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	<title>Schönschrift &#187; Lizenz</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Reflexion 3 &#124; Digitaler Selbstverlag</title>
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		<pubDate>Thu, 10 Nov 2011 15:11:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Reflexion]]></category>
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		<category><![CDATA[Creative Commons]]></category>
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		<description><![CDATA[Texte zu verfassen ist eine beliebte Aufgabe. Wir alle können es, mehr oder weniger. Wer damit allerdings seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, begibt sich auf einen gefüllten Markt. Wer einen der diversen Journalismus-, Kultur- oder Medienstudiengänge absolviert hat, darf um Praktikumsplätze, &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/reflexion-3-digitaler-selbstverlag/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Reflexion+3+%7C+Digitaler+Selbstverlag+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-1800" title="Druckerpresse" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/druckerpresse.jpg" alt="" width="720" height="306" /></p>
<p>Texte zu verfassen ist eine beliebte Aufgabe. Wir alle können es, mehr oder weniger. Wer damit allerdings seinen Lebensunterhalt verdienen möchte, begibt sich auf einen gefüllten Markt. Wer einen der diversen Journalismus-, Kultur- oder Medienstudiengänge absolviert hat, darf um Praktikumsplätze, Volontariate und ein paar wertvolle bezahlte Zeilen kämpfen. Jobs sind knapp und die gedruckten Seiten sind begrenzt. Online ist hingegen viel Platz. In Sekunden lässt sich mehr Text laden, als man jemals lesen könnte. <span id="more-1597"></span></p>
<p>Unzählige Formate und Dienste sind textbasiert. Und rein technisch gesehen haben alle Autoren den gleichen Ausgangspunkt: http://schönschrift.org und http://spiegel.de sind beides URLs (<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Uniform_Resource_Locator">Uniform Resource Locator</a>) &#8211; einheitliche Quellenanzeiger. Schon im Begriff steckt eine technische Gleichberechtigung aller URLs. Druckauflage oder Distribution sind kein Thema.</p>
<p>Aber wirklich einfach wird es nie: Die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie gelten mit aller Macht weiter. Schönschrift ist eine Textquelle unter Millionen. Und Gestaltung, Marketing, Lizenzen haben im Digitalen genau die gleiche Relevanz.</p>
<p>Wir haben uns bewusst dafür entschieden, Schönschrift im Format <em>Blog</em> unter einer eigenen Domain zu betreiben. Wir wollen die Aufmerksamkeit, die den Beiträgen gewidmet wird, nicht einer großen werbefinanzierten Plattform schenken. Wir wollen nicht, dass unsere Besucher nach unbekannten Datenschutzregeln auf Servern in den USA analysiert werden. Wir wollen nicht, dass unsere Artikel irgendwelchen allgemeinen Geschäftsbedingungen einer Blogplattform gehorchen müssen. Und nicht zuletzt wollen wir die Gestaltung der Seite bis ins letzte Detail in der Hand haben.</p>
<h3>Echte Unkosten sind kein großes Thema</h3>
<p>Diese Unabhängigkeit kostet wenig. Ein klassisches Webhostingpaket und zwei Domains (zusätzlich zu schönschrift.org noch schoenschrift.org für weniger umlautbegabte Browser) schlagen jährlich mit 50 bis 60 Euro zu Buche. Das ist zu verschmerzen und dank der ersten und einzigen Einnahme, dem Preisgeld <a href="/artikel/mission-erfuellt-battle-gewonnen-freischwimmer-festival-2011/">vom Freischwimmer-Blogbattle</a> ohne Probleme gedeckt. Auf der Softwareseite entstehen dank dem vielseitigen <a href="http://wordpress.org/">WordPress-Paket</a>, das als <a title="Free and Open Source Software" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Free/Libre_Open_Source_Software">FOSS</a> kostenlos ist, keine Kosten. Und die Bildredaktion kommt mit dem ebenfalls freien <a title="GNU Image Manipulation Program" href="http://www.gimp.org/">GIMP</a> auch längst ohne Photoshop-Lizenz aus.</p>
<p>Viel schwieriger wird die Frage nach dem personellen Aufwand. Wie viel technisches Wissen und wie viel Verwaltungsaufwand sind die Bedingung dafür, auf einer unabhängigen Plattform &#8222;einfach nur schreiben&#8220; zu können? Im schoenschrift-Theme, dem gestalterischen Gewand des Blogs, stecken viele Stunden Arbeit &#8211; und als Vorbedingung Wissen und Erfahrung in Sachen Webentwicklung. Wer sich nicht mit einem vorgefertigten Blogdesign zufriedengeben möchte, muss sich zumindest ansatzweise mit Templates, Style Sheets und dergleichen auseinandersetzen. Um das eigene Schreiben zu ermöglichen bedarf es also zunächst auch einer Portion digitaler Professionalität.</p>
