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	<title>Schönschrift &#187; Berlinale</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Cherry &#124; Porno, Film und Festivals (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cherry-62-berlinale-fucking-different-xxx-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2345" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2345" title="Cherry" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/cherry-film-berlinale.jpg" alt="Cherry und Rosenkavalier" width="720" height="322" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rumpus Films (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von ihr macht. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit türmt sie nach San Francisco, um endlich ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie knüpft Kontakte zur Porno-Szene und verdient fortan ihre Brötchen als &#8222;Cherry&#8220; in pornografischen Filmen für eine Internetplattform. Und da hört das Hollywood-Dasein auf. Allen kulturellen Codes entsprechend müsste die schöne Blonde nun mindestens mit Koks vollgepumpt, verprügelt und vergewaltigt werden, bis sie begreift, in welchen Moloch sie geraten ist und sich eines Besseren besinnt. Der lupenreine Retter würde vor den Toren der pornografischen Alptraumfabrik bereits auf sie warten  &#8211; aber das passiert nicht.</p>
<p>Und genau das können einige Kritikerinnen dem Film <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126575">&#8222;Cherry&#8220;</a> von Stephen Elliott, der bei der 62. Berlinale Weltpremiere feierte, nicht verzeihen. <span id="more-2312"></span>Es ist fast rührend, wie die wenigen vorhandenen Kritiken zum Film nach dem Bösen suchen, das der Film scheinbar &#8222;offensichtlich&#8220; ausspart. So <a href="http://blogs.indiewire.com/theplaylist/berlinale-2012-review-however-hard-it-tries-cherry-fails-to-convince-us-that-a-career-in-porn-is-the-best-idea-ever">schreibt Jessica Kiang auf The Playlist</a>:</p>
<blockquote><p>In presenting the porn industry, without shading, as a refuge from addiction and exploitation and a career choice with great opportunities for upward mobility, at some point the film leaves the realm of believable narrative and enters that of propaganda (pornaganda?)</p></blockquote>
<p>In der Tat, die dunkle Seite der Pornoindustrie ist in &#8222;Cherry&#8220; keine interne Angelegenheit. Sie besteht vielmehr im Verhältnis zwischen der Welt der moralisch Überlegenen zum kulturellen Nichtort der Pornografie und allen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass sogar Angelinas alkoholsüchtige Mutter und der koksende Boyfriend (Nr. 2) sich über sie und ihren Job erheben, zeigt die Distanz, die zwischen Sex-Arbeit und dem gesellschaftlich Anerkannten liegt. Stephen Elliott und seine Co-Autorin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lorelei_Lee_(pornographic_actress)">Lorelei Lee</a> wissen, wovon sie sprechen, beide sind oder waren selbst als Sex-Arbeiter tätig. Sie erzählen von der Porno-Industrie nicht als ausbeuterischem Moloch, sondern als routiniertem Business, in dem Frauen längst nicht nur vor der Kamera und schon gar nicht nur als hilflose Opfer agieren.</p>
<p>Auf einem anderen großen Berliner Festival, der <a href="http://schönschrift.org/tags/transmediale/">Transmediale</a>, sprach erst kürzlich der Netzaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Appelbaum">Jacob Appelbaum</a> im Rahmen des <a href="http://schönschrift.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">reSource: sex-Programms</a> über seine Arbeit bei der Pornoproduktionsfirma kink.com. (Deren Hauptsitz in San Francisco dient übrigens als Kulisse in &#8222;Cherry&#8220;.) Appelbaum sprach von ziemlich normalen, keineswegs schmuddeligen Arbeitsverhältnissen. Normal allerdings auch im Sinne eines kapitalistischen finanziellen Drucks. Derselbe lastet auf Angelina in &#8222;Cherry&#8220;. Sie braucht Geld und trifft eine Wahl. Dass der Film diese Wahl (und jeden einzelnen damit verbundenen Schritt) beschreibt, ist sein großer Verdienst. Dass Kritikerinnen ihm genau das vorwerfen, zeigt auch ihre eigene Engstirnigkeit. Es zeigt sich aber in erster Linie die unumstößliche Grenze, die das Normale von der Pornografie trennt und auf der unsere (Hollywood-sozialisierte) Kultur basiert.</p>
<p>Auf der Ebene der Bilder überwindet &#8222;Cherry&#8220; diese Grenze selbst nicht. Die  skandalisierten Pornobilder bleiben klar aussortiert, sie werden im Film nicht gezeigt, die Hardcore-Drehs bleiben schön angedeutet. Die Kino-Zuschauer bleiben mit dem, was sie sehen dürfen, deutlich von dem fiktiven Porno-Publikum unterschieden, dem die fiktiven expliziten Aufnahmen vorbehalten sind. Das ist dem Filmmarkt geschuldet, der eine der prominentesten Bühnen für die Trennung zwischen Kunst und Porno ist. Tatsächlich pornografische Bilder hätten es auf die (eigentlich ja als mutig geltende) Berlinale wohl eher nicht geschafft.</p>
<p>Solche Bilder waren während der Berlinale-Woche statt dessen anderswo zu sehen. Parallel zu den Filmfestspielen zeigte das Kino Moviemento, in dem jährlich das <a href="http://schönschrift.org/tags/pornfilmfestival/">Berliner Pornfilmfestival</a> stattfindet, den Film &#8222;Fucking Different XXX&#8220;. Die Vorläufer der Queer-Crossover-Reihe &#8222;Fucking Different New York&#8220; und &#8222;Fucking Different São Paulo&#8220; waren noch im Berlinale Programm gelaufen &#8211; die enthielten aber auch keine explizite Pornografie, auf die sich die XXX-Version nun eingelassen hat. Vielleicht liegt es aber auch nicht an den Bildern allein, sondern an der allgemeinen Einfallslosigkeit des Kompilationsfilms. Die Idee schwule Regisseure lesbische Szenen inszenieren zu lassen (und umgekehrt) mag ihre identitätspolitische Schlagkraft verloren haben, das strenge Konzept wirkt nur mehr schematisch. Da können auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Verow">Todd Verow</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_LaBruce">Bruce LaBruce</a> mit den bei weitem interessantesten Beiträgen nicht mehr viel reißen.</p>
