehr interessiert an einem bestimmten Aspekt und das ist dann nicht mehr das Gleiche wie das vorher genannte Wandeln auf dünnem Eis. Es gibt mehr über Pornografie zu sagen als einfach nur, dass es innerhalb der Gesellschaft eine Tendenz zu  expliziterem Material gibt und dass es immer leichter verfügbar ist.</p>
<p><strong>Wie wurde euer Projekt bis jetzt angenommen?</strong></p>
<p>Als ich es zu Anfang auf Facebook gestellt habe, hatten wir 200 Antworten in 24 Stunden und ca. 50 Leute, die sich bereit erklärt haben, an weiteren Fragen teilzunehmen. Und das war ganz schön abgefahren, ich hatte erwartet, dass vielleicht ein Prozent der Leute mehr Fragen beantworten würde.</p>
<p><strong>Habt ihr euer <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E-rF8GIPb4c">Promotion Video</a> auch auf andere Videoportale wie YouPorn oder XTube gestellt oder ist es nur auf YouTube zu sehen?</strong></p>
<p>Es ist nur auf YouTube. Wir haben Probleme mit diesen Tube Sites, weil sie denken, dass es sich dabei um Werbung handelt und das wollen sie nicht. Deswegen muss ich sie anschreiben und sie fragen, ob sie es auf die Seite stellen können. Wir hatten auch schon Beschwerden über die Studie von Gruppen, die gegen Pornografie sind. Die vermuten, dass wir von der Pornoindustrie bezahlt werden, um Marktforschung für sie zu betreiben. Naja, und das machen wir nicht im Entferntesten. Wir sind daran interessiert, herauszufinden, warum Leute Pornos mögen. Das ist nicht das Gleiche wie Marktforschung für Pornoproduzenten zu betreiben. Da gibt es definitiv ein Problem und ich will nicht noch mehr Aufmerksamkeit diesbezüglich auf uns ziehen, denn irgendwann möchte ich ein anderes Projekt machen, das sich damit beschäftigt, warum Leute Pornografie <em>nicht</em> mögen. Und wenn es online viel Gerede gibt, dass wir von den Pornomachern bezahlt werden, wird es schwierig.</p>
<p>Aber so wird die ganze Sache gedacht. Man ist entweder entschieden dafür oder entschieden dagegen. Aber eigentlich sind es ganz verschiedene Fragen, mit denen wir uns beschäftigen. Diese beiden Optionen halte ich nicht für die eigentlich interessanten. Uns interessiert, was Leute in ihrem täglichen Leben an Pornografie finden und wie dies wiederum verbunden ist mit ihrem Sinn für Sexualität, sexuelle Politiken etc. Die Leute, die im Augenblick an dem Thema interessiert sind, mögen Pornografie. Es müssten andere Fragen gestellt werden für Leute, die Pornografie ablehnen, und man müsste fragen, wie sie die Verbindung zwischen Pornografie und Alltag einschätzen.</p>
<p><strong>Seid ihr auch an der Produktionsseite von Pornos interessiert? Habt ihr Kontakt zu Produzenten oder SchauspielerInnen?</strong></p>
<p>Ja, es gibt ein anderes Projekt, mit dem ich mich gerade beschäftige, das mit Leuten zu tun hat, die in der Pornoszene arbeiten. Was ich daran spannend finde, ist die Medienindustrie. Wenn man zum Beispiel in die Bibliothek geht und sich Bücher zur Medienindustrie besorgt, schau mal ins Inhaltsverzeichnis: Pornografie existiert praktisch nicht. Niemand spricht darüber als ein Zweig von kreativer Praxis oder als eine Form von Medien. Ich finde es sehr spannend, dass Pornografie eine Schwesterproduktion des Kinos ist. Es benutzt dasselbe Medium, es benutzt dasselbe &#8211; na ja, nicht dasselbe Vertriebssystem, denn offensichtlich bleibt es in vielen Punkten wegen der rechtlichen Bestimmungen getrennt – aber es ist nicht komplett einzigartig. Es wird nicht besprochen als ein Bestandteil der Produktion. Und wenn doch mal jemand darüber spricht, dann  normalerweise über die Stars, die Leute, die in den Filmen spielen oder die Leute, die damit Geld machen, wie z. B. <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hugh_Hefner">Hugh Hefner</a>. Das sind die einzigen. Aber neben diesen Leuten gibt es Make-Up Artists, Kameraleute, Tonleute, Drehbuchschreiber. All die Dinge, die es auch im Theater oder Kino oder Fernsehen gibt. Und mich interessiert, wie diese Leute Fragen der Kreativität einschätzen und wie sie das als Beruf sehen. Viele Leute, die als Selbstständige arbeiten oder im Mainstream-Film, würden auch für Pornos arbeiten. Für Webdesigner z.B. denke ich, ist das keine schlechte Sache, schon mal in der Pornoindustrie gearbeitet zu haben, weil Pornografie sehr entscheidend für das Wachstum des Internets war. Ich bin mir sicher, dass es viele Leute gibt, die jetzt sehr respektable Jobs haben, und die früher in Pornoproduktionen involviert waren. Es ist also dementsprechend nicht komplett getrennt voneinander, obwohl dieser Eindruck besteht und es nur sehr wenig Literatur darüber gibt.</p>
