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	<title>Schönschrift &#187; Köln</title>
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	<description>Notizen zur Kultur</description>
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		<title>Intimität – echt inszeniert &#124; „Häppchenweise“ von Maike Brochhaus</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 21:01:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
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		<category><![CDATA[Köln]]></category>
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		<description><![CDATA[Jenz und Till habe sich zusammen auf’s Sofa gekauert. Er trägt nur Boxershorts, die seinen steifen Penis eher schlecht als recht bedecken. Jenz’ knallbunte Unterwäsche wird die nächsten Szenen nicht überstehen. Wenn die beiden sich bald stöhnend auf dem Flokati &#8230; <a href="http://xn--schnschrift-tfb.org/artikel/haeppchenweise-film-maike-brochhaus/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a><img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Intimit%C3%A4t+%E2%80%93+echt+inszeniert+%7C+%E2%80%9EH%C3%A4ppchenweise%E2%80%9C+von+Maike+Brochhaus+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2644" class="wp-caption alignnone"><img class="size-large wp-image-2644" alt=" © Julian Röder" src="/wp-content/uploads/2013/04/häppchenweise_schönschrift-720x306.jpg" width="720" height="306" /><p class="wp-caption-text">Foto: Julian Röder, alle Rechte vorbehalten</p></div>
<p>Jenz und Till habe sich zusammen auf’s Sofa gekauert. Er trägt nur Boxershorts, die seinen steifen Penis eher schlecht als recht bedecken. Jenz’ knallbunte Unterwäsche wird die nächsten Szenen nicht überstehen. Wenn die beiden sich bald stöhnend auf dem Flokati wälzen, wird nur das großflächige Tattoo auf der rechten Flanke von ihrer Nacktheit ablenken. Sie wird seinen Penis in den Mund nehmen und rhythmisch den Kopf auf und ab bewegen. Er wird ihre Brüste, ihren Po kneten, schließlich ihre Schamlippen lecken und mit dem Finger in ihre Vagina eindringen.</p>
<p>Es ist die zentrale Szene in Maike Brochhaus Debütfilm <a href="http://www.haeppchenweise.net/">„Häppchenweise“</a>, der jetzt in Köln Premiere feierte. Als „postpornografisches Experiment“ bezeichnet sie, was sie da mit sechs Darstellern und einer kleinen technischen Crew in einem besetzten Haus in Köln Kalk verwirklicht hat. <span id="more-2638"></span>Brochhaus hat Kunst auf Lehramt studiert und promoviert nun zu den Grenzen zwischen Kunst und Pornografie. Der queere Filmemacher <a href="http://berlinergazette.de/tabu-fetisch-bruce-la-bruce/">Bruce LaBruce</a> ist ihr Forschungsgegenstand. „Häppchenweise“ hat nicht viel mit den morbiden Metaphern in LaBruces expliziten Filmen gemeinsam, die auf den großen Filmfestivals gezeigt werden. Es ist ein zärtlicher Film, der Sexualität auf der Leinwand jenseits der Klischees von YouPorn oder Hollywood zeigt.</p>
<p>Um ihn zu verwirklichen, hatte Brochhaus Unterstützung aus dem Internet eingeworben. Via Crowdfunding waren über 10.000 Euro zusammen gekommen, der Mindestbetrag, um das Filmprojekt anzuschieben. Die Postproduktion konnte damit nicht abgedeckt werden, auch keine Honorare für die Darsteller. Das ist bei kleinen Filmprojekten keine Seltenheit. Dass schon vor der Premiere zahlreiche Internetuser den <a href="http://haeppchenweise.net/shop/shop.php">Download des Films</a> vorbestellten und die Tilgung der Kosten in greifbare Nähe rückt, ist dagegen bemerkenswert.</p>
