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	<title>Schönschrift &#187; reSource for transmedial culture</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Cherry &#124; Porno, Film und Festivals (62. Berlinale)</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Mar 2012 17:14:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leinwand]]></category>
		<category><![CDATA[62. Berlinale]]></category>
		<category><![CDATA[Berlinale]]></category>
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		<category><![CDATA[Pornografie]]></category>
		<category><![CDATA[reSource for transmedial culture]]></category>
		<category><![CDATA[ReSource Sex]]></category>
		<category><![CDATA[Sex-Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Stephen Elliott]]></category>
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		<category><![CDATA[Transmediale]]></category>
		<category><![CDATA[transmediale 2k12]]></category>

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		<description><![CDATA[&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/cherry-62-berlinale-fucking-different-xxx-film/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2345" class="wp-caption alignnone"><img class="size-full wp-image-2345" title="Cherry" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/cherry-film-berlinale.jpg" alt="Cherry und Rosenkavalier" width="720" height="322" /><p class="wp-caption-text">Foto: Rumpus Films (alle Rechte vorbehalten)</p></div>
<p>&#8222;Cherry&#8220; heißt eigentlich Angelina und ist ein braves Hollywood-Mädchen. Sie erträgt stoisch die zerrütteten Verhältnisse zu Hause und macht nur eine kleine Szene als ihr Freund (Nr. 1) sie für eine saftige Provision an einen Kumpel vermittelt, der Nacktfotos von ihr macht. Bei der ersten sich bietenden Gelegenheit türmt sie nach San Francisco, um endlich ein selbst bestimmtes Leben zu führen. Sie knüpft Kontakte zur Porno-Szene und verdient fortan ihre Brötchen als &#8222;Cherry&#8220; in pornografischen Filmen für eine Internetplattform. Und da hört das Hollywood-Dasein auf. Allen kulturellen Codes entsprechend müsste die schöne Blonde nun mindestens mit Koks vollgepumpt, verprügelt und vergewaltigt werden, bis sie begreift, in welchen Moloch sie geraten ist und sich eines Besseren besinnt. Der lupenreine Retter würde vor den Toren der pornografischen Alptraumfabrik bereits auf sie warten  &#8211; aber das passiert nicht.</p>
<p>Und genau das können einige Kritikerinnen dem Film <a href="http://www.berlinale.de/de/programm/berlinale_programm/datenblatt.php?film_id=20126575">&#8222;Cherry&#8220;</a> von Stephen Elliott, der bei der 62. Berlinale Weltpremiere feierte, nicht verzeihen. <span id="more-2312"></span>Es ist fast rührend, wie die wenigen vorhandenen Kritiken zum Film nach dem Bösen suchen, das der Film scheinbar &#8222;offensichtlich&#8220; ausspart. So <a href="http://blogs.indiewire.com/theplaylist/berlinale-2012-review-however-hard-it-tries-cherry-fails-to-convince-us-that-a-career-in-porn-is-the-best-idea-ever">schreibt Jessica Kiang auf The Playlist</a>:</p>
<blockquote><p>In presenting the porn industry, without shading, as a refuge from addiction and exploitation and a career choice with great opportunities for upward mobility, at some point the film leaves the realm of believable narrative and enters that of propaganda (pornaganda?)</p></blockquote>
<p>In der Tat, die dunkle Seite der Pornoindustrie ist in &#8222;Cherry&#8220; keine interne Angelegenheit. Sie besteht vielmehr im Verhältnis zwischen der Welt der moralisch Überlegenen zum kulturellen Nichtort der Pornografie und allen, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dass sogar Angelinas alkoholsüchtige Mutter und der koksende Boyfriend (Nr. 2) sich über sie und ihren Job erheben, zeigt die Distanz, die zwischen Sex-Arbeit und dem gesellschaftlich Anerkannten liegt. Stephen Elliott und seine Co-Autorin <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Lorelei_Lee_(pornographic_actress)">Lorelei Lee</a> wissen, wovon sie sprechen, beide sind oder waren selbst als Sex-Arbeiter tätig. Sie erzählen von der Porno-Industrie nicht als ausbeuterischem Moloch, sondern als routiniertem Business, in dem Frauen längst nicht nur vor der Kamera und schon gar nicht nur als hilflose Opfer agieren.</p>
