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	<title>Schönschrift &#187; transmediale 2k12</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Cherry &#124; Porno, Film und Festivals (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cherry-62-berlinale-fucking-different-xxx-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2345" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2345" title="Cherry" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/cherry-film-berlinale.jpg" alt="Cherry und Rosenkavalier" width="720" height="322" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rumpus Films (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von ihr macht. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit türmt sie nach San Francisco, um endlich ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie knüpft Kontakte zur Porno-Szene und verdient fortan ihre Brötchen als &#8222;Cherry&#8220; in pornografischen Filmen für eine Internetplattform. Und da hört das Hollywood-Dasein auf. Allen kulturellen Codes entsprechend müsste die schöne Blonde nun mindestens mit Koks vollgepumpt, verprügelt und vergewaltigt werden, bis sie begreift, in welchen Moloch sie geraten ist und sich eines Besseren besinnt. Der lupenreine Retter würde vor den Toren der pornografischen Alptraumfabrik bereits auf sie warten  &#8211; aber das passiert nicht.</p>
<p>Und genau das können einige Kritikerinnen dem Film <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126575">&#8222;Cherry&#8220;</a> von Stephen Elliott, der bei der 62. Berlinale Weltpremiere feierte, nicht verzeihen. <span id="more-2312"></span>Es ist fast rührend, wie die wenigen vorhandenen Kritiken zum Film nach dem Bösen suchen, das der Film scheinbar &#8222;offensichtlich&#8220; ausspart. So <a href="http://blogs.indiewire.com/theplaylist/berlinale-2012-review-however-hard-it-tries-cherry-fails-to-convince-us-that-a-career-in-porn-is-the-best-idea-ever">schreibt Jessica Kiang auf The Playlist</a>:</p>
<blockquote><p>In presenting the porn industry, without shading, as a refuge from addiction and exploitation and a career choice with great opportunities for upward mobility, at some point the film leaves the realm of believable narrative and enters that of propaganda (pornaganda?)</p></blockquote>
<p>In der Tat, die dunkle Seite der Pornoindustrie ist in &#8222;Cherry&#8220; keine interne Angelegenheit. Sie besteht vielmehr im Verhältnis zwischen der Welt der moralisch Überlegenen zum kulturellen Nichtort der Pornografie und allen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass sogar Angelinas alkoholsüchtige Mutter und der koksende Boyfriend (Nr. 2) sich über sie und ihren Job erheben, zeigt die Distanz, die zwischen Sex-Arbeit und dem gesellschaftlich Anerkannten liegt. Stephen Elliott und seine Co-Autorin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lorelei_Lee_(pornographic_actress)">Lorelei Lee</a> wissen, wovon sie sprechen, beide sind oder waren selbst als Sex-Arbeiter tätig. Sie erzählen von der Porno-Industrie nicht als ausbeuterischem Moloch, sondern als routiniertem Business, in dem Frauen längst nicht nur vor der Kamera und schon gar nicht nur als hilflose Opfer agieren.</p>
<p>Auf einem anderen großen Berliner Festival, der <a href="http://schönschrift.org/tags/transmediale/">Transmediale</a>, sprach erst kürzlich der Netzaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Appelbaum">Jacob Appelbaum</a> im Rahmen des <a href="http://schönschrift.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">reSource: sex-Programms</a> über seine Arbeit bei der Pornoproduktionsfirma kink.com. (Deren Hauptsitz in San Francisco dient übrigens als Kulisse in &#8222;Cherry&#8220;.) Appelbaum sprach von ziemlich normalen, keineswegs schmuddeligen Arbeitsverhältnissen. Normal allerdings auch im Sinne eines kapitalistischen finanziellen Drucks. Derselbe lastet auf Angelina in &#8222;Cherry&#8220;. Sie braucht Geld und trifft eine Wahl. Dass der Film diese Wahl (und jeden einzelnen damit verbundenen Schritt) beschreibt, ist sein großer Verdienst. Dass Kritikerinnen ihm genau das vorwerfen, zeigt auch ihre eigene Engstirnigkeit. Es zeigt sich aber in erster Linie die unumstößliche Grenze, die das Normale von der Pornografie trennt und auf der unsere (Hollywood-sozialisierte) Kultur basiert.</p>