<p>Die Versuchsanordnung, die die Unterstützer neugierig gemacht haben dürfte, sieht so aus: Sechs Personen lernen einander kennen. Sie essen zusammen, trinken Cocktails, reden über Sex und spielen Flaschendrehen. Auf wen die Flasche zeigt, der oder die zieht eine Karte von einem von drei Stapeln. Die Aufgaben und Fragen reichen von harmlos bis scharf: „Wie kann dich jemand beim ersten Treffen überraschen?“„Erzähle, wie du es dir selber machst.“ „Küsse jemanden aus der Runde so, dass er oder sie nicht mehr aufhören will.“ Die Dinge nehmen ihren Lauf, während hinter den Kulissenwänden die Tonbänder mitlaufen und eine Kameracrew durch einseitig verspiegelte Scheiben jede Bewegung filmt. Brochhaus zeigt: Für die Generation YouPorn ist Big Brother eine mediale Kindheitserinnerung, die man für die eigenen Zwecke nach Belieben gebrauchen und dekonstruieren kann.</p>
<p>Ob es das Spiel war, das Jenz und Till eng umschlungen auf dem Teppich hat landen lassen, der Alkohol oder eine authentische Anziehung zwischen den beiden, das erfährt der Zuschauer nicht. Es ist auch egal, denn die Szene ist heiß. Selbst hartgesottene Porno-Routiniers kann sie nicht kalt lassen und das hat etwas mit dem medialen Setting zu tun. Hier versuchen sich weder zwei sogenannte Amateure an einer professionellen Pornoästhetik, noch werden heimlich zwei Unschuldige beim Liebesspiel beobachtet. Darsteller und Zuschauer begegnen sich auf einer Ebene jenseits von Voyeurismus und Exhibitionismus. Sie sind Akteure, die wissen, was sie tun und sich mit Freuden von der Hitze des Augenblicks mitreißen lassen.</p>
<p>Auch wenn Jenz und Till das Zentrum der Szene sind, rührt doch die Spannung, die sie so besonders macht, nicht unwesentlich vom Verhalten der anderen Darsteller her. Nach und nach verlassen sie den Raum und weichen auf die Terrasse aus. Die Absicht, die beiden auf dem Sofa „alleine zu lassen“ wirkt vor dem filmeigenen Setting absurd – aber ehrlich. Die Gruppe überlässt das Paar den Kameraleuten und letztlich den Blicken der Zuschauer, die gerade deshalb einen spannenden Moment von echter, inszenierter Intimität erleben – das ist hier kein Widerspruch.</p>
<p>Das zeigt sich spätestens als der Moment vorbei ist, schneller als man denkt. Jenz hockt auf Tills Schoß, sie zieht seinen Kopf zu sich und raunt, dass sie jetzt viel zu nervös sei. Die zwei tauschen noch ein paar Küsse, ziehen sich dann wieder an und gesellen sich zu den anderen. „Und hattet ihr Sex?“ Die Antwort ist unentschlossen: „Ja, nein, also&#8230; wer weiß das schon?“ Ja, denn es war heißt und innig und erregend und schön. Da würde das geneigte Publikum sofort zustimmen. Nein, denn es kam nicht zum klassischen, heterosexuellen Geschlechtsakt wie er im (Bio-)Buche steht: zur Penetration. So tief sitzen sie, die Muster, wie wir über Sex denken und sprechen. Und sie werden lange nicht nur von der allseits proklamierten Pornofizierung der Gesellschaft geprägt.</p>
<p>Gegen solche Konventionen führt Maike Brochhaus ihren Film ins Feld. Der lebt von den ehrlichen Gesprächen über Sexualität, die die sechs Akteure führen, mindestens ebenso wie von den intimen Szenen. Es geht darin um sadomasochistische Blinddates, um Liebesbeziehungen zu mehr als einer Person gleichzeitig und zu unterschiedlichen Geschlechtern, um schwulen Sex. Und das alles findet in einem Umfeld statt, das einem von der letzten WG-Party bekannt vorkommt – aber eben nur ein wenig. Denn Brochhaus’ Film ist trotz des Experiments, das ihm zugrunde liegt, ein sorgfältig editiertes Werk geworden, das den Namen verdient.</p>
<p>Aus vielen Stunden Material, aufgenommen von neun Kameras während des elfstündigen Drehs, hat die Regisseurin heraus geschält, was sie zeigen wollte. Eine 70-minütige Komposition zum Thema Sexualität, die Intellekt und Instinkt gleichzeitig anspricht und die Trennung zwischen beiden irgendwie absurd erscheinen lässt. Der Film gelingt ohne große tabubrecherische Geste als das, was Till sich in der Eröffnungssequenz von ihm erhofft: „Ein antibürgerliches Statement.“</p>
<p><em>Dieser Artikel erschien ebenfalls in der <a href="http://berlinergazette.de/brochhaus-post-porno/">Berliner Gazette</a>.</em></p>
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		<title>SIGINT12 &#124; Das Wissen der Nerds</title>