<p><strong>Habt ihr den Eindruck, dass die Leute, die eure Fragen beantworten, überhaupt fähig sind, darüber zu sprechen, was ihr fragt, wenn man davon ausgeht, dass es relativ ungewöhnlich ist, über Sexualität und Pornografie zu sprechen?</strong></p>
<p>Wir suchen nicht nach Leuten, die uns irgendwie intellektualisierte Antworten geben. Es wäre naiv zu glauben, dass man das finden kann. Wonach wir suchen sind Muster und wie darüber gesprochen wird. Was heißt das z.B., wenn Leute sagen, „Das ist ein realistisches Setting“ oder „Das könnte mir passieren“ oder „Ich stelle mir vor, in der gleichen Situation zu sein“. Wie das korreliert mit ihrer Vorstellung über sich selbst. Was wir hier machen, befindet sich in der weiten Tradition der Publikumsstudien. Zum Beispiel, wenn man das Publikum eines speziellen Clint Eastwood-Westerns untersucht. Weißt du, Leute mögen den Begriff „Identifikation“ nutzen, aber was meinen sie damit eigentlich?</p>
<p>Wir suchen nach Mustern und Arten über diese Dinge zu sprechen. Und eine der Sachen, die wir  herausgefunden haben, ist der Fakt, dass der öffentliche Diskurs über Pornografie sich bereits im Sprechen darüber befindet. Wie Leute zum Beispiel versuchen damit umzugehen, vielleicht um eine Nische zu finden, in die sie passen. Es gibt verschiedene Ideologien, die von Leuten angewandt werden, wenn sie darüber sprechen, warum sie etwas mögen. Und ich bin nicht davon überzeugt, dass Akademiker  tatsächlich ausdrücken können, was sie aus Pornografie machen. Wir können diese Dinge  in einem Seminarraum besprechen, aber wir sind nicht anders als alle anderen.</p>
<p>Im Augenblick befinden wir uns auf sehr schwammigem Gebiet und wir suchen nach einer Art Kombination zwischen den Dingen, die die Leute in den Pornos sehen wollen und Dingen, die sie nicht sehen wollen und was diese Momente ausmacht, warum man sich Pornos anschaut. Und dann sind da die Fragen, die sich darum drehen, was guten Sex ausmacht. Wir suchen also nach den Verbindungen, die sich an diesem Punkt befinden, weil wir hoffen, dass diese Fragen für uns etwas öffnen werden. Wir freuen uns darauf, überrascht zu werden.</p>
<p>Ich bin ganz aus dem Häuschen über das Projekt. Es hat sich jetzt ca. 10 Jahre in Entwicklung befunden, das Ganze überhaupt zu machen und wir haben verzweifelt versucht, Fördermittel aufzutreiben. Am Ende haben wir es dann selbst finanziert, wir bekamen keine Gelder dafür. Das kann natürlich auch daran gelegen haben, dass ich einen schlechten Förderantrag geschrieben habe, aber eigentlich denke ich, dass die Leute einfach davon abgeschreckt sind, weil wir nicht über die Effekte reden. Stattdessen sprechen wir über andere Beziehungsgeflechte, ich glaube, das  macht Förderern Angst.</p>
<p><strong>Wie siehst du deine Rolle als Wissenschafterin auf diesem Gebiet?</strong></p>
<p>Ich würde den Titel Pro-Porno vehement ablehnen. Ich würde mich selbst nicht als Pro-Porno bezeichnen, ich sehe mich als Porno-interessiert. Ich glaube, das Ganze hat eine endlose Faszination auf mich. Es gibt einfach so viele verschiedene Typen von Pornos, es gibt so viele Gründe, warum Leute zur Pornografie kommen und ich fühle mich politisch sehr motiviert, ein bisschen mehr zu sagen als „Dieses Zeug verdirbt uns“ oder „Das ist schlecht für die Gesellschaft“. Ich glaube, das ist die falsche Frage, die immer wieder gestellt wird. Und es geht auch nicht nur um sexuelle Befreiung, denn obwohl Pornografie getrennt wird in Bezug auf „Hier sollte eine Zensur stattfinden“, scheint es so zu sein, dass was auch immer innerhalb der Pornografie passiert, auch irgendwann in anderen Medienformen passiert. Vom Porno zum Kino und Fernsehen, was auch das Argument im Prozess der „Pornofikation“ von Kultur u.ä. ist.</p>