<h3>Müssen und dürfen</h3>
<p>Ein paar juristische Rechte und Pflichten bringt die kleine Publikation auch noch mit sich. Neben einem korrekten <a title="Impressum" href="/impressum/">Impressum</a> steht dabei die Lizenzierung der eigenen und fremden Inhalte im Mittelpunkt. Weil wir uns einig sind, dass kreative, unabhängige Medienproduktion sich gegenseitig referenzieren kann und soll, veröffentlichen wir unsere Texte und eigene Fotos unter einer <a href="http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/">Creative Commons Attribution-Share-Alike-Lizenz</a>. Diese Variante aus dem weltweit anerkannten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Creative_Commons">Lizenzbaukasten</a> erlaubt es Anderen, unsere Inhalte auch jenseits des Zitatrechtes ganz oder teilweise weiterzuverwenden &#8211; solange die Quelle verlinkt wird und das Endprodukt ebenfalls unter einer solchen Lizenz veröffentlicht wird. Wenn unsere Texte dadurch mehr Leser finden, ist das genau in unserem Sinne.</p>
<p>Sich im Bereich der Creative Commons-Lizenzen zu bewegen bringt einen großen Vorteil mit sich: Wir können uns selbst ebenfalls bei all jenen Arbeiten &#8222;bedienen&#8220;, die unter einer passenden Lizenz veröffentlicht wurden. Ein Symbolbild von Köln, mangels Pressebildern vom <em>Tatort</em>? Die <a href="http://www.flickr.com/search/?q=k%C3%B6ln&amp;e=667931&amp;l=commderiv">Suchfunktion der Fotoplattform Flickr.com</a> hilft weiter. Das Ergebnis: Wir haben einen ansprechend <a href="/artikel/tatort-altes-eisen-in-der-ard-koeln/">bebilderten Artikel</a>, der Fotograf einen Bildnachweis samt Link.</p>
<p>Das Thema Lizenzen birgt allerdings Detailfragen: Viele Menschen schließen mit dem Creative Commons-Zusatz &#8222;NC&#8220; (non-commercial) eine kommerzielle Verwendung ihrer Inhalte aus. Ist Schönschrift kommerziell? Dürfen wir jene Inhalte nicht verwenden? Das deutsche Recht ist bei der Definition schwammig. Klauseln wie &#8222;in der Regel gegen Entgelt&#8220; sind schwer anzuwenden. Sind Filmkritiken normalerweise nur gegen Entgelt zu haben? Sobald ein Blog in irgend einer Form Werbung schaltet (und sei es nur, um die oben skizzierten 60 Euro jährliche Serverkosten wieder einzuspielen), ist es kommerziell. Und diese Möglichkeit wollen wir uns offenhalten. &#8222;NC&#8220;-linzenziertes Material ist also Tabu.</p>
<p>Eine weitere Detailfrage ist die Bearbeitung von Inhalten. Der Creative Commons-Lizenzbaustein &#8222;ND&#8220; (no derivatives) erlaubt nur eine unbearbeitete Verwendung. Die Schönschrift-Artikelbilder haben alle ein <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Cinemascope">Cinemascope</a>-Format, mit dem Seitenverhältnis 2,35:1. Eigene Fotos oder zur Verfügung gestellte Pressebilder können ohne Probleme auf dieses Format zugeschnitten werden. Aber: Die Formatänderung ist eine Bearbeitung und kommt somit für &#8222;ND&#8220;-Bilder nicht in Frage. Diese dürfen wir nur im Originalformat übernehmen.</p>
<p>Die Teilhabe am Creative Commons-Universum muss also wohl durchdacht sein, bringt dann aber den großen Vorteil mit sich, dass juristisch belastbar festgelegt ist, wer welche Inhalte wie nutzen darf.</p>
<h3><del>Und wie hoch ist die Auflage?</del> Und liest das auch jemand?</h3>
<p>Bisher beschränkt sich das Marketingkonzept von Schönschrift darauf, von rezensierten Projekten in den Pressespiegel aufgenommen zu werden, bei thematisch passenden anderen Blogs Kommentare und ergänzende Links zu platzieren, sowie bei <a href="http://identi.ca/schnschrft">identi.ca</a> und <a href="http://twitter.com/schnschrft">Twitter</a> per Microblogging auf neue Beiträge aufmerksam zu machen.</p>
<p>Aber Texte wollen gelesen werden. Und natürlich interessiert uns, welche Themen besonders gut ankommen, wie die Navigation auf der Seite genutzt wird und welche Seiten auf uns verlinken. Diese Neugier soll aber nicht in Datenschutzprobleme ausarten, die Nutzung eines externen Dienstes wie etwa GoogleAnalytics kommt daher nicht in Frage. Statt dessen nutzen wir das freie Tool <a href="http://piwik.org/">Piwik</a>, das direkt auf dem Schönschrift-Server läuft. So haben wir einen Einblick in die Nutzung der Seite, ohne Datenberge anzuhäufen oder individuelle IP-Adressen zu speichern.</p>