<p>Auf der Ebene der Bilder überwindet &#8222;Cherry&#8220; diese Grenze selbst nicht. Die  skandalisierten Pornobilder bleiben klar aussortiert, sie werden im Film nicht gezeigt, die Hardcore-Drehs bleiben schön angedeutet. Die Kino-Zuschauer bleiben mit dem, was sie sehen dürfen, deutlich von dem fiktiven Porno-Publikum unterschieden, dem die fiktiven expliziten Aufnahmen vorbehalten sind. Das ist dem Filmmarkt geschuldet, der eine der prominentesten Bühnen für die Trennung zwischen Kunst und Porno ist. Tatsächlich pornografische Bilder hätten es auf die (eigentlich ja als mutig geltende) Berlinale wohl eher nicht geschafft.</p>
<p>Solche Bilder waren während der Berlinale-Woche statt dessen anderswo zu sehen. Parallel zu den Filmfestspielen zeigte das Kino Moviemento, in dem jährlich das <a href="http://schönschrift.org/tags/pornfilmfestival/">Berliner Pornfilmfestival</a> stattfindet, den Film &#8222;Fucking Different XXX&#8220;. Die Vorläufer der Queer-Crossover-Reihe &#8222;Fucking Different New York&#8220; und &#8222;Fucking Different São Paulo&#8220; waren noch im Berlinale Programm gelaufen &#8211; die enthielten aber auch keine explizite Pornografie, auf die sich die XXX-Version nun eingelassen hat. Vielleicht liegt es aber auch nicht an den Bildern allein, sondern an der allgemeinen Einfallslosigkeit des Kompilationsfilms. Die Idee schwule Regisseure lesbische Szenen inszenieren zu lassen (und umgekehrt) mag ihre identitätspolitische Schlagkraft verloren haben, das strenge Konzept wirkt nur mehr schematisch. Da können auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Verow">Todd Verow</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_LaBruce">Bruce LaBruce</a> mit den bei weitem interessantesten Beiträgen nicht mehr viel reißen.</p>
<p>Im Berliner Festivalfrühjahr hat die Beschäftigung mit Sexualität und ihrer Medialisierung ihren Platz gefunden. Die kulturkonstituierende Unterscheidung zwischen Pornografie und hehrer Kunst ist damit noch nicht überwunden. Die Auseinandersetzung könnte differenzierter sein, auch mutiger, aber im besten Fall ist das ja erst der Anfang. Der Anfang der Revision einer Trennung zwischen Hollywoodheiligen und Huren, zwischen guten Bildern für den roten Teppich und schmutzigem Hinterzimmer-Kino. Den Forderungen der Sex-Arbeiter-Vereinigungen (z.B. <a title="Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen | reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)" href="/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">NSWP</a>) käme so ein Aufbruch jedenfalls entgegen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2347" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-fucking-different-xxx-thumb1.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen &#124; reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 14:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<description><![CDATA[Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm reSource for transmedial culture sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2249" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.flickr.com/photos/transmediale/6627909947/in/set-72157628698408863"><img class="size-full wp-image-2249" title="Grass mud horse" src="/wp-content/uploads/2012/02/grasmudhorse.jpg" alt="" width="720" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Niedlich und subversiv: Das Grass Mud Horse (Titelfoto &quot;People&#39;s Pornography&quot;, alle Rechte vorbehalten, Martin Lui)</p></div>
<p>Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-transmedial-culture-0">reSource for transmedial culture</a> sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu Ende ging, Impulse gegeben werden. Die Kategorie <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-sex">reSource sex</a> (daneben gibt es markets, networks, activism und methods) verhandelte während des Festivals bereits einen Bereich, der viel Inkompatibles in sich birgt. Wie passt es zum Beispiel zusammen, dass Sex und Nacktheit überall sind und es trotzdem so schwierig ist, reflektierte Standpunkte zu Themen wie Sex-Arbeit, Pornografie oder Pädophilie zu finden? Die US-amerikanische Filmwissenschaftlerin Linda Williams nennt dieses Phänomen ganz transmediale-kompatibel On/scenity. <span id="more-2199"></span></p>
<p>Sie schreibt in ihrem 2004 publizierten Reader <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">Porn Studies</a>:</p>
<blockquote><p>On/scenity marks both the controversy and scandal of the increasingly public representations of diverse forms of sexuality <em>and</em> the fact that they have become increasing available to the public at large. [&#8230;] If <em>obscenity</em> is the term given to those sexualy explicit acts that once seemed unspeakable, and were thus permanently kept off-scene, <em>on/scenity </em>is the more conflicted term with which we can mark the tension between the speakable and the unspeakable which animates so many of our contemporary discourses of sexuality.</p></blockquote>