<p>Im Berliner Festivalfrühjahr hat die Beschäftigung mit Sexualität und ihrer Medialisierung ihren Platz gefunden. Die kulturkonstituierende Unterscheidung zwischen Pornografie und hehrer Kunst ist damit noch nicht überwunden. Die Auseinandersetzung könnte differenzierter sein, auch mutiger, aber im besten Fall ist das ja erst der Anfang. Der Anfang der Revision einer Trennung zwischen Hollywoodheiligen und Huren, zwischen guten Bildern für den roten Teppich und schmutzigem Hinterzimmer-Kino. Den Forderungen der Sex-Arbeiter-Vereinigungen (z.B. <a title="Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen | reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)" href="/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">NSWP</a>) käme so ein Aufbruch jedenfalls entgegen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2347" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-fucking-different-xxx-thumb1.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>The Convoy &#124; Mission in Moskau (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Sat, 18 Feb 2012 07:05:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Weil er sich in einer Schlägerei viel zu rabiat verhalten hat, wird Ignat, Hauptmann bei der russischen Armee, auf eine Strafmission geschickt: Er soll zwei Deserteure zurückholen, die Geld aus der Kaserne gestohlen haben und damit auf dem Weg Richtung &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/the-convoy-film-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Convoy+%7C+Mission+in+Moskau+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2295" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2295" title="The Convoy" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/the-convoy-film-berlinale.jpg" alt="Ignat und Artyom" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Anna Khushvakhtova (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>Weil er sich in einer Schlägerei viel zu rabiat verhalten hat, wird Ignat, <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Dienstgrade_der_Russischen_Streitkr%C3%A4fte#Landstreitkr.C3.A4fte">Hauptmann</a> bei der russischen Armee, auf eine Strafmission geschickt: Er soll zwei Deserteure zurückholen, die Geld aus der Kaserne gestohlen haben und damit auf dem Weg Richtung Moskau sind. Ignat wird als geheimnisvoller Charakter etabliert: Er ruft nach einer unsichtbaren &#8222;Tanya&#8220;, hat Migräne und fällt manchmal einfach um. Der Film <em>The Convoy</em> (dt.<em> Die Überführung</em>) im Panorama der Berlinale verspricht ein raues Roadmovie zu werden. <span id="more-2294"></span></p>
<p>Der <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20123849">Katalogtext</a> feiert ihn als &#8222;Bitter, dunkel, kalt, blutig, dreckig, erbarmungslos und ohne Hoffnung auf Erlösung&#8220; mit Armee und Polizei als &#8222;Projektion einer Gesellschaft, deren Basis vom Verhältnis zwischen Macht und Unterwerfung, Dienstalter und Disziplin, physischer Gewalt und hierarchischem Statusdenken bestimmt wird.&#8220;</p>
<p>Die Bilderwelt des Films ist in der Tat düster und kalt und die Geschichte kreist um sich selbst. Einer der Deserteure begeht alsbald Suizid, der andere bildet gemeinsam mit Ignat und dessen Feldwebel von nun an eine lose Reisegesellschaft mit verschiedenen diffusen Interessen. Dass die drei nach einer kurzen Zeit in Moskau wieder in ihrer Kaserne landen ist von Anfang an zu ahnen. Es geht auch nicht um ein klares Ziel. Dass am Ende rein formal die Mission erfüllt ist, bleibt Nebensache.</p>
<p>Vielmehr kreiert Regisseur Alexey Mizgirev in einem Netz aus verschiedenen Machtverhältnissen, Wünschen und Werten einige wenige menschliche Momente. In fast allen Situationen sind die Verhältnisse klar: entweder ist durch die Institutionen die Hierarchie geklärt (&#8222;Die Polizei wird dich als Armeeangehörigen in Ruhe lassen&#8220;) &#8211; oder sie wird durch das Recht des Stärkeren mit Gewalt übergangen. Dem traumatisierten, verschlossenen Ignat stellt der Film Artyom, den zweiten Fahnenflüchtigen, zur Seite. Der junge, ursprünglich freiwillige Soldat versucht konsequent jede komplizierte Situation mit einem Lächeln und einem mittelmäßigen Witz zu retten. Sogar als er blutend am Boden liegt, klammert er sich noch an seinen Humor. Diese Lebenseinstellung repräsentiert im Film &#8211; mäßig originell &#8211; eine Clownsnase.</p>
<p>In einer der wenigen emotionalen Szenen des Films bekommt Ignat von Artyom ebenfalls eine Metapher für seinen Schmerz: einen Stein, den er in einer therapeutischen Geste wegwerfen soll. Er wird ihn bis zum Ende des Film bei sich tragen.</p>
<p>Zwischen den beiden ziellosen Charakteren spannt sich ein Zeitfenster der Zwischenmenschlichkeit auf. Am Ende aber sind weder die Clownsnase noch der Stein eine Antwort. Es dominiert der militärische Apparat.</p>
<p>Für eine direkte Kritik an Lebens- und Machtverhältnissen ist The Convoy zu klug. Wenn überhaupt, werden abstrakte Konzepte von Strafe und Kontrolle untersucht und ihre Willkür herausgestellt. Insgesamt verliert sich der Film aber in seinen überzeichneten Metaphern und den komplexen psychologischen Konzepten seiner Figuren.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2304" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-convoy-berlinale.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=The+Convoy+%7C+Mission+in+Moskau+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Angriff auf die Demokratie &#8211; Eine Intervention &#124; Romuald Karmakar zur Lage des Globalen (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Fri, 17 Feb 2012 10:04:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Philipp Weber]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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		<description><![CDATA[Das System der Politik krankt – und damit alles, vom globalen, multinationalen, nationalen bis zum lokalen System. Schuld daran ist die Inszenierung. Dies ist eine der Botschaften die der Filmemacher Romuald Karmakar in seinem Berlinale-Beitrag aufzeigt. Dabei widersetzt er sich &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/angriff-auf-die-demokratie-eine-intervention-romuald-karmakar-62-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Angriff+auf+die+Demokratie+%26%238211%3B+Eine+Intervention+%7C+Romuald+Karmakar+zur+Lage+des+Globalen+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2273" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2273" title="angriff auf die demokratie" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/angriff-auf-die.