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		<pubDate>Sat, 26 May 2012 08:01:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Katja Grawinkel]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<p><img class="alignnone size-full wp-image-2579" title="OLYMPUS DIGITAL CAMERA" src="https://ssl-account.com/xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2012/05/SIGINT-für-Schönschrift.jpg" alt="" width="720" height="306" />Es ist Freitag, 23 Uhr im Kölner Mediapark. Eine junge Frau schleicht durch die Häuserschluchten. Sie trägt einen Beamer vor sich her. So ein Teil, das man eher aus Vortragsveranstaltungen kennt oder sich als Heimkino ins Wohnzimmer installiert. Aber hier läuft kein Film. Wie eine große Taschenlampe wirft das Gerät ein weißes Rechteck aus Licht auf die Dinge. Es rückt Nischen in den Fokus, die immer da sind und nie auffallen, durchdringt Glasfassaden und zaubert skurrile Schatten an die Wände. Vera Drebuschs poetischer „BeamerWalk“ gehört zum künstlerischen Rahmenprogramm der SIGINT12. Die zweitgrößte Veranstaltung des Chaos Computer Clubs (CCC) neben dem Berliner Chaos Communication Congress fand am vergangenen Wochenende in Köln statt. Der „BeamerWalk“ eröffnet eine ganz einfache Perspektive auf das Hackertum, das hier gefeiert wird: Eine Technologie wird anders verwendet als es der Mainstream vorschreibt und ermöglicht dadurch einen neuen Blick auf Dinge und Strukturen.<span id="more-2576"></span></p>
<p>Für Unbedarfte reicht so eine Minimaldefinition als Einstieg ins Hacker-Universum. Den Rest erledigt die SIGINT12 in 72 atem- und (dank exzessivem „Club Mate“-Konsum) zum Teil schlaflosen Stunden. Denn Hacktivismus ist mehr als Medienkunst. Es geht um das Wissen von Programmierern und Informatikern in Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft, das in den immer vernetzteren Zeiten goldwert ist. Florian „scusi“ Walther spricht in seinem Eröffnungsvortrag von einem „Tsunami der digitalen Revolution“ und schwört mit fast religiösem Pathos die „Hacker-Gemeinde“ gegen die Anderen, die „Vordigitalen“, ein. Die Kampfrhetorik erinnert an Neo und die Matrix und erscheint ganz überflüssig. Denn die Themen, die hier in Workshops, Vorträgen und Panels behandelt werden, sind auch ohne Gänsehaut von brennender Relevanz.</p>
<p>Hacken, das bedeutet im Sinne der SIGINT12 Sicherheitslücken in den allgegenwärtigen IT-Systemen aufzustöbern und verantwortungsvoll offenzulegen, sodass sie zum Schutz der digitalen Gemeinschaft behoben werden können. „Einen 0-day fixen“ heißt das hier oder: „das Betriebssystem de-buggen“. Damit kennt sich der 1981 gegründete Chaos Computer Club aus, wie Constanze Kurz in ihrem Update zum sogenannten Staatstrojaner-Hack vom Oktober 2011 verdeutlicht. Die ehrenamtliche Sprecherin des CCC skizziert wie der Club im letzten Jahr die Software analysiert hat, mit der deutsche Strafverfolgungsbehörden die Rechner von Verdächtigten infiltrieren und überwachen. Dabei kamen eklatante Sicherheitslücken ans Tageslicht. Es zeigte sich, dass die Privatsphäre der Überwachten gefährdet ist und ihre Rechnersicherheit auch vor dem Zugriff Dritter nicht geschützt werden kann. Hinzu käme, moniert der CCC, dass die umstrittene Methode nicht einmal gerichtsfeste Beweise liefere. Die Behörden hatten nach dem Hack Besserung gelobt, aber echte Neuigkeiten gab es davon nicht zu berichten, sagte Kurz. Der Inkompetenz der Behörden, bei denen die Software „Quellen-Telekommunikationsüberwachung“ heißt, steht der Unwille der Hacker gegenüber, ihr Know-How in den Dienst staatlicher Überwachung zu stellen. Das hat nicht nur mit der schlechten Bezahlung zu tun, sondern in erster Linie mit einer gewissen Hacker-Ethik.</p>