<p>Williams&#8216; Modell bietet einen theoretischen Rahmen für die Spannung zwischen der Allgegenwart von Bildern, die früher obszön genannt wurden, und der Unerhörtheit, die als moralistisches Erbe immer noch mit ihnen verbunden ist.</p>
<p>Diese Unerhörtheit ist dabei zum Teil wörtlich zu nehmen, wie die Podiumsdiskussion &#8222;Commercialising Eros&#8220; zum Thema Sex-Arbeit zeigte. <a href="http://www.transmediale.de/content/aliya-rakhmetova">Aliya Rakhmetova</a> vom globalen Sex-Arbeiter Netzwerk <a href="http://www.nswp.org/">NSWP</a> sprach unter anderem über die Schwierigkeit politische Rechte für eine Gruppe von Menschen einzufordern, deren primäres Ziel es ist, anonym zu bleiben. Zu den Sex-Arbeiterinnen gehören von der Prostituierten, über den Telefonsex-Agenten bis zur Anbieterin erotischer Massagen alle möglichen Berufsgruppen. Sie sind in vielen Teilen der Welt schon alleine deshalb darauf angewiesen, zu verheimlichen was sie tun, um sich vor körperlicher Gewalt zu schützen. Gleiches gilt auch für die Kunden, die die sexuellen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Gerade wegen der Stigmatisierung und der teils lebensbedrohlichen Risiken der Arbeit ist es wichtig, juristische Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber wie führt man eine Demonstration durch, mit Menschen, die nicht erkannt werden dürfen?</p>
<p>Die Künstlerin, Aktivistin und Sex-Arbeiterin <a href="http://www.transmediale.de/content/liad-hussein-kantorowicz">Liad Hussein Kantorowicz</a> überschreitet die Schwelle der Sichtbarkeit ihrer selbst und ihrer Arbeit auf mehreren Ebenen. In ihrer Performance <a href="http://www.transmediale.de/content/watch-me-work-1">&#8222;Watch me Work&#8220;</a>, die parallel zur Podiumsdiskussion stattfand, ließ sie das Publikum an ihrem Arbeitsalltag als Stripperin in einem Videochat teilnehmen. Sie war live auf der Bühne zu sehen, chattete währenddessen per Video und Tastatur mit ihren Kunden und wurde dabei noch zusätzlich für die Dokumentation gefilmt. In der Performance dekonstruierte sie einerseits das Spektakuläre und Anrüchige an ihrem Job. Das Publikum konnte sehen, wie sie außerhalb des für die Webcam sichtbaren Bereichs aß, trank oder SMS schrieb. Andererseits zeigte sich, wie prekär die Arbeitsverhältnisse auch in diesem Bereich sein können. Am Ende der Performance, als sie nach etwa einer Stunde wieder auf&#8217;s Panel kam, hatte sie nur einige wenige Kunden in den bezahlten Bereich des Chats locken können und nicht mehr als ca. 16 Euro verdient.</p>
<p>Wie kann Sex, wörtlich genommen, eine Ressource sein, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient, wenn das gesamte Arbeitsfeld der Sex-Arbeit als nicht existent deklariert wird? In China beispielsweise wird die Parole verbreitet, Internet-Pornografie &#8211; &#8222;the cyber yellow danger&#8220; &#8211; sei von der Zensur komplett ausgerottet worden. Wie sich dennoch auf verschiedenen Wegen die unerhörten Bilder ihren Weg von den Machern durch die vernetzte Welt hin zu den Usern bahnen, das recherchierte die Wissenschaftlerin <a href="http://www.transmediale.de/content/katrien-jacobs">Katrien Jacobs</a> für ihr Buch <a href="http://www.amazon.com/Peoples-Pornography-Surveillance-Chinese-Internet/dp/1841504939">&#8222;People&#8217;s Pornography. Sex and Surveillance on the Chinese Internet&#8220;</a>, das sie auf der Transmediale vorstellte. In ihrer Präsentation stellte sie die maßgebliche Inkompatibilität heraus, die den chinesischen Umgang mit Internetpornografie kennzeichnet: Die hyperkapitalistische Gesellschaft, die auch vor dem menschlichen Körper als Ressource nicht Halt macht, steht dem kommunistischen System gegenüber, in dem der Zugang zu Inhalten, die über das Internet kursieren, eingeschränkt wird.</p>
<p>Der Transmediale tat es gut, sich dem Thema Porngorafie, Sex-Arbeit und Bio-Technologie zu öffnen. Die Macher hatten sicher absehen können, das es den Rahmen des Festivals sprengen würde. Daher bleibt mit Spannung abzuwarten, welche Veranstaltungen das reSource Sex-Programm in den kommenden Wochen und Monaten anbieten wird.</p>
<h3>Literatur zum Thema Sex-Arbeit:</h3>
<ul>
<li>NSWP:<em> <em>Reserach for Sex Work 12: <a href="http://www.nswp.org/resource/research-sex-work-12-sex-work-and-violence"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">Sex Work and Violence (p</em></em>df</a>)</em></em></li>