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Bild: Pantera Film (alle Rechte Vorbehalten)</p></div>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Das System der Politik krankt – und damit alles, vom globalen, multinationalen, nationalen bis zum lokalen System. Schuld daran ist die Inszenierung. Dies ist eine der Botschaften die der Filmemacher <a href="http://www.romuald-karmakar.de/">Romuald Karmakar</a> in seinem Berlinale-Beitrag aufzeigt. Dabei widersetzt er sich der Erwartungshaltung des Kinogängers, denn Karmakar hält sich als Filmemacher zurück, verwehrt sich einer filmischen Inszenierung im Sinne eines Eingriffs in das Quellmaterial. So wird aus dem Kinosaal ein Vortragssaal und aus dem Kinogänger ein Zuhörer einer Veranstaltung. Das Publikum im Kinosaal honoriert die Aussagen mit Applaus, ganz so, als wäre es selbst vor Ort, ganz so, als wäre es keine Aufzeichnung, sondern eine Liveübertragung. Der Film „<a href="http://www.facebook.com/events/203728626392884/">Angriff auf die Demokratie &#8211; eine Intervention</a>“ ist ein ungeschminkter Mitschnitt der gleichnamigen <a href="http://www.hkw.de/de/programm/2011/andere2011/veranstaltungen_53180/veranstaltungsdetail_69747.php">Veranstaltung</a> im Haus der Kulturen der Welt aus dem Jahr 2011, der so nicht geplant war, wie Karmakar im Anschluss an den Film erläutert.<span id="more-2272"></span></p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Erst im Nachhinein wurde aus dem hausinternen Mitschnitt und dem Rohmaterial für einen TV-Beitrag der Ablauf rekonstruiert, weshalb die Vortragenden nun überlebensgroß von der Leinwand blicken. Eine filmische Geste, die an anderer Stelle zu Diskussionen führen mag, sich in diesem Fall jedoch tatsächlich nur zufällig in die Präsentationsform einschreibt und zudem durch die Positionierung der Vortragenden zum gestellten Thema zusätzlich abgeschwächt wird. In alphabetischer Reihenfolge referieren also zehn Intellektuelle, Künstler und Publizisten vor einem schwarzen Hintergrund zur Lage der Demokratie, vor allem angesichts der Eurokrise.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Eine heikle Situation für die nichtgewählten Repräsentanten, die nun an unserer Stelle das aussprechen und damit auch greifbar machen sollen, was als Drohung in den alltäglichen Nachrichten mitschwingt. Wer kennt noch die Spielregeln, wer kann noch das System entwirren, fragen die Referenten und reihen sich mitsamt den Entscheidungsträgern und den Normalbürgern in die Reihe der Ahnungslosen ein. In Anbetracht der Rolle, die die Politik sowohl in der Bankenkrise als auch in der Finanzkrise spielt, und das sehr wahrscheinlich schon seit längerem, kann ihre Bilanz auch kaum anders ausfallen. Die geschlossene Gesellschaft aus Markt und Politik verquickt sich bis zur Unkenntlichkeit der Verantwortlichkeiten. So entziehen sich EU-Mitgliedsstaaten durch bilaterale Abkommen den Regularien des EU-Parlaments, verweisen jedoch an anderer Stelle auf eben diese Regularien. Das Ordnungssystem Demokratie entzieht sich zusehends seinen Souveränen, wenn es nicht wie beispielsweise die EU als von oben herab handelnd aufgefasst wird.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Der Tenor der Vortragenden ist einstimmig: Die Politik findet sich in den Fängen der Märkte, genauer der Finanzmärkte, wieder. Ratingagenturen und Börsenwerte bestimmen den Wert des Einzelnen und des Gemeinwohls schlechthin. Die Spekulation auf Gewinnerwartungen soll gerade jene Probleme lösen, die durch die Spekulation auf Gewinnerwartungen ausgelöst werden. Dass Demokratie jedoch Zeit braucht, um eine Lösung zu finden, die für den Souverän tragbar ist, Märkte jedoch keine Zeit haben, da die Börse ja bereits am nächsten Morgen aufmacht, ist ein Problem, das nicht nur <a href="http://www.reporter-forum.de/index.php?id=22&amp;tx_rfartikel_pi1[showUid]=360&amp;cHash=7282cdd97a04f5449661120ec3aa5fcf">Julia Encke</a> ausmacht. Auch das perfide Vorgehen der Politik, sich in der Bankenkrise ausgerechnet die Expertise von Bankern einzuholen, wird immer wieder aufgegriffen. So verkommt die Politik zusehends zur Zurschaustellung, der Politiker selbst zum reinen Entwurf, dessen äussere Verpackung mehr Aufmerksamkeit bekommt, als die Auseinandersetzung mit dem Inhalt.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="http://www.friedrichvonborries.de/">Friedrich von Borries</a> Analyse des Politikers als Designprodukt könnte auf der Bühne des politischen Kabaretts gespielt sein. Allein nichts davon ist Satire, sondern mit dem Verweis auf die mediale Aufbereitung von Nichtigkeiten, wie die Kleiderwahl Merkels oder Schröders Haarfarbe, weitet sich die Kritik auf die alltägliche Wahrnehmung und damit die Konsumentenhaltung der Wahlbürger aus.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Das <a href="http://beauty.excite.de/lisa-kirk-revolution-ndash-tranengas-als-parfum-N38278.html">Luxusparfum in Form eines Molotowcocktails</a> als Sinnbild einer kommerziell ausgeweideten Kapitalismuskritik ist nur eine Form unter vielen. Werbung suggeriert Nähe zum Verbraucher, um den Verbraucher zu binden. Emotionen helfen, um aus dem Gegenlaufenden einen Mitlaufenden zu machen. <a href="http://www.youtube.com/watch?v=KT16DcHcjRA">Levi&#8217;s</a> lässt grüßen. Schwerwiegender erscheint dabei das Schweigen der Journalisten, das Versagen der Gelehrten, also das Duckmäusertum der sogenannten Eliten. <a href="http://www.kwi-nrw.de/home/profil-hwelzer.html">Harald Welzer</a> hinterfragt den blinden Fleck, den der Selbsterhaltungstrieb auslöst und den er selbstkritisch auch an seiner eigenen Biografie aufzeigt. Argumentativ unterfüttert mit systemtheoretischen Erkenntnissen zur <a href="http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/unternehmen-und-konjunktur/Wenn-147-Konzerne-die-ganze-Wirtschaft--kontrollieren-/story/24530287">globalen Wirtschaftsvernetzung</a>, die an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich gewonnen wurden, lässt sich so ein eiserner Vorhang zwischen 149 Global Players und dem faktischen Rest der Welt ausmachen. Wen wundert es da noch, wenn die Politik sich als machtlos erweist? Oder, wie <a href="http://www.faz.net/redaktion/nils-minkmar-11104351.html">Nils Minkmar</a> anmerkt, nicht mehr die Politikressorts über Politik berichten, sondern Journalisten aus den Ressorts Wirtschaft und Finanzen von den zahlreichen und doch zahnlosen Gipfeln zur Rettung der Welt berichten?