<p>Die Macht, die mit Computer-Wissen auch im globalen Sinne einhergeht, betonten Sylvia Johnigk und Kai Nothdurft vom Forum Informatikerinnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) in ihrem Vortrag zum Thema „Cyberpeace“. In etwa 140 Ländern weltweit gebe es bereits militärische Einheiten, die sich mit Cyber-Attacken beschäftigen. Solche digitalen Angriffe legen nicht nur kriegsrelevante Technologien lahm, sondern auch kritische Infrastruktur wie Strom- oder Wasserversorgung. Hier fehlten die notwendigen IT-Sicherheitsmaßnahmen und ziviler und militärischer Schaden seien kaum auseinander zu halten. Auch ließe die Trennschärfe zwischen Cyber-Kriminalität und digitalem Krieg zu wünschen übrig, sodass im schlimmsten Fall ein militärischer Schlag gegen Urheberrechtsverletzungen drohe oder reale<em> </em>Waffengewalt als Antwort auf virtuelle Angriffe. Der Begriff „Cyberpeace“ steht für die Forderungen der digitalen Friedensaktivisten, etwa nach der Abrüstung der politischen Sprache und einer digitalen Genfer Konvention.</p>
<p>Die Stärke der SIGINT12 liegt darin, dass sie mühelos solche großen Themen mit Spielerisch-Leichtem verwebt. Urheberrecht und Vorratsdatenspeicherung werden hier ebenso engagiert diskutiert wie die Serie „My little Pony“. Es gibt Tipps für das deutsche Bildungssystem und zur Smartphone-Sicherheit. Und in Workshops werden nicht nur Roboter programmiert, sondern auch Stickmaschinen. Der <a href="http://www.lawblog.de/">Strafverteidiger und Blogger Udo Vetter</a> wird gefeiert wie ein Star-Comedian und man lauscht mit heiligem Ernst, wenn jemand die Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Facebook referiert. Die sogenannten „Lightning-Talks“ (Blitz-Vorträge) treiben es auf die Spitze: Jeder, der möchte, bekommt fünf Minuten Zeit, um ein Thema seiner Wahl vorzustellen. Die Themenvielfalt kennt keine Grenzen und die Konzentrationsspanne wird nicht überstrapaziert. Passend dazu wird getwittert und gebloggt, dass einem der Zeitungsjournalismus wie ein Relikt von gestern vorkommt – aus längst vergangenen Zeiten also.</p>
<p>Und dann wäre da noch eine Kleinigkeit. Dieser Text spiegelt das Geschlechter-Verhältnis unter den Konferenz-Teilnehmern nicht annähernd korrekt wieder. Wenn auch auf den Podien beeindruckend präsent, so waren die Hackerinnen doch insgesamt deutlich in der Unterzahl – wie sie das eben in den technischen und naturwissenschaftlichen Gefilden meistens sind. Aber es gibt Hoffnung. Philip Steffan leistete in seinem Vortrag „Feminismus für Nerds“ Basisarbeit in Sachen Anti-Sexismus für seine Geschlechtsgenossen und Laura Stumpp forderte in einem Lightning-Talk: „Heterosexismus hacken!“ Man traut der Community zu, dass sie bis zur SIGINT13 irgendwo zwischen dem piratischen Postgender und einer NerdInnen-Quote kreative Lösungen für den Gender-Bug findet.</p>
<p><em>Dieser Text erschien bereits im <a href="http://www.freitag.de/alltag/1220-staatstrojaner-und-my-little-pony">Freitag</a>.</em></p>
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		<title>Auf der falschen Seite &#124; Tatort &#8222;Altes Eisen&#8220; in der ARD</title>
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		<pubDate>Mon, 05 Sep 2011 14:52:41 +0000</pubDate>
		<dc:creator><![CDATA[Till Claassen]]></dc:creator>
				<category><![CDATA[Gender]]></category>
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				<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1429" class="wp-caption alignnone"><a href="http://www.flickr.com/photos/photomek/4438294293/"><img class="size-full wp-image-1429" title="Köln, Hohenzollernbrücke" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/09/koeln-nacht.jpg" alt="Die Kölner Hohenzollernbrücke bei Nacht in schwarz-weiß" width="720" height="306" /></a><p class="wp-caption-text">Foto: Thomas Babut, flickr.com/photos/photomek (CC-By)</p></div>