<li>Susanne Koppe: „Sexarbeit zwischen patriarchaler Ausbeutung und emanzipatorischer Subversion“<em> (</em>in:<em> <em><a href="http://www.amazon.de/Gender-Queer-Studies-Einführung-Uni-Taschenbücher/dp/3825229866">Gender / Queer Studies. Eine Einführung</a> </em>von Nina Degele</em>)</li>
<li>Audacia Ray: „Sex On The Open Market: Sex Workers Harness The Power Of The Internet“ (in:<em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"> <a href="http://www.networkcultures.org/_uploads/24.pdf"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">C’lick Me. A Netporn Studies Reader (p</em>df)</a> von </em><em>Katrien Jacobs, Marije Janssen, Matteo Pasquinelli</em>)</li>
</ul>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Vermeintliche Glitches und andere Ausrutscher &#124; (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Tue, 07 Feb 2012 10:42:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
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		<category><![CDATA[Eva Mattes]]></category>
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		<description><![CDATA[in/compatible war das Thema. Auch wenn der Schrägstrich beide Varianten nebeneinander stellt, dominiert doch das Inkompatible und damit als erste Assoziation von uns &#8222;Usern&#8220;: Frust. Frust und Hilflosigkeit im Computeralltag, wie sie von jon.satrom als Einleitung zu seiner Eröffnungsperformance sehr &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/glitches-ausrutscher-transmediale-2k12-dark-drives-ausstellung/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Vermeintliche+Glitches+und+andere+Ausrutscher+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2226" title="LED PH16 /1R1G1B von JODI" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/transmediale-ausstellung-led.jpg" alt="Aufgestellte LED-Panels" width="720" height="306" /></p>
<p>in/compatible war das Thema. Auch wenn der Schrägstrich beide Varianten nebeneinander stellt, dominiert doch das Inkompatible und damit als erste Assoziation von uns &#8222;Usern&#8220;: Frust. Frust und Hilflosigkeit im Computeralltag, wie sie von jon.satrom als Einleitung zu seiner Eröffnungsperformance <a title="Lichter und Oberflächen zur Eröffnung | (transmediale 2k12)" href="/artikel/opening-transmediale-2012-berlin-jon-satrom-joshua-light-show/">sehr treffend inszeniert wurde</a>. Wir alle kennen diese Probleme, so ist die Botschaft, oder wie Kristoffer Gansing danach kommentierte: &#8222;Now we should all feel a little more at home&#8220;. <span id="more-2196"></span></p>
<p>Nein, wir stimmen gerne zu, wenn Kurator Jacob Lillemose zur <a href="/artikel/museale-geisterbahn-transmediale-2k12/#home-title">&#8222;Dark Drives&#8220;-Ausstellung</a> sagt, dass Technologie uns &#8222;nicht einfach nur glatt und vernünftig gemacht&#8220; habe. Es gäbe vielmehr &#8222;Schwierigkeiten und Unsicherheiten&#8220;, aber auch &#8222;aufsässige Fantasien und unbändige Expressivität&#8220;.</p>
<p>Wie also sollen wir mit diesen Spannungen umgehen? Die Fragestellung, aber auch die Unsicherheit steckt in unentschlossenen Schreibweise in/compatible. Sollen wir Distanz herstellen, durch eine Mystifizierung des Technischen? Oder sollen wir es verstehen, uns von der Unsicherheit emanzipieren und die Technik mit einer Art &#8222;Hacktivism&#8220; instrumentalisieren?</p>
<h3><a href="http://www.transmediale.de/content/my-generation">My Generation</a> von Eva und Franco Mattes</h3>
<div id="attachment_2211" class="wp-caption alignright"><a href="https://secure.flickr.com/photos/transmediale/6791582051/in/set-72157628266763645/"><img class="size-thumbnail wp-image-2211" title="My Generation" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/6791582051_4b98788fb5_b-275x183.jpg" alt="" width="275" height="183" /></a><p class="wp-caption-text">© Genz, Lindner, transmediale</p></div>
<p>Wenn Eva und Franco Mattes in ihrer Installation die Videos von Kindern aneinanderreihen, die vor dem Bildschirm vor Wut austicken, deklarieren sie sie als ein fremdes Anderes. Neben den Bildschirm ist noch ein zertrümmerter Computer drapiert. Kaputte Technik, kaputte Menschen. Eine ganze Generation. So fern und fremd, dass die Künstler lediglich ihre Spuren auf der Videoplattform YouTube zusammenklauben konnten. Eva und Franco Mattes reihen sich damit in eine lange Tradition des Technologie-Exotismus ein.</p>