</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY">Der Film lässt Fragezeichen im Raum stehen. Bewusst. Denn der Film ist eine Speerspitze, die sich nicht nur gegen ein Oben auflehnt, sondern sich auch gegen den Speerträger richtet. Die Vortragenden hinterfragen ihre eigene Professionen und damit auch die Position der Zuschauer, die als Konsumenten von Waren und Dienstleistungen, als vermeintliche Nutznießer von Sparangeboten und hohen Renditen dem System bislang unkritisch gegenüberstehen.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="/wp-content/uploads/2012/02/angriff-demokratie-qa-karmakar.jpg"><img class="alignright size-medium wp-image-2289" title="Romuald Karmakar" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/angriff-demokratie-qa-karmakar-445x296.jpg" alt="Romuald Karmakar auf der Bühne" width="445" height="296" /></a>Was passiert nun anschließend mit diesem Film? Wird er in Programmkinos ein Schattendasein fristen? Derzeit, so Karmakar in der abschliessenden Publikumsdiskussion, laufen Gespräche mit den Produzenten über eine eventuelle TV-Ausstrahlung oder als Beileger in einer Tageszeitung, um so eine kostengünstige Distribution zu ermöglichen. Da unter den Produzenten auch ZDF und 3sat vertreten sind, sollte die Bereitstellung in der Mediathek möglich sein. Ob es jedoch zeitversetzt auch zu einer legalen kostenfreien Verteilung kommen wird, ließ der Filmemacher unbeantwortet. Es wäre wünschenswert, denn „Angriff auf die Demokratie &#8211; eine Intervention“ dient als Basis zu weiterführenden Diskussionen und damit auch zur Reflexion des eigenen Handelns.</p>
<p style="text-align: left;" align="JUSTIFY"><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2284" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a>  <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen_angriff_auf_die_demokratie.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Angriff+auf+die+Demokratie+%26%238211%3B+Eine+Intervention+%7C+Romuald+Karmakar+zur+Lage+des+Globalen+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Empört euch, friedlich! &#124; Tony Gatlifs &#8222;Indignados&#8220; als Panorama-Eröffnungsfilm auf der 62. Berlinale</title>
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		<pubDate>Mon, 13 Feb 2012 18:30:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[62. Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Occupy]]></category>
		<category><![CDATA[Stéphane Hessel]]></category>
		<category><![CDATA[Tony Gatlif]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.&#8220; (Dieses und alle folgenden Zitate: EMPÖRT EUCH! von Stéphane Hessel, Berlin, 2011) &#8222;Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage nicht so klar auszumachen  die Welt ist zu komplex geworden. Wer &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/indignados-berlinale-gatlif-hessel/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Emp%C3%B6rt+euch%2C+friedlich%21+%7C+Tony+Gatlifs+%26%238222%3BIndignados%26%238220%3B+als+Panorama-Er%C3%B6ffnungsfilm+auf+der+62.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2266" title="Occupy Berlinale" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/indignados-occupy-berlinale.jpg" alt="Zelte neben dem roten Teppich" width="720" height="306" /></p>
<blockquote><p>&#8222;Neues schaffen heißt Widerstand leisten. Widerstand leisten heißt Neues schaffen.&#8220;<br />
<small>(Dieses und alle folgenden Zitate: <em>EMPÖRT EUCH! </em>von Stéphane Hessel, Berlin, 2011)</small></p></blockquote>
<p>&#8222;Die Gründe, sich zu empören, sind heutzutage nicht so klar auszumachen  die Welt ist zu komplex geworden. Wer befiehlt, wer entscheidet?&#8220;(S. 13). Das Jahr 2011 brachte Bewegung in die trägen, unzufriedenen Massen unserer globalisierten, post-demokratischen Welt. <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126540"><em>Indignados</em></a> lässt die Energie des gewaltlosen Widerstands spüren, nimmt Anteil und ruft zur Partizipation am Protest auf. <span id="more-2262"></span> Inspiriert durch die Worte des Mitglieds der französischen Résistance Stéphane Hessel, der mit seinem Pamphlet <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Emp%C3%B6rt_euch"><em>Empört euch!</em></a> (<em>Indignez-vous !</em>) eine generationsübergreifende und internationale Protestbewegung inspiriert hat, entschloss sich der Regisseur Tony Gatlif, die Streitschrift in seinem Film weiterleben zu lassen und die Botschaft des gewaltlosen Widerstands gegen soziale Ungerechtigkeit und die Diktatur der Finanzmärkte in die Welt zu tragen.</p>
<p>Zum sehr trocken moderierten, dafür aber umso charmanter übersetzten Gespräch im direkten Anschluss an den Film waren nicht nur der Regisseur und zwei seiner Darstellerinnen anwesend, sondern auch der mittlerweile über 90-jährige Autor des Buches, der mit seiner lebendigen und charismatischen Art beeindruckte und den für ihn bereit gestellten Sessel auf der Bühne keines Blickes würdigte. Selbst überrascht und begeistert vom Erfolg seines Buches und dem Gelingen des Films warnte Hessel jedoch vor übereiltem Enthusiasmus und forderte das Publikum mit erhobenen Händen auf, die Theorie Realität werden zu lassen. Gatlif bedankte sich bei Hessel für die Inspirationsquelle und betonte noch einmal, das Pamphlet des Autors als Ausgangspunkt für sein Skript verwendend, im &#8222;service de la réalité&#8220; zu handeln. Die so entstandene spannende Bildcollage in <em>Indignados</em> ist ein Resultat, das sowohl den Autor des Buches als auch Regisseur selbst sehr zufrieden stellt.</p>
<p>Der Film verbindet verschiedene Arten von Bildern: Mitschnitte von Aktionen der Occupy-Bewegung aus ganz Europa, Medienberichte über den <em>Arabischen Frühling</em>, dokumentarische Beobachtungen und inszenierte Szenen. Die Geschichte der jungen Westafrikanerin Betty, die als illegal Einreisende die traurige Realität der europäischen Flüchtlingspolitik zu spüren bekommt, führt den Zuschauer durch <em>Indignados</em>.</p>