<p>Als sie zum Beispiel kürzlich die <a href="http://www.heise.de/newsticker/meldung/ICANN-gibt-gruenes-Licht-fuer-Rotlicht-Adresszone-im-Netz-1211025.html">.xxx-Domain</a> gestartet haben, haben sie herausgefunden, dass das dazu führt, dass dann auch andere Sektionen im Internet geschlossen werden können. Und dann beginnen sie, das für andere Dinge zu nutzen. Daran glaube ich wirklich. Und die ganzen Strategien, die genutzt werden, um ganze Diskussionen zu schließen. Sie sehen das als „Da geht etwas Korruptes vor sich“ in Bezug auf Sexualität. Zum Beispiel die Art und Weise, wie es uns unmöglich erscheint, über Kinder und Sexualität zu sprechen. Das ist ein Diskurs, der alle möglichen Gebiete schließt, die eigentlich geöffnet werden sollten, um sie zu untersuchen. Das heißt nicht, dass alles frei sein sollte oder alles liberal betrachtet werden muss. Es ist viel mehr als das. Ich denke, da geht es um die Möglichkeit einer echten Debatte darüber, wie wir zum Beispiel sexuelle Erziehung unterrichten sollten. Dinge, die sich im Bereich der nicht-normativen Sexualität befinden. Im Moment kommt es mir so vor, als würden wir uns selbst als immer liberaler werdend einschätzen, aber in Wirklichkeit hat unsere Toleranz Grenzen. Und die müssen nicht mal besonders weit gedehnt werden, bevor man diesen Punkt erreicht. Rund um Pornografie im Besonderen gibt es viele Gesetze in Europa und auch woanders, die unglaublich homophob sind. Auch wenn sie objektiv und recht offen erscheinen,  sind sie eigentlich unglaublich restriktiv und normativ in ihren Ansätzen.</p>
<p><strong>Ich habe noch eine weitere Frage zu diesen Restriktionen, über die du bereits gesprochen hast. Wir hatten vorhin eine Diskussion über Horrorfilme und haben gedacht, dass es da eine Art Verbindung gibt zwischen diesen beiden Faszinationen. Sexualität und Pornografie sind Dinge, die uns im Innersten unseres Selbst treffen und sie sagen etwas über uns als Menschen aus. Und dann in einem Raum voller Menschen zu sitzen und Pornos zu gucken kann sich merkwürdig anfühlen. Wie gehst du damit um? </strong></p>
<p>Ja, es ist schon komisch, in einem Seminarraum zu sitzen und zusammen Material anzuschauen, das man normalerweise als etwas sehr Privates betrachten würde, wenn man das zum Beispiel vergleicht mit Lesungen in der Literaturwissenschaft. Lesen kann eine sehr einsame Aktivität sein, aber man wirft dann ein paar signifikante Zitate an die Tafel und alle lesen sie. Na ja, ich kichere viel, ich komme mir schon manchmal etwas albern vor, manchmal bin ich auch peinlich berührt. Ich bin mir außerdem sehr darüber bewusst, wie die Leute mich beurteilen werden anhand dessen, was ich vorführe. So wie „Oh, das sagt etwas über sie aus“. Ich bin mir bewusst, dass es da zahlreiche Reaktionen gibt. Ich kann nicht davon ausgehen, dass alle total einverstanden sind, mit dem was sie zu sehen bekommen. Auf der anderen Seite denke ich, dass es in einem Porn Studies-Seminar unmöglich ist, diese Sachen nicht zu sehen. Man muss wissen, worüber man spricht. Kein Mainstream-Film wird in einem Filmseminar besprochen, ohne wenigstens ein paar Ausschnitte daraus zu sehen. Und das Ganze hat natürlich einen Grund, so dass jeder weiß, worum es geht. Ja, aber das kann schon alles sehr komisch sein. Ich bin mir dessen sehr bewusst, schließlich bin ich nicht immun gegen diese Filme. Manchmal bin ich über meine eigene Reaktion überrascht. Manchmal will ich überhaupt nichts machen, von dem was mir normal erscheint. Es kommt darauf an, wie sicher sich die Atmosphäre anfühlt. Ich habe all diese Gefühle auch. Und ich muss auch an die Leute im Publikum denken.</p>
<p><strong>Eine letzte Frage: Welche Auffassung deiner Arbeit nervt dich am meisten? </strong></p>
<p><em>Lacht. </em>Oh, darüber müsste ich nachdenken. Ich weiß, was mich richtig nervt: Wenn du am Ende einer Präsentation denkst, dass du wirklich viele Denkrichtungen aufgezeigt hast und dann meldet sich jemand und fragt „Ja, aber was ist mit den Frauen? Sollten wir uns darum nicht kümmern?“ Und natürlich bin ich nicht dagegen. Ich bin sehr beunruhigt über sexuelle Gewalt gegen Frauen, aber ich denke nicht, dass Pornografie da eine kausale Rolle hat. Und ich denke, dass diese Debatte eine ganze Reihe anderer Dinge verschleiert, die wir untersuchen sollten und die sich darum drehen, warum sexuelle Gewalt passiert. Und das wird nicht geschehen, solange es immer diesen Drang gibt, ein Objekt zu beschuldigen.</p>
<p><strong>Vielen Dank!</strong></p>