<p>Neben ultimativer Frustration können Fehler in Computern dennoch auch ein kreatives Potenzial bieten, auf die der Ausstellungskatalog mit dem Schlagwort &#8222;Glitch&#8220; referiert. Dieser Begriff (<a href="https://en.wikipedia.org/wiki/Glitch">angeblich vom deutschen &#8222;glitschig&#8220; abgeleitet</a>) bezeichnet einen Ausrutscher, einen kurzzeitig wahrnehmbaren Impuls, verursacht durch einen Fehler in Hardware oder Software. In medialen Umgebungen können derartige Fehler hör- oder sichtbar werden und damit die meist sorgfältig konstruierte Oberfläche oder Illusion zerstören. Solche Glitches als eine &#8222;unruhige Energie&#8220; zu zeigen, zu nutzen, zu zelebrieren scheint eine passende Herangehensweise an das in/compatible-Thema. Es gilt, sich dem Fehler auszuliefern anstatt ihn anzuprangern, oder, wie Lillemose es ausdrückt, den Zustand &#8222;nicht zu überwinden oder zu transzendieren.&#8220;</p>
<h3><a href="http://www.transmediale.de/content/qtzrk">QTzrk</a> von jon.satrom</h3>
<div id="attachment_2219" class="wp-caption alignright"><a href="https://secure.flickr.com/photos/transmediale/6549800855/in/set-72157628266763645"><img class="size-full wp-image-2219" title="QTzerk" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/qtzerk-thumb.jpg" alt="Standbild, Störungen auf einem Bildschirm" width="275" height="157" /></a><p class="wp-caption-text">© jon.satrom</p></div>
<p>QTzrk, im Katalog als &#8222;eine Art Mahlstrom aus Glitches&#8220; bezeichnet, bedient sich auch diverser Störungs- und Rückkopplungseffekte. Aber ein Großteil des (immer wieder identisch geloopten) Videos zeigt keine Fehler, keine Ausrutscher, sondern bewusste Gesten. Wenn das Videobild aus dem Rahmen des Players &#8222;fließt&#8220;, oder Buttons beim Klick von ihrer Leiste &#8222;fallen&#8220; sind das zwar Demontagen einer perfekten Apple-Oberfläche, aber keine Fehler. Aus der hermetischen Oberfläche eines Betriebsystemherstellers wird die neue hermetische Oberfläche eines Künstlers. Diese besteht unbestritten aus kreativen und interessanten Animationen, aber ob diese zu einer neuen &#8222;Sensibilität und Intelligenz&#8220; gegenüber den &#8222;unruhigen Energien&#8220; (Lillemose) anregen?</p>
<h3><a href="http://www.transmediale.de/content/error-502-404-410">Error 502 404 410</a> von Marcelina Wellmer</h3>
<div id="attachment_2220" class="wp-caption alignright"><a href="https://secure.flickr.com/photos/transmediale/6449676027/in/set-72157628266763645"><img class="size-full wp-image-2220" title="Error 502 404 410" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/error-502-404-410-thumb.jpg" alt="Die Installation, drei Festplatten" width="275" height="159" /></a><p class="wp-caption-text">© Marcelina Wellmer</p></div>
<p>Es gibt aber auch eine wundervoll produktive Herangehensweise an technische Probleme: &#8222;Wie klingen Computer-Fehler?&#8220; ist die einfache Fragestellung, mit der Error 502 404 410 präsentiert wird. Drei Festplatten sind an der Wand befestigt, durch eine Plexiglasabdeckung kann man die normalerweise verborgenen Mechanismen von Platten, Lese- und Schreibköpfen sehen. Und winzige Mikrofone übertragen die Geräusche aus dem Inneren. Direkt auf den Magnetplatten sind die drei Geräte beschriftet: &#8222;404 Not Found&#8220;, &#8222;510 Bad Gateway&#8220;, &#8222;410 Gone&#8220;.</p>
<p>Die Aktivität der ansonsten versteckten Festplatten hör- und sichtbar zu machen ist grandios. Die Trägheit, mit der die Arme dieser Speicher mühsam nacheinander die gewünschten Daten ansteuern, wird normalerweise mühsam verborgen. Während viele Computer noch eine Kontrollleuchte besitzen, anhand derer der Nutzer sehen kann, dass der Rechner gerade die langsame Festplatte bemüht, hat Perfektionist Apple diese Leuchte konsequent von seinen Macs verbannt. Die Aktiviät der Festplatte wird geradezu geleugnet.</p>
<p>Warum die Künstlerin die drei Objekte aber willkürlich mit Fehlermeldungen beschriftet, die aus einem völlig anderen Bereich stammen, bleibt unverständlich. 502, 404, 410 sind <a href="http://www.w3.org/Protocols/rfc2616/rfc2616-sec10.html">Statuscodes aus dem Hypertext-Transfer-Protocol</a>, dem berühmten &#8222;http://&#8220;. Mit ihnen antwortet ein Server auf gescheiterte Anfragen nach bestimmten Ressourcen. Diese Anfragen lösen nach verschiedenen Schichten der Weiterleitung, Zwischenspeicherung und Optimierung unter anderem sicherlich auch manchmal Festplattenaktivität aus. Die Antwort, wie <em>diese</em> Fehler klingen, kann die Installation aber nicht geben. Die drei Codes bleiben Dekoration, Mythos, Symbol.</p>