<p>Das ersehnte Ziel Europa verwandelt sich nach der Ankunft in Griechenland schnell in einen Alptraum aus Matratzenlagern, Hunger, Perspektivlosigkeit, Stacheldraht und unwürdiger Behandlung durch Polizisten und Institutionen. Betty: &#8222;Better to be an animal, being a human is illegal here&#8220;. Trotzdem wird die Protagonistin von der Hoffnung angetrieben, dass am Ende alle gut werden wird. L&#8216;Espoire, die Hoffnung –  das ist auch ein starkes Motiv im Manifest Hessels.  Von Griechenland aus gelangt Betty nach Frankreich, wo sie aufgegriffen wird und nach einem kurzem Aufenthalt in einem Käfig-artigen Gefängniskomplex gewaltsam wieder nach Griechenland zurück geschickt wird. Und auch wenn Bettys Geschichte einem Drehbuch entstammt: Hier zeigt sich die Festung Europa, wie sie für viele Flüchtlinge traurige Realität ist. Ein mit Stacheldraht bestückter Zaun trennt die Flüchtlinge von der Fähre, die Touristen von der griechischen Insel zum Festland oder in europäische Nachbarländer bringen soll. Eine paradoxe und monströse Trennung:  Wie gefangene Tiere hinter Gittern beobachten die Gestrandeten das Verladen der schicken Autos und Motorräder auf das gigantische Schiff, das ironischerweise die Aufschrift „superfast.com“ trägt und dann schließlich im Zeitraffer ablegt. Betty gelingt schließlich der Versuch, den Zaun zu überqueren, sie gelangt per Fähre nach Spanien. Dort gerät sie in den zornigen aber fröhlichen Sog der aufgebrachten Protestierenden der <em>Democracia Real Ya</em>-Bewegung, marschiert mit in den pulsierenden Massen, tanzt zu den Trommeln, ruft die Slogans und tankt Energie, um dann schließlich doch wieder alleine auf einer Pappe in der Garage eines verlassenen Touristendorfs Schlaf zu finden.</p>
<p>Immer wieder wird der Zuschauer durch Bettys Augen auf die absurde und traurige Realität der sozialen Ungerechtigkeit gestoßen. Gatlif konfrontiert uns mit Tatsachen, die zwar nicht neu sind, in ihrer Drastik vor Augen geführt jedoch fordern: <em>Empört euch!</em> Es gibt genügend Gründe dafür. Hessel proklamiert zwei große neue Aufgaben an die Menschheit. Zum einen ruft er dazu auf, die immer größere Kluft zwischen Arm und Reich  zu bekämpfen. Zum anderen prangert er die leeren Versprechungen zur Umsetzung der Menschenrechte an und ruft die Gesellschaft auf, diese Rechte für alle einzufordern: &#8222;Noch nie war der Abstand zwischen den Ärmsten und den Reichsten so groß. Noch nie war der Tanz um das goldene Kalb –  Geld, Konkurrenz –  so entfesselt&#8220; (S. 9).</p>
<p>Immer wieder greift Gatlif in die ästhetische Zauberkiste eines Filmemachers. Berührend und verstörend ist z.B. die Passage, in der die Kamera die unzähligen improvisierten Schlafstätten der Flüchtlinge unter Brücken und Vorsprüngen an Bettys Ankunftsort in Griechenland besucht. Eingeblendete Texttafeln informieren den Zuschauer ansonsten kommentarlos über den Bewohner des jeweiligen Lagers und sein Alter: ganze Familien, von Teenagern bis zu 70-Jährigen hausen in erbärmlichen Zelten, Verschlägen oder einfach nur auf Matratzen oder improvisierten Unterlagen aus Pappe. Malerisch hingegen zeigt sich die Szene mit hunderten von Orangen, die fast enthusiastisch hüpfend, immer schneller werdend orientalisch anmutende  Gassen hinunter purzeln, oder das Zitat an die Wiederstandsbewegung im dritten Reich, als ein Regen aus bunten Flugblättern auf eine wütende Flamencotänzerin inmitten Grafitti-besprühter, brachliegender Hochhäuser hinunter segelt. Etwas dick aufgetragen hingegen wirken die vielen fliegenden Bücher und Zeitungen, die metaphorisch aufgeladen durch die Luft schwirren.</p>
<p>Medien spielen eine tragende Rolle in Indignados. Handys tragen die Szenen des Arabischen Frühlings zu den jungen unzufriedenen Bewohnern des südlichen Europas, die sich wiederum über Textnachrichten und Netzwerke wie Facebook versammeln und organisieren, aufbegehren und protestieren.</p>
<p>Wie der Autor ruft auch Gatlif zum unbewaffneten Widerstand auf. &#8222;Mischt euch ein, empört euch! Die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft, die Intellektuellen, die ganze Gesellschaft dürfen sich nicht kleinmachen und kleinkriegen lassen von der internationalen Diktatur der Finanzmärkte, die es soweit gebracht hat, Frieden und Demokratie zu gefährden&#8220; (S. 10). Der Film präsentiert eine Menschen-unfreundliche Welt, in der verloren gegangene Individuen nach einem kleinen Platz im System suchen. Doch wie Hessel beruft sich auch Gatlif auf Hoffnung durch Bewegung, die den alarmierenden Zustand des Strebens nach einem Immer-Mehr, nach einem allgegenwärtigen, alles dominierenden materialistischen Maximierungsgedanken, der die Welt in die Krise gestürzt hat, besiegen kann: &#8222;Es ist eine Botschaft der Hoffnung, dass die Gesellschaften unserer Zeit Konflikte durch gegenseitiges Verständnis in wachsamer Geduld werden lösen können – auf der Grundlage unabdingbarer Rechte, deren Verletzung, von welcher Seite auch immer, unsere Empörung auslösen muss&#8220; (S. 19).</p>
<p>Das Mini-Occupy-Camp zu den Seiten des Roten Teppichs vor dem Eingang des Kino International bot einen schönen Kontrast zum gediegenen Berlinale-Glamour.</p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Emp%C3%B6rt+euch%2C+friedlich%21+%7C+Tony+Gatlifs+%26%238222%3BIndignados%26%238220%3B+als+Panorama-Er%C3%B6ffnungsfilm+auf+der+62.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Kinoluft und Kaffeebecher &#124; Der European Film Market (61. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Feb 2011 18:14:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Laura-Helen Rüge]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Markt]]></category>
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		<description><![CDATA[Vor dem Berlinale Palast der rote Teppich, Paillettenkleider und Limousinen &#8211; verzaubernde Filmluft. In den Kinos, ein Stockwerk tiefer, im Martin Gropius Bau, im Marriott Hotel und im Berliner Abgeordnetenhaus findet nebenher neun Tage lang der European Film Market statt. &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/european-film-market-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Kinoluft+und+Kaffeebecher+%7C+Der+European+Film+Market+%2861.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignleft size-full wp-image-359" title="Kinoeingang (Berlinale)" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/Eingang-Cubix-Berlinale.jpg" alt="Eingang des Cubix-Kinos am Alexanderplatz (Berlinale-Kino)" width="720" height="306" />Vor dem Berlinale Palast der rote Teppich, Paillettenkleider und Limousinen &#8211; verzaubernde Filmluft. In den Kinos, ein Stockwerk tiefer, im Martin Gropius Bau, im Marriott Hotel und im Berliner Abgeordnetenhaus findet nebenher neun Tage lang der <a href="http://www.efm-berlinale.de/">European Film Market</a> statt. Eine Filmmesse, auf der entschieden wird, was in Europa im kommenden Jahr in den Kinos und auf den Fernsehkanälen gespielt wird.</p>