<p>Im gestern gesendeten Kölner Tatort &#8222;<a href="http://www.daserste.de/tatort/sendung.asp?datum=04.09.2011">Altes Eisen</a>&#8220; war Edgar Selge in der Rolle der transsexuellen Trudi natürlich der große exotische Gast. Als urspießige alte Lady ist Trudi das Zentrum der Handlung im liberalen Köln („Jeder Jeck ist anders.“). An ihrer sexuellen Identität werden nebenbei dann auch die relevanten Probleme abgehandelt, ob nun getrennte Toiletten (&#8222;Geh gefälligst aufs Männerklo, wo du hingehörst.&#8220;) oder die Anrede: &#8222;Frau Hütten? &#8211; Trudi, bitte&#8220;. Auch die strengen Regeln des <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Transsexuellengesetz">Transsexuellengesetzes</a> (die erst 2011 geändert wurden) werden notdürftig in Dialogform abgehandelt.<span id="more-1415"></span></p>
<p>Thematischer Mittelpunkt ist aber eine ermordete Vermieterin, vom Auszug bedrohte Mieter und das große Drumherum namens Gentrification. Der Schauplatz, ein uriges kölsches Viertel, droht in fünf Jahren &#8222;der coolste Bezirk&#8220; zu sein. Und das bedeutet, dass alteingesessenen Mietern das Pflaster zu teuer wird. Diese Verdrängung bekommt mit der Vermieterin Erika Roeder nun ein Gesicht, was Matthias Dell im <em>Freitag</em> zu Recht <a href="http://www.freitag.de/kultur/1135-likoerchen">kritisiert</a>, schließlich ist der Verdrängungseffekt eben in seinem anonymen Wirken so vertrackt:</p>
<blockquote><p>Dabei besteht das nebulöse Wirken dieser Gentrifizierung doch darin, dass die Häuser irgendwann einfach besenrein geworden sind, und die Menschen, die auf der Schäl Sick leben wie Trudi oder Gerda, sterben müssen oder woanders hinziehen.</p></blockquote>
<p>Selbst der Wettbüro-Inhaber Stamm (Tobias Oertel), dessen Einfluss letztlich hinter den finanziellen Nöten der Ermordeten steckt, ist Teil des Milieus und kein externer, abstrakter Faktor. Seine problematische Rolle als Glücksspielanbieter bleibt hier aber unreflektiert, obwohl Glücksspiel in den schwierigen Vierteln der Großstädte <a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/casino-fatal/4472344.html">fatal boomt</a>. Statt die größeren Muster zu betrachten, bleibt das Drehbuch von Mario Giordano auch hier dicht am Konkreten.</p>
<p>Passend zu den Betrachtungen zur Identität und Rolle der Trudi Hütten werden auch die Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus Behrendt und Dietmar Bär) vor die Frage nach ihren Zielen gestellt. Ballauf liebäugelt mit einem Karrieresprung zum BKA und mit der (leider dann doch vergebenen) Lydia Rosenberg, während Schenk sich demonstrativ auf seine Familie und das altbekannte Morddezernat beruft. Und Trudi ist bis zum Ende der treu ergebene Ehemann Arno für ihre geschiedene Frau Gerda. Liebe, Glück und Verantwortung seien eben nicht immer ein Gleichklang.</p>
<p>Dass die Handlung irgendwann nicht mehr trägt und am Ende der Mord von der unverdächtigsten, passivsten Person begangen wurde, ist zu verzeihen. Selge beim Spiel der vielschichtigen Trudi zuzusehen macht Spaß und das Kölner Kommissarengespann ist sowieso ein gutes Team. Die gesellschaftlichen Themen sind etwas dick aufgetragen, aber wenn man bedenkt, dass man 2007 noch <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Andrej_Holm#Ermittlungsverfahren_wegen_Verdachts_der_Mitgliedschaft_in_einer_terroristischen_Vereinigung">in Untersuchungshaft landen konnte</a>, wenn man den Begriff &#8222;Gentrifizierung&#8220; benutzte, dann ist es beachtlich, dass der Tatort sich dessen annimmt.</p>
<p><a href="/wp-content/uploads/2011/09/notizen-tatort-altes-eisen.pdf"><img class="alignleft size-thumbnail wp-image-1433" title="notizen-tatort-altes-eisen" src="http://xn--schnschrift-tfb.org/wp-content/uploads/2011/09/notizen-tatort-altes-eisen-thumb-275x274.jpg" alt="Ausschnitt aus Notizseite" width="275" height="274" /></a><a href="/wp-content/uploads/2011/09/notizen-tatort-altes-eisen.pdf">Notizen zu diesem Text als PDF.</a></p>
<img src="http://piwik.xn--schnschrift-tfb.org/piwik.php?idsite=7&rec=1&action_name=Auf+der+falschen+Seite+%7C+Tatort+%26%238222%3BAltes+Eisen%26%238220%3B+in+der+ARD+%7C+Sch%C3%B6nschrift" style="border:0" alt="" />]]></content:encoded>
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