<p>Hinter Technologie steckt ein riesiges (Konflikt-)Potenzial. Sie erzeugt sehr greifbare Spannungen. Rund um die Welt wird um Deutungs- und Markthoheiten gerungen, zuletzt im Bereich Urheberrecht mit dem &#8222;<a href="https://de.wikipedia.org/wiki/SOPA">Stop Online Piracy Act</a>&#8220; in den USA. Wirtschaftseliten und Hackereliten treten gegeneinander an. Wenn die Transmediale zukünftig nur die Schauwerte einer Künstlerelite beizutragen hätte, wäre das schade.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2243" title="Notizen Dark Drives" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Vermeintliche+Glitches+und+andere+Ausrutscher+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Museale Geisterbahn &#124; (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Mon, 06 Feb 2012 10:03:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Ausstellung]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Jacob Lillemose]]></category>
		<category><![CDATA[Transmediale]]></category>
		<category><![CDATA[transmediale 2k12]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Ausstellung der diesjährigen Transmediale heißt &#8222;Dark Drives&#8220;. Man erwartet also nicht unbedingt einen White Cube. Aber wer hätte gedacht, dass die Ausstellungsmacher um Jacob Lillemose ihre Besucherinnen so tief ins Dunkle führen würden? Durch eine Black Box aus Sound &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/museale-geisterbahn-transmediale-2k12/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Museale+Geisterbahn+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2181" title="Dark Drives-Ausstellung Transmediale 2012" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/transmediale-ausstellung-silhouette.jpg" alt="Silhouette vor Projektion" width="720" height="306" /></p>
<p>Die Ausstellung der diesjährigen Transmediale heißt <a href="http://www.transmediale.de/festival/exhibition">&#8222;Dark Drives&#8220;</a>. Man erwartet also nicht unbedingt einen <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/White_Cube">White Cube</a>. Aber wer hätte gedacht, dass die Ausstellungsmacher um Jacob Lillemose ihre Besucherinnen so tief ins Dunkle führen würden? Durch eine Black Box aus Sound (die Installation <a href="http://www.transmediale.de/content/probe"><em>Probe 2012</em> von TR Kirstein</a>) geht es in die Folterkammer der Festplatten und Fehlermeldungen. Vom Boden über die Wände bis zur Decke ist der Ausstellungsraum in Schwarz gehalten. Die Werke sind gleichzeitig Lichtquellen, an denen man sich entlang hangelt. Wie die Motten das Licht suchen, bleibt der Blick an ihnen hängen.<span id="more-2177"></span></p>
<p>Was er sieht, ist ein <a href="http://www.transmediale.de/content/come-daddy">Monstrum in Elektroschrott</a>, eine <a href="http://www.transmediale.de/content/20010">dystopische Werbewand</a> oder diesen <a href="http://www.transmediale.de/content/qtzrk">Haifisch, der eine Robbe verschlingt</a> und sich dann in Pixelsalat auflöst. Aus einer Ecke sind derweil durchdringende Schreie zu hören. Die Ausstellung soll die unruhigen Energien einer hochtechnologisierten Zeit zeigen, die düstere Rückseite der Konvergenz. So zumindest steht es im Statement des Kurators im haptisch hübschen, aber unpraktischen Ausstellungskatalog. Dabei fühlt man sich eher wie in einer musealen Geisterbahn als konfrontiert mit einer kritischen Perspektive auf das Medienzeitalter.</p>
<p>Das düstere Umfeld lässt nicht viel Raum für Interpretation und stattdessen manches Werk (vielleicht unverdient) eindimensional wirken. Im Internet kann jeder einfach so Waffen kaufen (<em><a href="http://www.transmediale.de/content/armed-citizen">Armed Citizen</a></em> von Daniel García Andújar / Technologies to the people). Computerspiele machen die Jugend krank und Erwachsene hysterisch (<em><a href="http://www.transmediale.de/content/my-generation">My Generation</a></em> von Eva and Franco Mattes aka 0100101110101101.ORG, von hier kommen die Schreie). Unseren schicken elektro-digitalen Devices ist es egal, ob darauf piratiertes geistiges Eigentum gespeichert wird (<em><a href="http://www.transmediale.de/content/5-million-dollars-1-terabyte">5 Million Dollars 1 Terabyte</a> </em>von Art 404) und wenn sie selbst ihren Geist aufgeben, verrotten sie (nicht) auf endlosen Müllhalden (<em><a href="http://www.transmediale.de/content/photos-e-waste-found-flickr">Photos of e-waste found on Flickr</a> </em>von Jack Caravanos und Vibek Raj Maurya).</p>
<p>Dass jede mediale Entwicklung auch Nachteile mit sich bringt und Kritiker auf den Plan ruft, ist keine Neuigkeit. Das wusste schon <a href="http://www.jstor.org/pss/4476793">Platon</a>. Daraus ergibt sich nicht nur ein Potential für Pessimismus, sondern für kreative Abwandlungen, subversiven Aktivismus und reflektierten Konsum. Irgendwie nimmt man Lillemose ab, dass er so etwas ähnliches in seiner Ausstellung vermitteln wollte. Leider ist jedoch der Effekt rund um das Label &#8222;Dark Drives&#8220; ein bisschen zu sehr in den Vordergrund geraten.</p>