<p>Knapp tausend Filme von über fünfzig Produktionsfirmen werden gezeigt, über tausend Filmeinkäufer besuchen die Vorführungen. Gut fünfhundert Messestände von Verleihen, Filmförderungen und Produktionsfirmen ziehen sich im Martin Gropius Bau durch die Ausstellungshallen und Flure. Am spanischen Stand wird Schokolade, am deutschen Notizblöcke und am litauischen Stand Vodka verschenkt. <span id="more-357"></span>Wer Geld hat, mietet sich hier einen großen Messestand, kleinere Produktionsfirmen müssen mit dem Marriott Hotel vorlieb nehmen, das etwas versteckter liegt. Lässt man dortt den Blick durch die Hotellobby schweifen, kann man das pausenlose „meet-and-greet“ der Film-An- und Verkäufer beobachten. Die Frauen hübsch zurecht gemacht, die Männer im Anzug &#8211; so sehen die Verkäufer aus. Auf der anderen Seite die Käufer, Fernsehsender und Verleihe; das sind die Individualisten mit verstrubbelten Haaren, Alkoholfahnen vom Empfang am Vorabend, Coffee-to-go Becher in der Hand, die in den Vorführraum stürmen und ihn meist auch nach drei Minuten wieder verlassen.</p>
<p>Für die potenziellen Käufer mieten die Produktionsfirmen Kinosäle. Auch hier gilt: Wer Geld hat, leistet sich das Cinestar oder Cinemaxx, wer bescheidener sein muss, bucht einen der zum Kino umgewandelten Konferenzräume im Marriott. Das Spektrum der Filme, die dort &#8211; oft erstmalig &#8211; gezeigt werden, ist groß. Es geht von Hochglanz-Hollywood-Produktionen, die oftmals schon amerikanische Verleihe haben und nun ihr Glück in Europa versuchen, bis zu südamerikanischen Low-Budget-Produktionen, bei denen der Ton noch nicht fertig abgemischt ist und deren neueste Version erst zwei Minuten vor Screening-Start eintrifft.</p>
<p>Generell gilt: Tauchen bekannte Namen in der Besetzungsliste auf, ist auch das Interesse an einem Film sehr hoch. Spielen nur Unbekannte, muss die Produktionsfirma über ein gutes Marketingkonzept, kostenlose T-Shirts oder aber charmante „Sales Agents“ im Minirock verfügen. Verlassen Käufer bereits nach drei Minuten den Saal, muss dies jedoch nichts Schlechtes bedeuten, wie der Sales Manager einer japanischen Firma erklärt: „Wenn ein &#8218;Buyer&#8216; nach kurzer Zeit das Screening fluchtartig verlässt, bedeutet das entweder: Der Film ist schlecht, oder aber er will ihn sofort kaufen!“. Welches Kino die großen Hollywood-Produktionen mit Star-Besetzung abgreift, bestimmt letztendlich auch der Geldbeutel des Verleihs.</p>
<p>Erst bei einem zweiten Blick in die Hotellobby, wird die Spannung unter der perfekt geschminkten Oberfläche der Sales Agents sichtbar. Trotz lockerer Weißwein-Schorlen-Atmosphäre sind alle permanent mit Telefon und iPad beschäftigt, potenzielle Käufer werden schon in dem Moment angeschrieben, in dem sie den Vorführsaal betreten. Es wird deutlich, dass die Verkäufer unter einem enormen Druck stehen ihren Film auf den Markt zu bringen. Dieser Druck entlädt sich dann schon mal an den Filmvorführern, wenn der Film vermeintlich nicht optimal auf der Leinwand präsentiert wird. Auch über die Einkäufer der Filme hört man, der Job könne in Sekundenschnelle ein toller Job gewesen sein. Bleibt der erwartete Kinoerfolg aus oder sind die Einschaltquoten geringer als erwartet, ist auch der Job weg.</p>
<p>Auch auf dem Filmmarkt geht es wie auf anderen Märkten knallhart um das Geld, um das Handeln, um den Verkauf. Beim Lauf über den roten Teppich, den man auf der Berlinale auch als Normalsterblicher im Besitz einer Eintrittskarte genießen kann, scheint danach die Kinoluft plötzlich etwas entzaubert.</p>
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		<title>Tummelplatz der Hoffnungslosen &#124; Suicide Room (61. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Sun, 13 Feb 2011 21:55:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[61. Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Jakub Gierszał]]></category>
		<category><![CDATA[Jan Komasa]]></category>
		<category><![CDATA[Panorama]]></category>
		<category><![CDATA[Roma Gasiorowska]]></category>
		<category><![CDATA[Sala samobójców]]></category>
		<category><![CDATA[Suicide Room]]></category>

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		<description><![CDATA[Parts of this text have been translated to Polish. Adoleszenz wird als Filmstoff immer gern genommen, dabei darf es auch mal richtig qualvoll zugehen. Und auch virtuelle Welten sind ein Dauerthema, seien es die real existierenden Social Networks samt Entstehungsmythos, &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/suicide-room-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Tummelplatz+der+Hoffnungslosen+%7C+Suicide+Room+%2861.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em>Parts of this text have been <a href="http://www.pisf.pl/pl/kinematografia/news/o-polskich-filmach-w-berlinie">translated to Polish.</a></em></p>
<div id="attachment_281" class="wp-caption alignnone"><img class="size-large wp-image-281" title="Filmstill Suicide Room" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/suicide-room-berlinale-720x306.jpg" alt="" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Jakub Gierszał als Dominik (Foto+Bildrechte: Jaroslaw Sosinski)</p></div>
<p>Adoleszenz wird als Filmstoff immer gern genommen, dabei darf es auch mal richtig qualvoll zugehen. Und auch virtuelle Welten sind ein Dauerthema, seien es die real existierenden Social Networks samt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/The_Social_Network">Entstehungsmythos</a>, große Blockbusterfantasien wie <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Avatar_%E2%80%93_Aufbruch_nach_Pandora">Avatar</a> oder, gerade neu aufgelegt, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tron:_Legacy">Tron</a>. Die faszinierende Kombination aus beidem &#8211; Jugend plus Internet gleich 1000 neue Neurosen &#8211; liegt auf der Hand. Dabei sind durchaus einfühlsame Geschichten herausgekommen, etwa 2007 der belgische Film <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Ben_X">Ben X.</a></p>