<p><img class="alignnone size-full wp-image-1796" title="Monatliche Besucherzahlen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/besuchsgrafik-2011-11-.png" alt="Diagramm monatlicher Besucherzahlen." width="523" height="170" /></p>
<p>Die in den etwa achteinhalb Monaten seit dem Start von 13 Autorinnen geschriebenen 78 Texte haben 9308 Seitenbesuche angelockt. Das ist für Internet-Zugriffszahlen keine große Kragenweite, aber zeigt uns doch: Die Texte werden gelesen. Vor allem die Berichterstattung rund um das <a href="/tags/freischwimmer-festival-2011/">Freischwimmer-Festival</a> im März hat viele Artikel in schneller Folge und damit auch viele Zugriffe gebracht.</p>
<h3>Weiter!</h3>
<p>Der technische und organisatorische Aufwand, diese eigene Plattform ins Leben zu rufen, war nicht zu unterschätzen. Mit den einmal etablierten Rahmenbedingungen bietet <em>Schönschrift</em> nun aber genau das, was wir wollten: Eine Gelegenheit, eigene Texte mit Sorgfalt aber ohne äußere Einschränkungen veröffentlichen zu können.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-publizisten.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-1793" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/11/notizen-publizisten-thumb.jpg" alt="Notizblatt zu diesem Text" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/11/notizen-publizisten.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Reflexion+3+%7C+Digitaler+Selbstverlag+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>CMMN SNS PRJCT &#124; Über unsere Besessenheit (Freischwimmer 2011)</title>
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		<pubDate>Sat, 19 Mar 2011 17:49:04 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Bühne]]></category>
		<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Berlin]]></category>
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		<category><![CDATA[Common Sense Project]]></category>
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		<category><![CDATA[Freischwimmer Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Freischwimmer Festival 2011]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
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		<description><![CDATA[Common sense, der „Gesunde Menschenverstand“ ist eine Basis, auf die wir uns einigen können. Er verbindet uns alle. Wer sich auf den Common Sense beruft, muss seine Entscheidung nicht mehr rechtfertigen. Doch ist er auch Ausschlusskriterium: Wer  ihn nicht beherrscht, &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cmmn-sns-prjct-kritik-freischwimmer-2011/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=CMMN+SNS+PRJCT+%7C+%C3%9Cber+unsere+Besessenheit+%28Freischwimmer+2011%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_720" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-720" title="CMMN SNS PRJCT" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/03/cmmn-sns-prjct-freischwimmer.png" alt="Cartoon" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Illustration: Dan Perjovschi/Freischwimmer. Alle Rechte vorbehalten.</p></div>
<p>Common sense, der „Gesunde Menschenverstand“ ist eine Basis, auf die wir uns einigen können. Er verbindet uns alle. Wer sich auf den Common Sense beruft, muss seine Entscheidung nicht mehr rechtfertigen. Doch ist er auch Ausschlusskriterium: Wer  ihn nicht beherrscht, ist raus.</p>
<p>In ihrem <a href="http://www.freischwimmer-festival.com/produktionen_detail.php?ID=27">CMMN SNS PRJCT</a> begrüßen <a href="http://kalauzschick.wordpress.com/">Laura Kalauz und Martin Schick</a> ihr Publikum fast nackt und verteilen erst mal Geschenke. Mit körperlicher Blöße und dem großzügigen Transfer von Eigentum bedienen sie sich zweier Kommunikationswege, die bei uns allen zu funktionieren scheinen. Und setzen damit den Ausgangspunkt für eine Reise durch Mechanismen, die als Grundlage von gesellschaftlichem Handeln nur selten hinterfragt werden.<span id="more-712"></span></p>