<p>Komplexe Kontrapunkte zur dunklen Oberfläche finden sich in der Ausstellung auch. Jaromils zum Wandbild verwandelte Code-Zeile <em><a href="http://www.transmediale.de/content/forkbomb-shell">Forkbomb Shell</a></em> zum Beispiel kreuzt die Eloquenz des Codes mit dem ultimativen Stillstand auf der einen und dem Kunstkontext auf der anderen Seite. Schnelle Schlüsse ausgeschlossen. Bei Constant Dullaarts <em><a href="http://www.transmediale.de/content/re-deep-water-horizon-healed">Re: Deep Water Horizon (HEALED)</a> </em>versteckt sich die Ahnung von der gescheiterten technologischen Utopie in digital &#8222;geheilten&#8220; Bildern einer Umweltkatastrophe. Und mit dem Videoclip <em><a href="http://www.transmediale.de/content/come-daddy">Come to Daddy</a></em> von Chris Cunningham und Aphex Twin macht schließlich auch das Techno-Gruseln ein kleines bisschen Spaß (hier bei <a href="http://www.youtube.com/watch?v=Pe-XNav5mWU">YouTube</a>).</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives-2.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2257" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives-2-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-dark-drives-2.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Museale+Geisterbahn+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Lichter und Oberflächen zur Eröffnung &#124; (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Wed, 01 Feb 2012 17:33:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[jon.satrom]]></category>
		<category><![CDATA[Joshua Light Show]]></category>
		<category><![CDATA[Kristoffer Gansing]]></category>
		<category><![CDATA[Transmediale]]></category>
		<category><![CDATA[transmediale 2k12]]></category>

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		<description><![CDATA[Nachdem aufdringlich goldene Glitzerplakate schon seit Wochen die Straßen zieren und die Geschmäcker entzweien, wurde in Berlin gestern die Transmediale 2012 (etwas kryptischer: 2k12) eröffnet. Zwei bildgewaltige Performances rahmten die Einführung ins Programm des neuen künstlerischen Leiters Kristoffer Gansing und &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/opening-transmediale-2012-berlin-jon-satrom-joshua-light-show/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichter+und+Oberfl%C3%A4chen+zur+Er%C3%B6ffnung+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2133" title="Opening - Joshua Light Show - tm2k12" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/opening-joshua-light-show-tm2k12.jpg" alt="Leinwand und Saal bei der Eröffnung" width="720" height="306" /></p>
<p>Nachdem aufdringlich goldene Glitzerplakate schon seit Wochen die Straßen zieren und die Geschmäcker entzweien, wurde in Berlin gestern die Transmediale 2012 (etwas kryptischer: 2k12) eröffnet. Zwei bildgewaltige Performances rahmten die Einführung ins Programm des neuen künstlerischen Leiters Kristoffer Gansing und die üblichen Grußworte. <span id="more-2125"></span></p>
<p>Zunächst schien es ein paar technische Probleme zu geben. Als Gansing, der als künstlerischer Leiter seine erste Transmediale eröffnete, seine Bildschirmpräsentation auf der gigantischen Leinwand im Haus der Kulturen der Welt starten will, wird er zur Eingabe des Benutzerpasswortes aufgefordert. Der zur Hilfe gerufene &#8222;Jon&#8220;, offenbar Besitzer des Präsentationsrechners, kann helfen. Auch als anschließend das OpenOffice-Präsentationsprogramm über ein fehlendes Plugin klagt, klickt Jon sich schnell und sicher durch die nötigen Installationsdialoge. Doch immer mehr Fehlermeldungen erscheinen, immer mehr Fortschrittsbalken beginnen sich langsam zu füllen.  Als die Fehlersounds sich schließlich zu einem Rhythmus formen, kapiert das Publikum langsam: Dies ist der sehr liebevoll inszenierte Beginn der angekündigten Performance von <a href="http://jonsatrom.com/"><em>jon.satrom</em></a>.</p>