<p>Im Panorama der 61. Berlinale hatte nun die polnische Produktion <!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --> <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20111468">„Suicide Room“</a><!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --> Weltpremiere. Es geht um Dominik und schon der Filmtitel verrät, dass er nicht gerade kleine Probleme hat. <span id="more-275"></span> Der Privatschüler steht 100 Tage vor der Abschlussprüfung und seine erfolgsgetriebenen Eltern lassen keinen Zweifel daran, dass sie von ihm nach der „Matura“ eine glänzende Karriere erwarten. Die Grundgeschichte ist einfach: Es gibt Probleme, Mobbing, apathische Eltern, Dominik findet Familienersatz im Internet und kokettiert in einer virtuellen Welt mit dem Selbstmord, gemeinsam mit einer fatalistischen Zweckgemeinschaft im <!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --> „Suic<!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } -->ide Room<!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } -->“. Deren Anführerin ist die geheimnisvolle Sylwia, die Dominik mit ihrer Kompromisslosigkeit fasziniert.</p>
<p>Diese Story hat großes Potenzial, in eine Art stereotypen Cyberspace-Exotismus abzugleiten. Doch das Team um Regisseur Jan Komasa hat einen geschickt ausbalancierten und reflektierten Film daraus gemacht.</p>
<p>Dominiks Eltern, eine gestresste Modemanagerin und ein finanzkrisengeplagter Ministeriumsmitarbeiter, werden zunächst als deutlich überforderte Snobs gezeichnet, die die Verantwortung für ihren Sohn an die Haushälterin, den Fahrer, die Eliteschule und später an Therapeuten <!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --> „outsourcen“. Doch ihre Hilflosigkeit und Arroganz bleibt nicht plakativ, sie sind selbst in ihren Berufsrollen verfangen. Die Modewelt, als Symbol für äußerliche Inszenierung und die Finanzkrise, deren alternativloses Vokabular (Sachzwänge!) uns seit einigen Jahren begleiten, sind klug gewählt, um die Eltern zu Vertretern einer gegenwärtigen Gesellschaft zu machen.</p>
<p>Auch das Kernthema Suizid ist komplex angelegt. Die psychologische Binsenweisheit des Selbstmordversuches als <!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --> bewusster „Hilferuf“ reflektiert Dominik von Anfang an und bringt die ultimative Drohung seiner ratlosen Mutter gegenüber gezielt in Stellung: <!-- @font-face {   font-family: "Cambria"; }p.MsoNormal, li.MsoNormal, div.MsoNormal { margin: 0cm 0cm 0.0001pt; font-size: 12pt; font-family: "Times New Roman"; }div.Section1 { page: Section1; } --> „Du musst leiden wie nie zuvor.“ Aus der fatalen Philosophie seiner neuen Freundin Sylwia heraus („Alles was du brauchst ist in dir selbst.“) erfindet Dominik sich als Emo-Kid neu. Im Film ist das ein großer Auftritt in Zeitlupe und mit lauter Musik, doch am Ende zerfällt die Rolle, die er in der Schule spielt, und es bleibt eine hektische Flucht ins Taxi. Die Verneinung der sozialen Umgebung als vermeintlicher Ausweg wird schon hier als konstruierte Standardlösung entlarvt. Bei Komasa ist keine Geste so einfach gemeint, wie sie zunächst angelegt ist.</p>
<p>Die Räume des Films sind eng. Hin und wieder trifft sich die Familie im Auto, das Haus ist abgeschottet. Als Dominik im Büro seiner Mutter etwas abholen will, scheitert er an den Sicherheitseinrichtungen und kommt nicht einmal in den Aufzug. Und sein größtes Aufbegehren besteht schließlich darin, sein Zimmer nicht mehr zu verlassen, nach Vorbild von Sylwia, die nach eigener Aussage seit drei Jahren nicht mehr vor die Tür gegangen ist. Nur der virtuelle, titelgebende Suicide Room ist eine facettenreiche Fantasy-Welt, in der sich die Hoffnungslosen tummeln, versteckt hinter individualisierten Avataren.</p>
<p>Formal ist der Film selbst eine ganz eigene Konstruktion aus kühlen Kamerabildern, bunten Game-Welten, pixeliger Webcam und Chatprotokollen. Oper, Ballett, YouTube, Second Life &#8211; Suicide Room sucht seine meist engen Nahaufnahmen überall dort, wo Identitäten und Fassaden aufgebaut werden. Nur am unerwarteten Schluss steht schließlich eine befreiende Totale. Als Zuschauer im Kinosaal sind wir dabei immer schon auf den zweiten Rang verwiesen, weil wir jemandem über die Schulter blicken, der „Suicide Room“ im Internet anschaut. Der Beginn dieser Geschichte ist ein Play-Button auf YouTube. Sorry, Berlinale.</p>
<p>Die Verteilung der Erzählung auf die verschiedenen Bildkategorien funktioniert reibungslos, die Mischung aus etablierter Hochkultur (die Ballerina Weronika winkt Dominik als präsente Tür in eine bürgerliche Normalität) und rotzigem Internethumor hinterfragt alle ausgestellten Bühnen und ihre Konventionen gleichermaßen. Die Schauspieler Jakub Gierszał (Dominik) und insbesondere Roma Gasiorowska (Sylwia), die über weite Strecken des Films nur mit halb maskiertem Gesicht vor der Webcam agiert, greifen tief in die Tränenkiste, bleiben dabei aber direkt und überzeugend.</p>
<p>„Suicide Room“ trifft sein Thema angenehm differenziert. Die laute und bunte Bild- und Tonschlacht erschlägt dabei leider oft die leisen Töne der Geschichte, sodass diese erst im Rückblick zu erkennen sind.</p>
<p><em>„Suicide Room“</em><em> läuft im Panorama der 61. Berlinale noch am 16., 17. und 18.02. 2011 <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20111468">Details</a></em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/02/suicide-room-berlinale-notizen-tc.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-300" title="&quot;Suicide Room (61. Berlinale) Notizen TC" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/suicide-room-berlinale-notizen-tc-thumb.jpg" alt="Ausschnitt aus einer Notizseite zu &quot;Suicide Room&quot;" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/02/suicide-room-berlinale-notizen-tc.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Tummelplatz+der+Hoffnungslosen+%7C+Suicide+Room+%2861.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Diese Tage im Februar &#124; Ein paar Tipps für die 61. Berlinale</title>
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		<pubDate>Fri, 11 Feb 2011 15:01:17 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Dennis Basaldella]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[61. Berlinale]]></category>