<p>Auf einem anderen großen Berliner Festival, der <a href="http://schönschrift.org/tags/transmediale/">Transmediale</a>, sprach erst kürzlich der Netzaktivist <a href="https://de.wikipedia.org/wiki/Jacob_Appelbaum">Jacob Appelbaum</a> im Rahmen des <a href="http://schönschrift.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">reSource: sex-Programms</a> über seine Arbeit bei der Pornoproduktionsfirma kink.com. (Deren Hauptsitz in San Francisco dient übrigens als Kulisse in &#8222;Cherry&#8220;.) Appelbaum sprach von ziemlich normalen, keineswegs schmuddeligen Arbeitsverhältnissen. Normal allerdings auch im Sinne eines kapitalistischen finanziellen Drucks. Derselbe lastet auf Angelina in &#8222;Cherry&#8220;. Sie braucht Geld und trifft eine Wahl. Dass der Film diese Wahl (und jeden einzelnen damit verbundenen Schritt) beschreibt, ist sein großer Verdienst. Dass Kritikerinnen ihm genau das vorwerfen, zeigt auch ihre eigene Engstirnigkeit. Es zeigt sich aber in erster Linie die unumstößliche Grenze, die das Normale von der Pornografie trennt und auf der unsere (Hollywood-sozialisierte) Kultur basiert.</p>
<p>Auf der Ebene der Bilder überwindet &#8222;Cherry&#8220; diese Grenze selbst nicht. Die  skandalisierten Pornobilder bleiben klar aussortiert, sie werden im Film nicht gezeigt, die Hardcore-Drehs bleiben schön angedeutet. Die Kino-Zuschauer bleiben mit dem, was sie sehen dürfen, deutlich von dem fiktiven Porno-Publikum unterschieden, dem die fiktiven expliziten Aufnahmen vorbehalten sind. Das ist dem Filmmarkt geschuldet, der eine der prominentesten Bühnen für die Trennung zwischen Kunst und Porno ist. Tatsächlich pornografische Bilder hätten es auf die (eigentlich ja als mutig geltende) Berlinale wohl eher nicht geschafft.</p>
<p>Solche Bilder waren während der Berlinale-Woche statt dessen anderswo zu sehen. Parallel zu den Filmfestspielen zeigte das Kino Moviemento, in dem jährlich das <a href="http://schönschrift.org/tags/pornfilmfestival/">Berliner Pornfilmfestival</a> stattfindet, den Film &#8222;Fucking Different XXX&#8220;. Die Vorläufer der Queer-Crossover-Reihe &#8222;Fucking Different New York&#8220; und &#8222;Fucking Different São Paulo&#8220; waren noch im Berlinale Programm gelaufen &#8211; die enthielten aber auch keine explizite Pornografie, auf die sich die XXX-Version nun eingelassen hat. Vielleicht liegt es aber auch nicht an den Bildern allein, sondern an der allgemeinen Einfallslosigkeit des Kompilationsfilms. Die Idee schwule Regisseure lesbische Szenen inszenieren zu lassen (und umgekehrt) mag ihre identitätspolitische Schlagkraft verloren haben, das strenge Konzept wirkt nur mehr schematisch. Da können auch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Todd_Verow">Todd Verow</a> und <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Bruce_LaBruce">Bruce LaBruce</a> mit den bei weitem interessantesten Beiträgen nicht mehr viel reißen.</p>
<p>Im Berliner Festivalfrühjahr hat die Beschäftigung mit Sexualität und ihrer Medialisierung ihren Platz gefunden. Die kulturkonstituierende Unterscheidung zwischen Pornografie und hehrer Kunst ist damit noch nicht überwunden. Die Auseinandersetzung könnte differenzierter sein, auch mutiger, aber im besten Fall ist das ja erst der Anfang. Der Anfang der Revision einer Trennung zwischen Hollywoodheiligen und Huren, zwischen guten Bildern für den roten Teppich und schmutzigem Hinterzimmer-Kino. Den Forderungen der Sex-Arbeiter-Vereinigungen (z.B. <a title="Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen | reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)" href="/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">NSWP</a>) käme so ein Aufbruch jedenfalls entgegen.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf"><img class="alignleft size-full wp-image-2347" title="Notizen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/02/notizen-fucking-different-xxx-thumb1.jpg" alt="Handschriftliche Notizen, Ausschnitt" width="275" height="275" /></a> <a href="/wp-content/uploads/2012/02/notizen-cherry-fucking-different-xxx.pdf">Notizen zu diesem Artikel als PDF</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Cherry+%7C+Porno%2C+Film+und+Festivals+%2862.+Berlinale%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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		<title>Sex und Arbeit oder: Das Unsichtbare sichtbar machen &#124; reSource for transmedial culture (transmediale 2k12)</title>