<p><em> Das ungeschnittene Interview auf Englisch zum Anhören. Dateiformate: <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.mp3">MP3</a> oder <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.ogg">Ogg Vorbis.</a> </em><em>Übersetzung aus dem Englischen: Anika Meier (<a href="http://whatshesaid.eu/">What she said</a>)</em></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Den+Diskurs+%C3%B6ffnen+%7C+Clarissa+Smith+im+Gespr%C3%A4ch+%C3%BCber+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>A slippery slope &#124; An interview with Clarissa Smith about Pornresearch.org</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Apr 2011 08:17:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[Produktion]]></category>
		<category><![CDATA[Clarissa Smith]]></category>
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		<category><![CDATA[Gorizia]]></category>
		<category><![CDATA[IX. MAGIS International Spring School]]></category>
		<category><![CDATA[Martin Barker]]></category>
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		<description><![CDATA[Es gibt eine deutsche Übersetzung dieses Textes. The British scholars Clarissa Smith, Feona Attwood and Martin Barker have started an intense research project on the use of pornography: pornresearch.org. What distinguishes this research from others engaging in porn is the &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/a-slippery-slope-interview-clarissa-smith-pornresearch-org-porn-studies/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=A+slippery+slope+%7C+An+interview+with+Clarissa+Smith+about+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_951" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-951" title="pornresearch.org" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/pornresearch_bild.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Picture: pornresearch.org; all rights reserved</p></div>
<p>Es gibt eine <a href="/artikel/clarissa-smith-interview-pornresearch-org-porn-studies">deutsche Übersetzung</a> dieses Textes.</p>
<p><em>The British scholars Clarissa Smith, Feona Attwood and Martin Barker have started an intense research project on the use of pornography: <a href="http://pornresearch.org/">pornresearch.org</a>. What distinguishes this research from others engaging in porn is the emphasis on the relationship between porn and its spectators &#8211; not the potential harm that is often lamented about. Smith and Attwood have just chaired a section of the <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">porn studies</a> part belonging to the <a title="Film und Archiv | IX. MAGIS International Spring School" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/film-und-archiv-ix-magis-international-spring-school/">IX. MAGIS Spring School</a> in Gorizia, Italy. We interviewed Clarissa Smith. There was a lot of giggling&#8230;</em></p>
<p><strong>Schönschrift: When I was surfing on your website I came across the expression “public knowledge“ about pornography. There are a lot of people who say “There is so much pornography in our lives, we can&#8217;t take it anymore“ and then you argue that we need more public knowledge about it. Can you explain that a little more?</strong></p>
<p>Smith: The thing is that there are a lot of assumptions about porn. Why people are looking at it, why they are reading it. Because it&#8217;s not just looking, it&#8217;s reading. It&#8217;s all kinds of things. Just that term “use of pornography“ for example, that presupposes a particular kind of relationship that people have with porn. I&#8216;m not sure that we actually know what people do with pornography. <span id="more-949"></span>We suggest that it&#8217;s entirely about masturbation. But just on a very preliminary reading of the stuff that we got back from this research, it&#8217;s quite clear that there is more going on with it. It&#8217;s sometimes more about having a discussion with other people about sexuality, about the feeling that you are part of a group of people, who are interested in sexual issues.</p>