<p>Eigentum und Besitz (juristisch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Eigentum#cite_ref-5">streng verschieden</a>) werden durchdekliniert: Die Performer verschenken Waren ans Publikum, ein Transfer von Eigentum findet statt. Die Performer mieten sich für die Dauer des Stücks Kostüme aus dem Publikum, sie ergreifen temporär Besitz daran. Die Performer vergeben Lizenzen an ihrem Stück, verkaufen virtuellen Besitz. Die Performer nehmen Darlehen beim Publikum auf, müssen immer wieder umschulden, sie drehen sich im großen Karussell des Meta-Kapitalismus der Finanzgeschäfte.</p>
<p>Das zeitgenössische Theaterpublikum lässt sich schnell in einen geschäftstüchtigen Modus versetzen. Als der kunst-blutende Protagonist ein Taschentuch braucht, darf er für das Stück Zellstoff schon mal 50 Cent ans Publikum löhnen. Und dass er sich das Geld zu horrenden Zinsen leiht, bis am Ende 20 Euro auf dem Schuldschein stehen, lässt diverse weitere Personen an dem simplen Geschäft mitverdienen. Der Vorgang ist ein aussichtsloses Schneeball-System? Na und, so lange es nicht ausgerechnet bei <em>mir</em> zusammenbricht. Der gesunde Menschenverstand wird vom gesunden Geschäftssinn besiegt. Es gibt scheinbar nicht nur <em>einen</em> Common Sense.</p>
<p>Neben der Geschäftstüchtigkeit darf das Publikum aber auch seine kulturelle Bildung beweisen. Eingestreute Fragmente (angeeignetes geistiges Eigentum, oho!) aus dem kulturellen Kapital (von „Krieg und Frieden“ bis „Titanic“) müssen identifiziert werden. Vom Common Sense zum Kanon ist es nicht weit, zur Belohnung winkt ein Los für eine Tombola, deren Gewinn niemand kennt. Es wird klar, dass wir eine Elite sind, die wir da im Hochzeitssaal der Berliner sophiensæle zusammen sitzen. Selbst plumpe Gags sind exakt auf die Vorbildung zugeschnitten, die uns die Teilnahme an diesem Diskurs ermöglicht: „What comes after contemporary dance?“ Kalauer, die die Theaterwelt bedeuten. Um aber wirklich gehört zu werden, muss im CMMN SNS PRJCT ein massiges Rednerpult erobert werden. Nur wer das Privileg der mikrofonierten Stimme erreicht, kann sich energisch mitteilen, bzw. mit-teilen: „I want to share something with you!“</p>
<p>Vom Rednerpult aus transportieren Kalauz&#8216; und Schicks Figuren dann Gegenmodelle. In Anlehnung an <a href="http://www.miniature-earth.com/">The Miniature Earth</a> kalkulieren sie die Weltbevölkerung auf die anwesenden Theaterbesucher herunter: Von 100 Zuschauern wären 14 unterernährt. Dieses und weitere Gleichnisse könnten ehrliche Empörung transportieren, die beiden Vortragenden beziehen sie jedoch in ihr Spiel von Macht und Eigentum mit  ein. Da wird vom anderen kopiert, das Rede-Manuskript verschenkt und dann zurückgekauft, gestritten bis zu Handgreiflichkeiten. Aus politischen Positionen werden handel- und verhandelbare Gesten.</p>
<p>Am Höhepunkt des Abends wird schließlich das komplette Stück selbst zur Handelsware: In einer Auktion können das Skript sowie die nicht-exklusiven Aufführungsrechte (für 50 Jahre!) von CMMN SNS PRJCT erworben werden. Die CD mit dem weichgespülten Lounge-Soundtrack inbegriffen. Und der Lizenzvertrag ist fast genau so lang wie das Skript.</p>
<p>Die Körper stehen trotz der kleinen Finte zu Beginn absolut nicht mehr im Mittelpunkt und dienen höchstens noch zu einer müden Tanz-Persiflage. Kunstblut ist nur Symbol für eine Notsituation, aus der sich Profit schlagen lässt. Während die Performancekunst der 70er Selbstverletzung als Konzept der Ansprache nutzte, entpuppt sich die angedeutete Selbstmordszene in CMMN SNS PRJCT als Zitat aus „Titanic“. Indem Kalauz und Schick die Mechanismen der Medien- und Konsumgesellschaft umarmen und konsequent anwenden, sind sie radikaler als jeder Rückzug auf den Körper es sein könnte.</p>
<p>Am Ende steht der Kassensturz und es reicht sogar noch für Freibier.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/03/notizen-cmmn-sns-prjct.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-731" title="Notizen CMMN SNS PRJCT" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/03/notizen-cmmn-sns-prjct-thumb.jpg" alt="Ausschnitt von Notizen zu CMMN SNS PRJCT" width="275" height="275" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/03/notizen-cmmn-sns-prjct.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF.</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=CMMN+SNS+PRJCT+%7C+%C3%9Cber+unsere+Besessenheit+%28Freischwimmer+2011%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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