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		<pubDate>Wed, 08 Feb 2012 14:21:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Aliya Rakhmetova]]></category>
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		<description><![CDATA[Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm reSource for transmedial culture sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/sex-und-arbeit-resource-for-transmedial-culture-transmediale-2k12/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2249" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.flickr.com/photos/transmediale/6627909947/in/set-72157628698408863"><img class="size-full wp-image-2249" title="Grass mud horse" src="/wp-content/uploads/2012/02/grasmudhorse.jpg" alt="" width="720" height="326" /></a><p class="wp-caption-text">Niedlich und subversiv: Das Grass Mud Horse (Titelfoto &quot;People&#39;s Pornography&quot;, alle Rechte vorbehalten, Martin Lui)</p></div>
<p>Das Transmediale-Thema in/compatible steht für Widersprüche in einer hyper-funktionalen Welt. Während in allen Bereichen Abläufe optimiert werden, fragt es nach dem, was nicht glatt läuft. Mit dem Programm <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-transmedial-culture-0">reSource for transmedial culture</a> sollen über die Festivalwoche hinaus, die Sonntag zu Ende ging, Impulse gegeben werden. Die Kategorie <a href="http://www.transmediale.de/content/resource-sex">reSource sex</a> (daneben gibt es markets, networks, activism und methods) verhandelte während des Festivals bereits einen Bereich, der viel Inkompatibles in sich birgt. Wie passt es zum Beispiel zusammen, dass Sex und Nacktheit überall sind und es trotzdem so schwierig ist, reflektierte Standpunkte zu Themen wie Sex-Arbeit, Pornografie oder Pädophilie zu finden? Die US-amerikanische Filmwissenschaftlerin Linda Williams nennt dieses Phänomen ganz transmediale-kompatibel On/scenity. <span id="more-2199"></span></p>
<p>Sie schreibt in ihrem 2004 publizierten Reader <a href="http://www.amazon.com/Porn-Studies-Linda-Williams/dp/0822333120">Porn Studies</a>:</p>
<blockquote><p>On/scenity marks both the controversy and scandal of the increasingly public representations of diverse forms of sexuality <em>and</em> the fact that they have become increasing available to the public at large. [&#8230;] If <em>obscenity</em> is the term given to those sexualy explicit acts that once seemed unspeakable, and were thus permanently kept off-scene, <em>on/scenity </em>is the more conflicted term with which we can mark the tension between the speakable and the unspeakable which animates so many of our contemporary discourses of sexuality.</p></blockquote>
<p>Williams&#8216; Modell bietet einen theoretischen Rahmen für die Spannung zwischen der Allgegenwart von Bildern, die früher obszön genannt wurden, und der Unerhörtheit, die als moralistisches Erbe immer noch mit ihnen verbunden ist.</p>
<p>Diese Unerhörtheit ist dabei zum Teil wörtlich zu nehmen, wie die Podiumsdiskussion &#8222;Commercialising Eros&#8220; zum Thema Sex-Arbeit zeigte. <a href="http://www.transmediale.de/content/aliya-rakhmetova">Aliya Rakhmetova</a> vom globalen Sex-Arbeiter Netzwerk <a href="http://www.nswp.org/">NSWP</a> sprach unter anderem über die Schwierigkeit politische Rechte für eine Gruppe von Menschen einzufordern, deren primäres Ziel es ist, anonym zu bleiben. Zu den Sex-Arbeiterinnen gehören von der Prostituierten, über den Telefonsex-Agenten bis zur Anbieterin erotischer Massagen alle möglichen Berufsgruppen. Sie sind in vielen Teilen der Welt schon alleine deshalb darauf angewiesen, zu verheimlichen was sie tun, um sich vor körperlicher Gewalt zu schützen. Gleiches gilt auch für die Kunden, die die sexuellen Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Gerade wegen der Stigmatisierung und der teils lebensbedrohlichen Risiken der Arbeit ist es wichtig, juristische Rahmenbedingungen zu schaffen. Aber wie führt man eine Demonstration durch, mit Menschen, die nicht erkannt werden dürfen?</p>