<p>We have no idea about what we are going to find in the end but I think it is much more complicated than just that people look at this stuff to get aroused and that&#8217;s it. And there is this idea that people, who come to pornography, are looking for more and more explicit material. You know you start with a bit of <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Softcore_pornography">softcore</a> and then you go to <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Hardcore_pornography">hardcore</a> and then you get into really violent rape phantasies and then you actually want to go out and do that. That&#8217;s what public knowledge talks about all the time, this kind of slippery slope. I think that is such a distortion of what people who I talked to feel, their trajectory in terms of pornography has been. It&#8217;s much more about learning what you like and what you don&#8217;t like. And along the way you say “Well, I don&#8217;t like that sort of stuff, I&#8216;ll never go near that. And this is the thing that I do like.“ Just like any other kind of cultural activity. You learn the generic conventions, you learn codes and you are starting to feel “These are the things that I like because of these reasons“. You&#8216;ve go things to say about it. And you become more knowledgeable and more interested in that particular aspect and that isn&#8217;t the same like this slippery slope. There is more to say about porn than whether or not it is getting more explicit or it&#8217;s more and more available.</p>
<p><strong>How was the response to your research project so far?</strong></p>
<p>When I first posted it on Facebook I had 200 responses in 24 hours and about 50 people said that they wanted to take part in more questions. And it was a bit freaky because I expected that maybe one percent would say that they wanted more questions.</p>
<p><strong>Did you post your <a href="http://www.youtube.com/watch?v=E-rF8GIPb4c">promotion video</a> on tube sites like YouPorn or XTube or is it just on YouTube?</strong></p>
<p><img class="alignright size-thumbnail wp-image-1004" title="Clarissa Smith" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/04/Portrait-Clarissa-Smith-275x395.jpg" alt="" width="275" height="395" />It&#8217;s just on YouTube. We are having a bit of a problem with these tube sites because they consider it to be advertising and they don&#8217;t want it, so I have to write to them and ask them if they could put it up there. We&#8216;ve also had some complaints about the research from groups, which are against pornography who suggest that actually we were being paid by the pornographers to make market research for them. Well, that&#8217;s not what we&#8216;re doing at all. What we&#8216;re interested in is why people like pornography. That isn&#8217;t the same as market research for pornographers. That&#8217;s a bit of a problem and I don&#8217;t want to draw any more of that kind of suggestions because at some point I&#8216;d like to do an other project about why people don&#8217;t like pornography. And if there is lots of talk online saying these people are in the pay of the pornographers, then it becomes a bit difficult.</p>
<p>But that&#8217;s one of the ways the whole thing is thought about. You are either absolutely for it or you are absolutely against it. But we are actually asking different sets of questions. We are not in that space at all. Those two options are not the ones that I consider to be interesting. We&#8216;re wanting to know what people feel that pornography gives them in their everyday lives and how it is connected to their sense of sexuality, sexual politics etc. And the people who are interested in it at the moment are those who like it. And there would be different questions for people who don&#8217;t like pornography and what they think the connection between pornography and everyday life is.</p>
<p><strong>Are you also interested in the production side of things? Are you in touch with producers or actors?</strong></p>
<p>Yes, I&#8216;ve got an other project that I&#8216;m doing, which is interviewing people who work in pornography. What I&#8216;m interested in is that it is a media industry and if you go to the library and get any of the media industry books, just in the index, pornography is absolutely missing. Nobody talks about it as a branch of creative practice or form of media. It really interests me that pornography is a sister production of cinema. It uses the same media, it uses the same &#8211; well, not the same distribution networks because obviously in a lot of ways it is kept separately because of legal restrictions. But it is not something completely unique. There is no talk about it as a means of production. And if anybody is talking about it in terms of productions it&#8217;s usually the stars, the people who act in it or the people who make money, like Hugh Hefner. That would be the only ones. But alongside these people are make-up artists, camera