<p>In den folgenden ca. zehn Minuten zeigt <em>jon.satrom</em> einen &#8222;Kampf&#8220; mit der Mac OS-Benutzeroberfläche, mit Lizenzen und Plugins. Fenster und Desktops werden jongliert, bekannte Designelemente, die &#8222;Warten&#8220; symbolisieren (<img class="alignnone size-full wp-image-2126" style="vertical-align: baseline;" title="Alle Rechte vorbehalten, Apple Inc. u.a." src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/wait-ui1.gif" alt="" width="16" height="16" />, <img class="alignnone size-full wp-image-2127" style="vertical-align: bottom;" title="Alle Rechte vorbehalten, Apple Inc. u.a." src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/wait-ui2.gif" alt="" width="196" height="20" />, <img class="alignnone size-full wp-image-2128" style="vertical-align: bottom;" title="Alle Rechte vorbehalten, Apple Inc. u.a." src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/wait-ui3.gif" alt="" width="28" height="30" />), werden spielerisch zerlegt. Am Ende, nachdem die perfekte, auf Effizienz getrimmte Apple-Oberfläche bis zur Unkenntlichkeit verzerrt worden ist, ist schließlich das &#8222;fehlende Plugin&#8220; installiert &#8211; und Gansing kann nach einem begeisterten Applaus fortfahren.</p>
<p>Im vergangenen Jahr wurden die Besucher noch <a title="Live und Leben | (transmediale.11)" href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/live-und-leben-transmediale-11/">von einer Kunstfigur namens Angel_F begrüßt</a>, der personifizierten Frage nach künstlicher Intelligenz, dem Körper und seinem Fleisch und Blut. 2012, unter dem Festivalthema <em>in/compatible</em> ist es nun das ganz banale, alltägliche Interface, das uns zur Begrüßung um die Ohren fliegt.</p>

	<!-- Begin Video.js -->
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	</video>
	<!-- End Video.js -->

<p><br/>Nach <em>jon.satroms</em> Auftritt bittet der verspielte Gastgeber Gansing um Eile, weil man durch die &#8222;technischen Probleme&#8220; mit der Präsentation so viel Zeit verloren habe. Bernd Scherer, der Intendant des Hauses, nimmt diese Narration nicht auf, sondern ordnet den Auftritt sicherheitshalber noch ein mal brav als künstlerische Intervention ein. Hortensia Völckers von der Kulturstiftung des Bundes gibt Anekdoten aus dem Bewerbungsverfahren des neuen Transmediale-Leiters zum Besten: Der &#8222;Medienarchäologe&#8220; habe sich stilsicher per Fax beworben (Schmunzeln im Saal) und sei auf Facebook nicht zu finden (vereinzelter Applaus).</p>
<p>Gansing schlägt schließlich einen weiten Bogen, um das Thema <em>in/compatible</em> zu erläutern. So sei die Transmediale vor 25 Jahren als &#8222;VideoFilmFest&#8220; schon aus Gründen der Inkompatibilität gegründet worden, um visuelle Kunst zu zeigen, die bei der Berlinale und anderen etablierten Festivals nicht ins Programm passte. Aktuell ruft er dazu auf, eine Reflexionsfähigkeit über Inkompatibilitäten zu entwickeln. Trotz des allgegenwärtigen Mythos&#8216; der &#8222;Konvergenz&#8220; bringe jede Entwicklung ständig neue Spannungen und neuen Überfluss hervor.</p>
<p><a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/opening-joshua-light-show-tm2k12-2-full.jpg"><img class="alignleft size-medium wp-image-2135" title="Joshua Light Show" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/opening-joshua-light-show-tm2k12-2-full-445x333.jpg" alt="Leinwand mit zerfließenden Farben" width="445" height="333" /></a>Zum Abschluss ist die <em>Joshua Light Show</em> ein analoger Gegenpol zum digitalen Interfacemassaker: Mit Leuchten, Spiegeln, Flüssigkeiten und weiteren, hinter der Leinwand bedienten Werkzeugen zaubert die Gruppe eine hypnotische Farbwelt. Eine Vorschau auf noch drei weitere Performances, die auch <a href="http://www.transmediale.de/2k12/JLS-stream">live online</a> zu verfolgen sein werden (01.02. 21h, 03.02. 21h und 04.02.2012 21h).</p>
<p><em>Die Transmediale 2k12 läuft noch bis zum 5. Februar 2012, mit der Ausstellung &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/exhibition">Dark Drives</a>&#8220;, dem Videoprogramm &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/video">Satellite Stories</a>&#8220; sowie &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/conference">in/compatible: systems | publics | aesthetics</a>&#8220; (Symposium) und &#8222;<a href="http://www.transmediale.de/festival/performance">The Ghosts in the Machine</a>&#8220; (Performances) im Berliner Haus der Kulturen der Welt.<br />
Wie schon <a href="/tags/transmediale-11/">im vergangenen Jahr</a> werden  wir an dieser Stelle über ausgewählte Arbeiten und Veranstaltungen in Schönschrift berichten.</em></p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-opening.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2142" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-opening-thumb.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-tm2k12-opening.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF.</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Lichter+und+Oberfl%C3%A4chen+zur+Er%C3%B6ffnung+%7C+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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