<p>Die Künstlerin, Aktivistin und Sex-Arbeiterin <a href="http://www.transmediale.de/content/liad-hussein-kantorowicz">Liad Hussein Kantorowicz</a> überschreitet die Schwelle der Sichtbarkeit ihrer selbst und ihrer Arbeit auf mehreren Ebenen. In ihrer Performance <a href="http://www.transmediale.de/content/watch-me-work-1">&#8222;Watch me Work&#8220;</a>, die parallel zur Podiumsdiskussion stattfand, ließ sie das Publikum an ihrem Arbeitsalltag als Stripperin in einem Videochat teilnehmen. Sie war live auf der Bühne zu sehen, chattete währenddessen per Video und Tastatur mit ihren Kunden und wurde dabei noch zusätzlich für die Dokumentation gefilmt. In der Performance dekonstruierte sie einerseits das Spektakuläre und Anrüchige an ihrem Job. Das Publikum konnte sehen, wie sie außerhalb des für die Webcam sichtbaren Bereichs aß, trank oder SMS schrieb. Andererseits zeigte sich, wie prekär die Arbeitsverhältnisse auch in diesem Bereich sein können. Am Ende der Performance, als sie nach etwa einer Stunde wieder auf&#8217;s Panel kam, hatte sie nur einige wenige Kunden in den bezahlten Bereich des Chats locken können und nicht mehr als ca. 16 Euro verdient.</p>
<p>Wie kann Sex, wörtlich genommen, eine Ressource sein, mit der man seinen Lebensunterhalt verdient, wenn das gesamte Arbeitsfeld der Sex-Arbeit als nicht existent deklariert wird? In China beispielsweise wird die Parole verbreitet, Internet-Pornografie &#8211; &#8222;the cyber yellow danger&#8220; &#8211; sei von der Zensur komplett ausgerottet worden. Wie sich dennoch auf verschiedenen Wegen die unerhörten Bilder ihren Weg von den Machern durch die vernetzte Welt hin zu den Usern bahnen, das recherchierte die Wissenschaftlerin <a href="http://www.transmediale.de/content/katrien-jacobs">Katrien Jacobs</a> für ihr Buch <a href="http://www.amazon.com/Peoples-Pornography-Surveillance-Chinese-Internet/dp/1841504939">&#8222;People&#8217;s Pornography. Sex and Surveillance on the Chinese Internet&#8220;</a>, das sie auf der Transmediale vorstellte. In ihrer Präsentation stellte sie die maßgebliche Inkompatibilität heraus, die den chinesischen Umgang mit Internetpornografie kennzeichnet: Die hyperkapitalistische Gesellschaft, die auch vor dem menschlichen Körper als Ressource nicht Halt macht, steht dem kommunistischen System gegenüber, in dem der Zugang zu Inhalten, die über das Internet kursieren, eingeschränkt wird.</p>
<p>Der Transmediale tat es gut, sich dem Thema Porngorafie, Sex-Arbeit und Bio-Technologie zu öffnen. Die Macher hatten sicher absehen können, das es den Rahmen des Festivals sprengen würde. Daher bleibt mit Spannung abzuwarten, welche Veranstaltungen das reSource Sex-Programm in den kommenden Wochen und Monaten anbieten wird.</p>
<h3>Literatur zum Thema Sex-Arbeit:</h3>
<ul>
<li>NSWP:<em> <em>Reserach for Sex Work 12: <a href="http://www.nswp.org/resource/research-sex-work-12-sex-work-and-violence"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">Sex Work and Violence (p</em></em>df</a>)</em></em></li>
<li>Susanne Koppe: „Sexarbeit zwischen patriarchaler Ausbeutung und emanzipatorischer Subversion“<em> (</em>in:<em> <em><a href="http://www.amazon.de/Gender-Queer-Studies-Einführung-Uni-Taschenbücher/dp/3825229866">Gender / Queer Studies. Eine Einführung</a> </em>von Nina Degele</em>)</li>
<li>Audacia Ray: „Sex On The Open Market: Sex Workers Harness The Power Of The Internet“ (in:<em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;"> <a href="http://www.networkcultures.org/_uploads/24.pdf"><em style="color: #444444; font-family: Georgia, 'Bitstream Charter', serif; line-height: 1.5; border-width: initial; border-color: initial; font-style: italic; border-style: none;">C’lick Me. A Netporn Studies Reader (p</em>df)</a> von </em><em>Katrien Jacobs, Marije Janssen, Matteo Pasquinelli</em>)</li>
</ul>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Sex+und+Arbeit+oder%3A+Das+Unsichtbare+sichtbar+machen+%7C+reSource+for+transmedial+culture+%28transmediale+2k12%29+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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