men, sound recorders, script writers. All of the things that you have in theatre or cinema or television. And I&#8216;m interested in how those people see questions of creativity and how they see it as a job. A lot of people who work as freelancers on mainstream films would also work in pornography. Webmasters for example who work for a publishing house, but they have also worked for pornographers. And for web designers I think it&#8217;s not such a bad thing to have worked in pornography because pornography has been really important to the growth of the internet. I&#8216;m sure there are a lot of people, who now seem to be doing very respectable jobs who have been involved in some kind of pornographic productions. So it is not totally separate but it appears to be and there is very little written about that.</p>
<p><strong>Do you have the impression that the people who are answering your questions are able to talk about what you are asking, given the fact that it is so unusual to talk about sexuality and pornography?</strong></p>
<p>We are not looking for people who answer the questions in a way that might be intellectualized. It would be naive to think that you can find that. But what we are looking for are patterns and ways of talking. How do they talk, in terms of realism? What does that mean? For example when people say “This is a realistic setting“ or “This could happen to me“ or “Imagine if I was in that position“. How this fits into their sense of themselves. What we&#8216;re doing is within the wider tradition of audience studies. For example when you are studying the audience of a certain Clint Eastwood Western. You know, people might use terms like “identification” but what do they actually mean by that?</p>
<p>We are looking for patterns and ways of talking about things. And one of the things that we find is that actually the public discourse about pornography is in that talk as well. Like how people try to negotiate with that maybe to find a space, in which they fit in. There are different kinds of ideologies that people might be employing to talk about why they like something. And I&#8216;m not convinced that academics can articulate what it is that they are doing with porn, not really. They can do this stuff in a class room but we are no different from anybody else.</p>
<p>At the moment we got these likert scales and we&#8216;re looking for a kind of combination between things that people want to see in pornography and things they don&#8217;t want to see and what constitutes these moments, why you go to porn. And then we have these questions about what good sex is. So we&#8216;re looking at what are the correlations there because we&#8216;re hoping that those are going to open things up for us. We&#8216;re just looking forward to being surprised. I&#8216;m incredibly excited about this project. It&#8217;s been ten years in the gestation in wanting to do it and trying quite hard to find sources of funding and in the end we just had to fund it ourselves because we can&#8217;t get the money. And that might be because I wrote a terribly rubbish proposal but I actually think that people are just scared, because we&#8216;re not talking about effects. We are instead talking about other kinds of relationships. I think that worries funders.</p>
<p><strong>How do you see your role as researchers in this field?</strong></p>
<p>That&#8217;s interesting. I would really refuse the title of pro-porn. I don&#8217;t see myself as pro-porn, I see myself as being interested in porn. I think it is endlessly fascinating. There are just so many types of porn, there are masses of reasons why people come to pornography and I do feel very much politically motivated to do something other than to simply say “This stuff harms us“ or “This is very bad for society“. I think that is the wrong question to ask anyway. And this isn&#8217;t just about sexual liberation because although pornography is kind of hived off in terms of “That&#8217;s where censorship should happen“. It tends to be the case that whatever happens to porn will then happen in other media forms as well. From porn through to cinema and television which is the argument made in the <a href="http://www.amazon.de/Pornification-Sex-Sexuality-Media-Culture/dp/1845207041">pornification</a> of culture and things like that.</p>