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		<description><![CDATA[Für den Neu-Berliner gibt es zahllose Gelegenheiten, sich in der Hauptstadt mal so richtig außen vor zu fühlen. Currywurst-Genuss und die Berliner Schnauze sind nur einige der Klassiker. Der allerbeste Anlass aber, um komplett auf dem Schlauch zu stehen, ist &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/ein-paar-tipps-fur-die-61-berlinale/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Diese+Tage+im+Februar+%7C+Ein+paar+Tipps+f%C3%BCr+die+61.+Berlinale+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="alignnone size-full wp-image-262" title="Vorhang auf für die 61. Berlinale" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/02/Berlinalebild-für-Schönschrift.jpg" alt="" width="720" height="306" />Für den Neu-Berliner gibt es zahllose Gelegenheiten, sich in der Hauptstadt mal so richtig außen vor zu fühlen. Currywurst-Genuss und die Berliner Schnauze sind nur einige der Klassiker. Der allerbeste Anlass aber, um komplett auf dem Schlauch zu stehen, ist die Berlinale. Da dürften sich Zugereiste, frisch Zugereiste und selbst die meisten Einheimischen einig sein. Glücklich, wer jemanden findet, der sein Expertenwissen und die wichtigsten Festival-Tipps teilt. Dennis Basaldella legt in Schönschrift die wichtigsten Grundlagen für den zu erleuchtenden Neu-Berlinaler und bloggt ansonsten unter <a href="http://filmfragmente.wordpress.com/">filmfragmente.wordpress.com</a>.</em></p>
<p>Spätestens seit der Eröffnungs-Gala gestern abend ist die Hauptstadt im Berlinale-Rausch. In den nächsten 10 Tagen werden tausende von Menschen von Kino zu Kino eilen und Filme aus den verschiedensten Ecken der Welt zu sehen bekommen. Das <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php">Programm</a> ist komplex und so will der Festival-Besuch durchaus stellenweise geplant sein. <span id="more-255"></span></p>
<p>Ausdauer ist wohl die wichtigste Eigenschaft die man für die Berlinale haben muss und besonders was die Tickets angeht. Seit Montag sind die Kaufkarten an den Ticketcountern in den <a href="http://www.potsdamer-platz-arkaden.de/de/seite/home.php">Arkaden</a> am Potsdamer Platz, im <a href="http://www.yorck.de/kinos/detail/100004">Kino International</a> und in der <a href="http://www.urania.de/">Urania</a> zu haben. Der Vorverkauf findet jeweils drei Tage, für die Wettbewerbswiederholungen vier Tage im Voraus statt. Die Karten für die Wettbewerbswiederholungen im <a href="http://www.show-palace.eu/">Friedrichstadtpalast</a> &#8211; der Platz für 1.895 Zuschauer Platz bietet &#8211; kann man schon für die ganze Berlinale im Voraus kaufen. Am Tag der Vorstellung sind die Eintrittskarten nur noch an den Tageskassen der Kinos erhältlich.</p>
<p>Gerade aber bei Premieren im <a href="http://www.kinokompendium.de/berlinalepalast.htm">Berlinale Palast</a> und bei begehrten Filmen, sowie bei den <a href="http://www.berlinale.de/de/das_festival/festival-sektionen/berlinale_special/index.html">Berlinale Specials</a> im Friedrichstadtpalast wo oft auch die Stars anwesend sind, sind die Karten schnell vergriffen. Das heißt daher sehr früh anstehen. Meistens sind die ersten Menschen gegen 5:30 vor Ort und dann hat man gute Chancen für die begehrten Karten. Wenn man allerdings der erste in der Reihe sein will, sollte man durchaus in Erwägung ziehen, mit dem Schlafsack schon am Vorabend vor dem Counter zu übernachten – so wie es jedes Jahr ein paar der Fans machen.</p>
<p>Selbst wenn es mit den erhofften Karten für die <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php?screenings=efm_festival&amp;page=1&amp;order_by=1&amp;section_id=742&amp;cinema_id=0&amp;country_id=0&amp;date_id=0&amp;time_id=0&amp;filterSubmit=OK">Wettbewerbsfilme</a> aber nicht geklappt hat, sollte man sich nicht davor scheuen ein paar Filme aus den anderen Sektionen, wie z.B. <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php?screenings=efm_festival&amp;page=1&amp;order_by=1&amp;section_id=730&amp;cinema_id=0&amp;country_id=0&amp;date_id=0&amp;time_id=0&amp;filterSubmit=OK">„Forum“</a> oder <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php?screenings=efm_festival&amp;page=1&amp;order_by=1&amp;section_id=731&amp;cinema_id=0&amp;country_id=0&amp;date_id=0&amp;time_id=0&amp;filterSubmit=OK">„Panorama“</a> anzuschauen. Dort lassen sich immer wieder Filmperlen finden, die nie oder sehr selten in die deutschen Kinos kommen werden. Wenn man gar keine Karte mehr bekommen hat oder nur einen Blick auf die Stars am roten Teppich werfen will, sollte man ebenfalls früh vor Ort sein, denn auch hier stehen Fans und Autogrammjäger schon Stunden vorher an und trotzen standhaft den oft kalten Temperaturen. Aber auch ohne einen Platz am roten Teppich wird man in diesen zehn Tagen sicherlich dem einen oder anderen Star – besonders an den Hauptspielorten am Potsdamer Platz und an den Hinterausgängen der Hotels – über den Weg laufen.</p>
<p>Wenn man sich einen Plan ausgearbeitet hat und mehrere Filme an einem Tag anschauen will, ist es wichtig ausreichend Zeit einzuplanen, um zwischen den Kinos hin und her zu wechseln. In der Regel sind die Spielstätten am Potsdamer Platz oder mit U- und S-Bahn von dort aus gut erreichbar. Dieses Jahr fällt jedoch der Zoo-Palast wegen Renovierungsarbeiten als Spielstätte aus, so dass die Filme der Sektion <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/programmsuche.php?screenings=efm_festival&amp;page=1&amp;order_by=1&amp;section_id=732&amp;cinema_id=0&amp;country_id=0&amp;date_id=0&amp;time_id=0&amp;filterSubmit=OK">„Generationen“</a> hauptsächlich im <a href="http://www.hkw.de/de/index.php">Haus der Kulturen der Welt</a> gezeigt werden. Leider ist diese Spielstätte nicht so gut angebunden wie die anderen und ist am schnellsten mit dem Bus 100 zu erreichen.</p>
<p>Auch der perfekteste Plan sollte jedoch flexibel sein, denn er wird im Verlauf der Berlinale sicherlich das ein oder anderen Mal über den Haufen geworfen werden. Mit der Zeit und durch die Gespräche mit anderen Kinogängern erfährt man vieles was man aus den Programmheften nicht erfahren kann. Man bekommt den einen oder anderen Geheimtipp oder man wird davor gewarnt in einen bestimmten Film zu gehen. Gerade wenn man weiß, dass die andere Person einen ähnlichen Filmgeschmack hat wie man selbst, dann treffen diese Tipps und Warnungen meistens sehr gut zu.</p>
<p>Allen Tipps und Hinweisen zum Trotz, ist es wichtig die Berlinale in vollen Zügen zu genießen. Berlin ist zwar eine Stadt in der man immer wieder mit dem Thema Film in Kontakt kommt, jedoch bietet die Berlinale ein einmaliges berauschendes Gefühl, das es so vielleicht nur in diesen Tagen im Februar gibt, sich eigentlich jeder Beschreibung entzieht und von jedem selbst erfahren werden muss.</p>
<p>Zu guter Letzt: An die sich mit dem Verlauf der Berlinale proportional steigernde Müdigkeit, die man unweigerlich mit übermäßigem Kaffekonsum zu kompensieren versucht, gewöhnt man sich auch mit der Zeit.</p>
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