<p>When they started out for example this xxx-domain that was just started they found out that it actually leads to an ability to close down sections of the internet. And then they&#8216;ll start using it on others things. I really do believe that. And the whole way in which you can close down certain kinds of talk. In terms of “There is something corrupt going on“. In terms of sexuality. For example the way, in which we can&#8217;t now talk about children and sexuality. It&#8217;s a discourse that closes down all sorts of areas that really ought to be opened up for investigation. That does not mean everything should just be free or some sort of liberal perspective. It&#8217;s about much more than that. I think it&#8217;s about the possibilities of having a real debate about how we should teach things like sex education. Things around non-normative sexualities. Currently it seems to me that we talk about ourselves as becoming much more liberal but actually there are limits to our tolerance. And they don&#8217;t have to be pushed very far before you reach that point. Around pornography in particular a lot of the laws in Europe and elsewhere are incredibly homophobic. Even as they seem to be objective, they seem to be quite open, they are actually incredibly limiting and normative in their approach.</p>
<p><strong>I have another question about the limitations that you were talking about because we were also talking abut horror films and we were thinking that there is connection between these kinds of fascination. Sexuality and also porn is something that really hits our core and it really talks to us as human beings. And sitting in a room full of people watching porn can really make one feel uneasy. How do you cope with that?</strong></p>
<p>Yes, there is something odd about sitting in a class room together watching material that we think of as quite private consumption. If you think about reading in a literary studies class. Reading can be a very solitary activity but you put up some intense little lines and everybody reads it.</p>
<p>Well, I giggle, I feel silly, embarrassed sometimes. I&#8216;m also very aware of the ways in which people might well be judging me about what I&#8216;m showing. Like “that says something about her“. I&#8216;m aware that there might be a variety of responses. I can&#8217;t assume that everybody is going to be happy about what they are seeing. But also I&#8216;m feeling that in a porn studies class you really can&#8217;t not see this stuff. You have to know what we are talking about. There is no way that any mainstream film was talked about without clips being shown. And there&#8217;s a purpose to that, so that everybody knows what&#8217;s being talked about. But yes, it can be a bit odd. There is an awareness of myself because I&#8216;m not immune to this stuff. There are times that I&#8216;m surprised by my own reaction. There are times I don&#8217;t want to do any of the stuff that I think would be normal, depending on whether the space is safe or not. And I have all those feelings, too. And I have to think about the people in the audience, too.</p>
<p><strong>As a final question: Which question or which notion of your work in porn studies are you most tired of?</strong></p>
<p><em>Laughs. </em>God, I&#8216;d love to give that some thought. I tell you what I really hate is when at the end of a paper when you think that you have laid out a lot of ways of thinking, someone asks “Yeah, but what about women? Shouldn&#8217;t we be caring about that?“ And actually I don&#8217;t disagree. I am very concerned about sexual violence towards women but I don&#8217;t see pornography&#8217;s causal role in that. And I think that this debate disguises a whole range of other ways in which we should be engaging with why sexual violence happens. And we won&#8217;t so long as there is a kind of pull towards blaming an object.</p>
<p><strong>Thank you!</strong></p>
<p><em> The unedited interview is available for download. File formats: <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.mp3">MP3</a> or <a href="http://schoenschrift.org/wp-content/uploads/2011/04/interview-smith.ogg">Ogg Vorbis.</a></em></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=A+slippery+slope+%7C+An+interview+with+Clarissa+Smith+about+Pornresearch.org+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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